NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·KI-FORSCHUNG

AlphaProof Nexus knackt Erdős-Probleme im Schnellverfahren – für ein paar Hundert Franken pro Stück

Google DeepMind kombiniert Gemini 3.1 Pro mit dem Lean-Compiler und löst neun ungelöste Erdős-Probleme, zwei davon seit 56 Jahren offen – für je ein paar Hundert Dollar.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
26. MAI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Skizze AlphaProof Nexus mit Mathematiker, Tafel mit Formeln, Roboter und Beweis-Schriftrolle
Skizze AlphaProof Nexus mit Mathematiker, Tafel mit Formeln, Roboter und Beweis-Schriftrolle (Dark)
INHALT
01Ein Mathematiker im Loop, ein Compiler als Sicherheitsnetz02Vier Agent-Varianten – und eine überraschende Erkenntnis03Was sonst noch fiel04Auch ungelöst kann nützlich sein05Für dich konkret
INHALT
01Ein Mathematiker im Loop, ein Compiler als Sicherheitsnetz02Vier Agent-Varianten – und eine überraschende Erkenntnis03Was sonst noch fiel04Auch ungelöst kann nützlich sein05Für dich konkret
in
PARTNER · INOO GMBH
Wie viel KI verträgt dein Betrieb? In 30 Minuten Klartext.

Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.

Gespräch buchen →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Formaler Beweis-Assistent plus LLM schlägt reines Sprachmodell – und macht professionelle Mathematik-Forschung mit KI plötzlich bezahlbar.

Google DeepMind hat mit AlphaProof Nexus ein neues System vorgestellt, das mathematische Probleme löst, an denen sich Forscher seit über 50 Jahren die Zähne ausbeissen. Neun von 353 offenen Erdős-Problemen – darunter zwei, die seit 56 Jahren ungelöst sind – fielen autonom. Kostenpunkt pro Problem: einige Hundert US-Dollar an Inferenz-Compute.

Ein Mathematiker im Loop, ein Compiler als Sicherheitsnetz

Was AlphaProof Nexus von früheren Versuchen unterscheidet, ist das Setup. Statt das Sprachmodell die ganze Beweiskette in natürlicher Sprache durchziehen zu lassen – wie es OpenAI mit GPT-5.2 Pro und GPT-5.4 in vergleichbaren Aufgaben gemacht hat – kombiniert DeepMind das Modell Gemini 3.1 Pro mit dem formalen Beweis-Compiler Lean.

Konkret heisst das: Gemini schlägt einen Beweisschritt vor, Lean prüft ihn maschinell, und Fehlermeldungen wandern direkt in den nächsten Versuch zurück. Das Sprachmodell muss damit nicht selbst beurteilen, ob seine Logik stimmt – diese Aufgabe übernimmt der Compiler. Eine bekannte Schwachstelle generativer Modelle wird so umgangen.

Vier Agent-Varianten – und eine überraschende Erkenntnis

Das System besteht aus vier Agent-Stufen mit zunehmender Komplexität. Variante A ist der einfachste Loop aus Gemini plus Lean-Compiler. B fügt Anfragen an AlphaProof dazu, DeepMinds spezialisiertes Reinforcement-Learning-System für Olympiade-Mathematik. C bringt einen evolutionären Mechanismus ins Spiel: Sub-Agenten teilen sich eine gemeinsame Population von Beweis-Skizzen, die mit einem Elo-System bewertet werden. D kombiniert alles.

Für die Erdős-Probleme wurde Variante D eingesetzt. Aber: Eine nachträgliche Analyse zeigt, dass auch der einfachste Agent A alle neun gelösten Probleme schaffte – nur teurer auf den schwierigsten. Die Forscher leiten daraus einen Trend ab: «Eine fortschreitende Verschiebung von spezialisierten trainierten Systemen hin zu einfachen agentischen Loops, je leistungsfähiger LLMs werden.»

Was sonst noch fiel

Neben den neun Erdős-Problemen löste AlphaProof Nexus:

  • 44 von 492 offenen Vermutungen aus der Online Encyclopedia of Integer Sequences
  • Eine 15 Jahre alte Frage zu Hilbert-Funktionen in der algebraischen Geometrie
  • Eine verbesserte Schranke in der konvexen Optimierung

Die Erfolge konzentrieren sich auf Bereiche wie Kombinatorik, konvexe Optimierung und Zahlentheorie – also dort, wo Leans Mathematik-Bibliothek Mathlib ausgereift ist und sich Probleme in handhabbare Teilziele zerlegen lassen. Der grosse Rest blieb ungelöst. Insgesamt liegt die Erfolgsquote bei rund 2,5 Prozent.

Auch ungelöst kann nützlich sein

Mathematiker, die mit dem System gearbeitet haben, berichten von einem Nebeneffekt: Auch gescheiterte Beweisversuche vertieften das Verständnis für ein Problem. Weil die Skizzen formal sind, konnten sich Expertinnen auf die noch offenen Teilziele konzentrieren, statt jedes Argument von Grund auf nachzuprüfen. Die Agenten halfen zudem, fehlerhafte Formalisierungen in der Literatur zu entlarven.

Aktuell wird das System bereits in laufender Forschung zur Quantenoptik und Graphentheorie eingesetzt. Alle Lean-Beweise stehen auf GitHub offen zur Verfügung.

