Agility Robotics hat am 15. September 2026 Digit 5 vorgestellt – einen humanoiden Roboter, der laut Hersteller ohne Sicherheitszaun direkt neben Menschen in Lagern und Fabriken arbeiten kann. Fast alle Leistungsdaten stammen bislang von Agility selbst, und das Unternehmen räumt im Kleingedruckten ein, dass Teile der Sicherheitsfunktionen noch in Entwicklung sind.
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Der Zaun ist das eigentliche Produkt – wer ihn weglassen darf, entscheidet am Ende nicht der Hersteller, sondern die Zertifizierung.
Agility Robotics hat am 15. September 2026 Digit 5 vorgestellt, die fünfte Generation seines humanoiden Roboters für Lager und Fabriken. Das zentrale Versprechen: Digit 5 soll ohne physische Schutzbarrieren in unmittelbarer Nähe von Menschen arbeiten – laut Agility erkennt er Personen per KI und Sensorik rundum, weicht aus, verlangsamt, stoppt oder setzt sich hin, und kündigt seine Bewegungsabsicht optisch und akustisch an. Damit fällt die Absperrung weg, die humanoide Roboter bisher in abgeseilte Testzonen verbannt hat.
Die Hardware ist auf Dauerbetrieb getrimmt. Statt der nach hinten geknickten «Straussenbeine» der Vorgänger hat Digit 5 menschenähnliche Beine mit Zykloidgetrieben – optimiert nicht fürs Rennen, sondern fürs Heben. Laut Agility trägt der Roboter bis zu 22.7 kg (50 Pfund), rund 40 Prozent mehr als Digit 4, ist 1.81 m gross und wiegt 129 kg. Der Akku lädt in neun Minuten für 90 Minuten Laufzeit; das ergibt ein Verhältnis von Betrieb zu Ladezeit von 10:1 gegenüber 2:1 beim Vorgänger – nach Firmenangaben über 20 Arbeitsstunden pro Tag.
Chief Robot Officer Jonathan Hurst sagte gegenüber The Robot Report, Sicherheit lasse sich nicht nachrüsten:
Es ist nicht möglich, einem bestehenden Roboter einen Sicherheits-Aufsatz zu verpassen und ihn dann sicher zu betreiben.
Hier lohnt der zweite Blick. Agility nennt Aufträge von über 300 Millionen US-Dollar und mehr als 65'000 Betriebsstunden bei Kunden wie GXO, Amazon und Schaeffler. Dem stehen laut SEC-Unterlagen, über die The Robot Report berichtet, 1.8 Millionen US-Dollar Nettoumsatz im Jahr 2025 gegenüber. Das Unternehmen bereitet derzeit einen über eine SPAC-Fusion mit Churchill Capital Corp. XI vor, bewertet mit 2.5 Milliarden Dollar. Und Agility selbst schreibt auf der Digit-5-Produktseite, der Roboter befinde sich in Entwicklung, einzelne Sicherheitsfunktionen seien noch nicht fertig, die Spezifikationen seien vorläufige Schätzungen aus internen Tests. Unabhängig geprüft ist bisher nur der Vorgänger: Digit 4 bestand nach Firmenangaben als erster humanoider Roboter eine unabhängige OSHA-Sicherheitsprüfung an einer Produktionslinie.
Für die Schweizer Industrie ist weniger der Roboter interessant als die Norm dahinter. Was Agility beschreibt, ist im Kern die Drehzahl- und Abstandsüberwachung aus der ISO/TS 15066 – jener Spezifikation für kollaborative Robotik, die laut der Schweizerischen Normen-Vereinigung SNV überhaupt erst dazu führt, dass klassische Schutzeinrichtungen zwischen Mensch und Maschine hinfällig werden können.
Der Zeitplan ist eng: Agility will Digit 5 ab dem ersten Halbjahr 2027 im Early Access und bis Ende 2027 allgemein verfügbar machen – erstmals auch ausserhalb Nordamerikas, beginnend mit der EU und Grossbritannien, mit erwarteter CE-Kennzeichnung. Genau am 20. Januar 2027 löst die neue EU-Maschinenverordnung 2023/1230 die bisherige Maschinenrichtlinie ab und muss vollständig erfüllt sein; die Zertifizierungsstelle SIBE Schweiz in Luzern bereitet Schweizer Hersteller und Betreiber seit Monaten auf diesen Stichtag vor. Die Schweiz selbst steht auf Agilitys Marktliste bisher nicht.
Gebaut wird in Salem, Oregon, mit einer angegebenen Kapazität von bis zu 10'000 Einheiten pro Jahr. Ob davon je einer zaunlos in einer Schweizer Halle steht, entscheidet nicht die Pressemitteilung, sondern die Konformitätsbewertung.
25 Träger der Fields-Medaille werfen den KI-Firmen in einer gemeinsamen Deklaration vor, mathematische Probleme als Benchmark zu missbrauchen und dabei die Wissenschaft selbst zu beschädigen. Vier der 25 lehren an Schweizer Hochschulen – darunter Alessio Figalli an der ETH Zürich und Maryna Viazovska an der EPFL. Und die Warnung endet nicht bei der Mathematik.