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Claude geht offline – Opfer des eigenen Erfolgs

Anthropics KI-Chatbot Claude ging am 2. März weltweit für knapp drei Stunden offline. Der Grund: ein historischer Nutzeransturm, angetrieben durch den Pentagon-Streit und die QuitGPT-Bewegung.

Dienstag, 3. März 2026~2 Min. Lesezeit
Pascal Eugster
Pascal EugsterGründer & Entwickler
Illustration eines überlasteten Serverraums mit blinkenden Warnlichtern und Warteschlange, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines überlasteten Serverraums mit blinkenden Warnlichtern und Warteschlange, kinewsletter.ch Stil
Das Wichtigste

Claudes Ausfall zeigt: Anthropic hat ein Nachfrage-Problem – das beste Problem, das ein Startup haben kann.

Anthropics KI-Chatbot Claude ist am Sonntagmorgen weltweit ausgefallen – für knapp drei Stunden war der Dienst nicht erreichbar. Der Grund ist so simpel wie bemerkenswert: Zu viele Menschen wollten gleichzeitig Claude nutzen.

Platz 1 im App Store, Platz 0 beim Server

Die Zahlen sind eindrücklich: Seit Januar sind die kostenlosen Nutzer um über 60% gewachsen, die bezahlten Abos haben sich seit Oktober mehr als verdoppelt. Die Claude-App hat ChatGPT als meistgeladene KI-App in Apples App Store überholt – zum ersten Mal überhaupt. Ein Anthropic-Sprecher bestätigte gegenüber Bloomberg: «Die täglichen Neuanmeldungen haben jeden Tag diese Woche den Allzeit-Rekord gebrochen.»

Was diese Login-Server nicht verkrafteten: den Ansturm von 18,9 Millionen monatlich aktiven Nutzern – Tendenz stark steigend. Gegen 6:40 Uhr New Yorker Zeit meldeten fast 2’000 User gleichzeitig Probleme auf Downdetector. Der Ausfall traf nur die Consumer-Produkte (claude.ai, Apps, Claude Code). Die API für Unternehmen lief unterbrechungsfrei weiter.

Pentagon-Streit als Wachstums-Turbo

Hinter dem Ansturm steckt ein ungewöhnlicher Treiber: Der Streit zwischen Anthropic und dem US-Verteidigungsministerium. Nachdem Anthropic sich weigerte, Sicherheitsmassnahmen für den militärischen Einsatz von Claude zu lockern, wurde das Unternehmen von der Trump-Administration auf eine schwarze Liste gesetzt. Fast gleichzeitig schloss Konkurrent OpenAI einen Pentagon-Deal ab.

Die Reaktion der Öffentlichkeit: Über 1,5 Millionen Menschen schlossen sich der QuitGPT-Bewegung an, kündigten ihre ChatGPT-Abos und wechselten zu Claude. Das Ergebnis: Claude kletterte innerhalb weniger Tage von ausserhalb der Top 100 auf Platz 1 im App Store.

Auth-Server ja, KI-Gehirn nein

Technisch gesehen war nicht das KI-Modell das Problem, sondern die Authentifizierungs-Infrastruktur – also die Server, die Logins verarbeiten. Wenn zu viele Anfragen gleichzeitig eingehen und Timeouts auftreten, versuchen Clients automatisch erneut. Das multipliziert die Last und erzeugt eine Kaskade, die das ganze System in die Knie zwingt.

Anthropic meldete nach knapp drei Stunden Entwarnung: «Claude ist zurück. Wir sind dankbar für die Geduld unserer Nutzer, während wir der unglaublichen Nachfrage gerecht werden.»

Für dich als Claude-Nutzer: Die KI selbst war nie betroffen – nur der Weg dorthin. Und wenn ein Ausfall passiert, weil zu viele Leute dein Produkt wollen, gibt es schlimmere Probleme.

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