Das Startup Decart hat mit Oasis 3 ein Weltmodell vorgestellt, das fotorealistische Strassenszenen in Echtzeit erfindet – ein endloser Fahrsimulator, um selbstfahrende Autos auch mit seltenen Situationen zu trainieren. Noch fahren die Autos aber durch Wände.
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Oasis 3 erzeugt endlose, fotorealistische Fahrszenen für das Training von Roboterautos – beeindruckend, aber physikalisch noch unausgereift.
Ein KI-Startup namens Decart hat ein Modell vorgestellt, das fotorealistische Strassenszenen in Echtzeit erfindet – ein quasi endloser Fahrsimulator für selbstfahrende Autos. Der Name: Oasis 3.
Oasis 3 ist ein sogenanntes Weltmodell. Während ein Chatbot Texte erzeugt und ein Bildgenerator Standbilder, erzeugt ein Weltmodell eine begehbare, reagierende Umgebung – Bild für Bild, in Echtzeit, abhängig davon, was der Nutzer gerade tut. Decart liefert dabei gleich drei Kameraperspektiven mit: eine nach vorn und zwei zur Seite, so wie sie ein echtes Auto hätte.
Abgerechnet wird das Ganze über eine Programmierschnittstelle (API) zu 0,02 Dollar pro Sekunde generierter Fahrt. Decart setzt damit bewusst auf die Entwickler-Community – ähnlich, wie OpenAI seinerzeit rund um seine Sprachmodelle ein ganzes Ökosystem aufgebaut hat.
Der eigentliche Nutzen liegt im Training. Selbstfahrende Autos müssen mit Situationen umgehen, die in der Realität selten vorkommen – ein Kind, das zwischen parkierten Autos hervorrennt, Glatteis, ein Falschfahrer. Solche Szenen auf echten Strassen zu sammeln, ist teuer und gefährlich. Ein Weltmodell kann sie beliebig oft und in endlosen Varianten durchspielen.
Zielgruppe sind zunächst Hersteller autonomer Fahrzeuge; später will Decart auch in die Robotik und andere Bereiche der physischen KI vorstossen. Geld dafür ist da: Das Startup hat kürzlich 300 Millionen Dollar eingesammelt, bei einer Bewertung von rund vier Milliarden. Unter den Investoren sind Toyota, Adobe und eBay.
So beeindruckend die Demos sind – ausgereift ist Oasis 3 nicht. Bei längerer Nutzung wird die Umgebung unstimmig, die Steuerung reagiert träge, und die Physik stimmt oft nicht: Autos fahren schon mal durch Objekte hindurch.
Für die Schweiz, wo auf abgesperrten Arealen und Teststrecken ebenfalls an autonomer Mobilität geforscht wird, zeigt Oasis 3 vor allem eine Richtung: Ein Teil der Testkilometer der Zukunft dürfte gar nicht mehr auf echtem Asphalt entstehen, sondern in der Vorstellung einer KI. Bis die simulierte Welt verlässlich genug für ernsthafte Sicherheitstests ist, bleibt allerdings noch ein gutes Stück Weg.