Für dich konkret

Wenn du in einem Forschungsumfeld arbeitest – ETH, EPFL, Universitäten – ist AlphaProof Nexus ein Wink mit dem Zaunpfahl: Formale Beweis-Assistenten sind nicht mehr nur Spielwiesen für Informatiker, sondern werden zu echten Werkzeugen in der Mathematik-Forschung. Lean ist gratis, die Methode ist publiziert, und das DeepMind-Paper liefert eine konkrete Blaupause.

Fields-Medaillen-Träger Tim Gowers nannte einen vergleichbaren OpenAI-Erfolg kürzlich einen «Meilenstein in der KI-Mathematik». Terence Tao bleibt vorsichtig: Die echte Erfolgsquote liege gerade mal bei einem bis zwei Prozent, konzentriert auf einfachere Aufgaben. Genau diese Marke trifft DeepMind mit neun von 353. Aber zwei Probleme, die seit den 1970er-Jahren offen waren, sind jetzt erledigt – und das für den Gegenwert eines mittleren Restaurantbesuchs.

🔗 Quellen: The Decoder, arXiv 2605.22763, GitHub – AlphaProof Nexus Results

Quellen

The Decoder - AlphaProof Nexus↗ EXTERNER LINKarXiv Paper 2605.22763↗ EXTERNER LINKGitHub - AlphaProof Nexus Results↗ EXTERNER LINK
FIRMEN IN DIESEM ARTIKEL
GoogleOpenAIETH ZürichEPFL
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Montag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Illustration eines Tresors mit zwei Schlüssellöchern, zwei getrennt liegenden Schlüsseln und einem versiegelten Umschlag, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Tresors mit zwei Schlüssellöchern, zwei getrennt liegenden Schlüsseln und einem versiegelten Umschlag, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·28. AUGUST 2026

Google lässt Gemini prüfen, ohne die Fragen zu sehen

DeepMind liess Gemini 2.5 Flash Lite erstmals doppelblind prüfen: Die Prüfer sahen die Modellgewichte nicht, Google die Testfragen nicht. Ein Fortschritt – mit offensichtlichem Interessenkonflikt.

Illustration eines Roboterarms, der einen Stapel Probenplatten über eine Laborbank mit Mikroskop hebt, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Roboterarms, der einen Stapel Probenplatten über eine Laborbank mit Mikroskop hebt, kinewsletter.ch Stil
Nur für Abonnenten·KI-FORSCHUNG·28. AUGUST 2026

Anthropic lässt KI-Agenten Laborgeräte steuern – vorerst nur auf Einladung

Anthropic hat den Model Hardware Standard als Research Preview gestartet – eine Spezifikation, mit der KI-Agenten Mikroskope, Pipettierroboter und Roboterarme gleichzeitig bedienen. Erste Partner hängten ihre Geräte in acht Stunden statt mehreren Wochen zusammen. Open Source ist angekündigt, bisher gibt es nur eine Warteliste.

Illustration einer Laborwerkbank mit geschwärztem Paper und Plotterkurve, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Laborwerkbank mit geschwärztem Paper und Plotterkurve, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·24. AUGUST 2026

Inherents Faraday schlägt Claude und GPT-5.5 – im eigenen Test

Das Londoner Lab Inherent hat einen Agenten mit 27 Milliarden Parametern gebaut, der publizierte Forschung nachbaut – und dabei laut eigenen Messungen Claude Opus 4.8 und GPT-5.5 schlägt. Der Trick: Der kleine Agent dirigiert den grossen. Eine unabhängige Nachprüfung steht aus.

Illustration eines Baugerüsts, das eine kleine Maschine umschliesst, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Baugerüsts, das eine kleine Maschine umschliesst, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·23. AUGUST 2026

Nvidia zeigt: Das Gerüst schlägt das Modell

Nvidias Forschungssystem AVO holt mit Claude Opus 5 einen perfekten Score von 100,00 auf dem öffentlichen Set des Benchmarks ARC-AGI-3. Dasselbe Modell allein kommt auf 30,16 Prozent. Den Unterschied macht nicht das Modell, sondern der Harness – das Gerüst aus Gedächtnis, Werkzeugen und Aufsicht drumherum.

Handgezeichnete Skizze einer Druckerei mit Stapeln identischer Bogen, einer davon blau hervorgehoben, kinewsletter.ch Stil
Handgezeichnete Skizze einer Druckerei mit Stapeln identischer Bogen, einer davon blau hervorgehoben, kinewsletter.ch Stil
Nur für Abonnenten·KI-FORSCHUNG·22. AUGUST 2026

Ein Drittel oder ein Zehntel? Beide Zahlen stimmen

Das Pew Research Center hat 490'000 Webseiten auf KI-Spuren untersucht. Die eine Hälfte der Presse titelt «ein Drittel des Webs», die andere «zehn Prozent». Beide zitieren dieselbe Studie – und beide haben recht. Der Unterschied liegt in einem einzigen Filter.

Illustration einer Waage mit Papierstapeln auf beiden Schalen vor einem Rundbogenfenster, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Waage mit Papierstapeln auf beiden Schalen vor einem Rundbogenfenster, kinewsletter.ch Stil (Dark Mode)
KI-FORSCHUNG·21. AUGUST 2026

Terence Tao: KI stürzt die Mathematik in eine Wertekrise

Fields-Medaillist Terence Tao warnt in einem neuen Essay: KI führt die Mathematik in eine Krise, die so grundlegend ist wie jene um Russell und Gödel. Diesmal steht nicht die mathematische Wahrheit auf dem Prüfstand, sondern die Werte des Fachs – was zählt als Beitrag, wer hat die Arbeit gemacht.

Mehr aus KI-Forschung →