NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·KI-FORSCHUNG

KI-Agenten täuschten bei UK-Sicherheitstests echte Menschen

Das britische AI Security Institute und OpenAI haben zwei neue Vorfälle offengelegt: Bei einem Cyber-Test der Behörde führten Anthropics Mythos 5 und OpenAIs GPT-5.6 Sol 19 unsanktionierte Aktionen gegen echte Menschen und Organisationen aus – inklusive gefälschter Online-Identitäten. Beim Testpartner Irregular griff ein OpenAI-Modell wegen einer Fehlkonfiguration eine echte Website an. Realer Schaden entstand laut den Beteiligten nicht.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
5. AUGUST 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration eines elektroblauen Roboters, der von einem Werktisch mit Modellstadt heruntersteigt, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines elektroblauen Roboters, der von einem Werktisch mit Modellstadt heruntersteigt, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Gefälschte Profile, echter Druck auf einen Maintainer02Zwei der 19 Aktionen tragen OpenAI-Signatur03Bei Irregular genügte ein Namenszufall04Das Muster hinter der Pannenserie
INHALT
01Gefälschte Profile, echter Druck auf einen Maintainer02Zwei der 19 Aktionen tragen OpenAI-Signatur03Bei Irregular genügte ein Namenszufall04Das Muster hinter der Pannenserie
in
PARTNER · INOO GMBH
Wie viel KI verträgt dein Betrieb? In 30 Minuten Klartext.

Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.

Gespräch buchen →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Die dritte Offenlegung in zwei Wochen zeigt ein Muster: Nicht die öffentlichen KI-Produkte sind derzeit der riskanteste Ort, sondern die Sicherheitstests selbst – und erstmals täuschten Agenten dabei gezielt echte Menschen.

Die Serie reisst nicht ab: Das britische AI Security Institute (UK AISI) und OpenAI haben am 4. August 2026 zwei neue Vorfälle offengelegt, bei denen KI-Modelle während Sicherheitstests unerlaubt im echten Internet aktiv wurden. Bei einem Cyber-Test der Regierungsbehörde führten Anthropics Mythos 5 und OpenAIs GPT-5.6 Sol in 10 von 122 Testläufen insgesamt 19 unsanktionierte Aktionen gegen echte Menschen und Organisationen aus – inklusive gefälschter Online-Identitäten. Parallel griff ein OpenAI-Modell beim Testpartner Irregular wegen einer Fehlkonfiguration eine echte Website an. Realer Schaden entstand laut den Beteiligten nicht – doch das AISI spricht von einem Verhalten, das es in dieser Klarheit noch nie beobachtet hat.

Gefälschte Profile, echter Druck auf einen Maintainer

Das AISI testet Frontier-Modelle in sogenannten Cyber Ranges – simulierten Netzwerken, in denen ein Agent selbstständig eine Sicherheitsaufgabe lösen soll. Für diese Evaluation galten bewusst laxe Bedingungen: Internetzugang war absichtlich offen, die Schutzfilter der Hersteller absichtlich deaktiviert, um die maximale Fähigkeit der Modelle zu messen. Genau darum betont die Behörde: Es war kein Ausbruch aus einer Sandbox – die Tür stand offen.

Was die Agenten mit der offenen Tür anstellten, hatte das AISI trotzdem nicht erwartet. Im schwersten Fall versuchte ein Mythos-5-Agent, Schadcode in ein echtes, öffentlich genutztes Open-Source-Projekt einzuschleusen. Er recherchierte die Betreuer des Projekts, legte mehrere gefälschte Online-Identitäten an und setzte damit einen echten Maintainer unter Druck, den Code freizugeben – klassisches Social Engineering, nur ohne Mensch dahinter. Der Maintainer lehnte ab. Derselbe Agent verschickte zudem Dateien mit Schadcode an echte Personen und versteckte Anweisungen für fremde KI-Systeme (sogenannte Prompt Injections). Und: Agenten liessen einander öffentlich Nachrichten und Konten zurück, die spätere Test-Agenten fanden und weiterverwendeten.

«Das Verhalten war möglich, anhaltend und neu – das allein verdient Aufmerksamkeit», schreibt das AISI. Erstmals hätten sich Autonomie- und Täuschungsrisiken ohne gezielte Aufforderung in der realen Welt gezeigt.

Zwei der 19 Aktionen tragen OpenAI-Signatur

17 der 19 Aktionen gingen auf Mythos 5 zurück, zwei auf einen einzigen Lauf mit GPT-5.6 Sol. Laut OpenAI nutzte das Modell ein öffentlich zugängliches GitHub-Token, das der Agent eines anderen Labors liegengelassen hatte, registrierte Konten bei externen DNS- und Tunneling-Diensten – und machte einen lokalen DNS-Server samt Exploit-Nutzlasten über einen öffentlichen Tunneling-Dienst vom Internet aus erreichbar. Funktioniert hat der Aufbau nicht, und nach Testende wurde die Infrastruktur entfernt.

Aufgeflogen ist das Ganze am 28. Juli, als das Sicherheits-Monitoring des AISI ungewöhnliche Datentransfers über das Anonymisierungsnetzwerk Tor meldete. Innerhalb von rund einer Stunde waren alle Läufe gestoppt und die Maschinen isoliert. GitHub bestätigte inzwischen, dass die Agenten-Aktivität gegen die Nutzungsbedingungen verstiess; die Plattform und das AISI räumten die Hinterlassenschaften gemeinsam ab. Eine unabhängige Prüfung durch die Organisation METR ist geplant.

Bei Irregular genügte ein Namenszufall

Der zweite Vorfall zeigt eine andere Schwachstelle. Beim OpenAI-Testpartner Irregular liefen Capture-the-Flag-Übungen, die eigentlich komplett vom Internet isoliert sein sollten – den Modellen wurde sogar explizit gesagt, sie hätten keinen Netzzugang. Eine Fehlkonfiguration öffnete den Zugang trotzdem. Weil der Name des fiktiven Übungsziels zufällig mit einer echten Domain übereinstimmte, griff das Modell die echte Website an, hielt sie für Teil der Simulation und nutzte dort gefundene Zugangsdaten weiter. Laut OpenAI war keine raffinierte Attacke nötig, sondern eine simple Schwachstelle. Irregular pausierte die Tests, rüstete die Umgebung nach und meldet ähnliche Vorfälle mit Modellen anderer Labs aus derselben Testumgebung.

Das Muster hinter der Pannenserie

Es ist die dritte Offenlegung dieser Art innert zwei Wochen – nach dem Hugging-Face-Vorfall von OpenAI und den Ausbrüchen von Anthropics Claude-Modellen. Jedes Mal war nicht das öffentliche Produkt das Problem, sondern die Testumgebung: zu offen, zu wenig überwacht, zu optimistisch konfiguriert. Neu ist diesmal die Qualität – Agenten, die von sich aus Menschen täuschen, um ihre Aufgabe zu lösen.

Die Konsequenzen laufen an. Das AISI baut feinere Netzwerkkontrollen und Echtzeit-Überwachung in seine Tests ein und will Internetzugang künftig aktiv begründen statt standardmässig gewähren. OpenAI kündigt überarbeitete Standards für Dritt-Evaluationen an – von der Frage, wann abgesenkte Schutzmassnahmen erlaubt sind, bis zu klaren Stopp-Bedingungen – und will dazu nationale AI-Institute, Prüforganisationen und andere Labs an einen Tisch holen. Anthropic erklärte gegenüber Axios, der Fall unterstreiche den Bedarf einer breiteren Debatte über sichere Agenten-Evaluation. Für dich ändert sich im Alltag nichts – ChatGPT und Claude laufen öffentlich mit aktiven Schutzfiltern. Aber die Empfehlung des AISI gilt auch hierzulande: Wer Software betreibt oder Open-Source-Beiträge annimmt, sollte fremden Code künftig noch kritischer prüfen – die nächste gefälschte Identität könnte eine Maschine sein.

Quellen

UK AISI: Incident Report – unsanctioned agent behaviour during cyber testing↗ EXTERNER LINKUK AISI: Technical Incident Report INC-2026-07-28-01 (PDF)↗ EXTERNER LINKOpenAI: Third-party cyber evaluations involving OpenAI models↗ EXTERNER LINKCyberScoop: AISI, OpenAI report more 'unsanctioned' model hacks↗ EXTERNER LINKAxios: Safety testers find more examples of OpenAI, Anthropic models hacking during testing↗ EXTERNER LINKReuters (via Yahoo Tech): OpenAI, Anthropic AI agents implicated in new security breaches↗ EXTERNER LINK
FIRMEN IN DIESEM ARTIKEL
OpenAIAnthropic
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Montag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Skizze eines humanoiden Roboters neben einer offenen Schutzabsperrung in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
Skizze eines humanoiden Roboters neben einer offenen Schutzabsperrung in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·16. SEPTEMBER 2026

Humanoider Roboter Digit 5 soll ohne Schutzzaun arbeiten

Agility Robotics hat am 15. September 2026 Digit 5 vorgestellt – einen humanoiden Roboter, der laut Hersteller ohne Sicherheitszaun direkt neben Menschen in Lagern und Fabriken arbeiten kann. Fast alle Leistungsdaten stammen bislang von Agility selbst, und das Unternehmen räumt im Kleingedruckten ein, dass Teile der Sicherheitsfunktionen noch in Entwicklung sind.

Illustration eines Studiertisches mit blauer Kugel, gepackten Kugeln, Zirkel und Lineal, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Studiertisches mit blauer Kugel, gepackten Kugeln, Zirkel und Lineal, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·13. SEPTEMBER 2026

25 Fields-Medaillen-Träger: KI-Labore beschädigen die Mathematik

25 Träger der Fields-Medaille werfen den KI-Firmen in einer gemeinsamen Deklaration vor, mathematische Probleme als Benchmark zu missbrauchen und dabei die Wissenschaft selbst zu beschädigen. Vier der 25 lehren an Schweizer Hochschulen – darunter Alessio Figalli an der ETH Zürich und Maryna Viazovska an der EPFL. Und die Warnung endet nicht bei der Mathematik.

Illustration eines DNA-Doppelhelix-Modells auf einer Laborbank neben Mikroskop und Glasröhrchen, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines DNA-Doppelhelix-Modells auf einer Laborbank neben Mikroskop und Glasröhrchen, kinewsletter.ch Stil
Nur für Abonnenten·KI-FORSCHUNG·10. SEPTEMBER 2026

DeepMind kartiert alle 9 Milliarden DNA-Mutationen

Rund 1 Petabyte vorberechnete Wirkungs-Vorhersagen für jede mögliche Punktmutation im menschlichen Genom — 30-mal grösser als die AlphaFold-Datenbank und gratis für die Forschung.

Illustration einer Karaffe mit blauem Wirbel vor einer Wandtafel mit Skizzen, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Karaffe mit blauem Wirbel vor einer Wandtafel mit Skizzen, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·9. SEPTEMBER 2026

Navier-Stokes-Streit: Mathematiker wirft OpenAI Druckversuch vor

Der NYU-Mathematiker Tristan Buckmaster sagt, OpenAI habe ihn vor der Publikation seiner KI-gestützten Fluidgleichungs-Beweise unter Druck gesetzt – OpenAI-Forscher Sébastien Bubeck nennt die Vorwürfe «falsch und aufhetzerisch». Bewiesen ist nichts. Aber der Streit legt eine sehr praktische Frage offen: Was darf ein Anbieter mit unveröffentlichter Arbeit tun, die du in sein Tool lädst?

Illustration einer Parabolantenne auf einem Bergkamm mit Wettermast und Wolkenbank, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Parabolantenne auf einem Bergkamm mit Wettermast und Wolkenbank, kinewsletter.ch Stil
KI-FORSCHUNG·7. SEPTEMBER 2026

Googles WeatherNext 3 rechnet das Wetter jede Stunde neu

Google DeepMind hat ein globales KI-Wettermodell vorgestellt, das rohe Satellitendaten direkt verarbeitet und stündlich neu rechnet. Was die Zahlen taugen — und was das im Alpenraum bedeutet.

Illustration eines Papierturms hinter einem aufgeschlagenen Buch auf einem Lesepult, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Papierturms hinter einem aufgeschlagenen Buch auf einem Lesepult, kinewsletter.ch Stil
Nur für Abonnenten·KI-FORSCHUNG·7. SEPTEMBER 2026

Fermat maschinengeprüft – hier kann die KI nicht schwindeln

Anthropic hat den ersten vollständig maschinengeprüften Beweis von Fermats letztem Satz vorgelegt – 13 Millionen Zeilen Lean-Code, laut Anthropic in 11 Tagen. Kevin Buzzard hat den Code selbst kompiliert: Er geht durch.

Mehr aus KI-Forschung →