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GPT-5 löst ein drei Jahre altes Immunologie-Rätsel

Der Immunologe Derya Unutmaz hatte ein Experiment vor drei Jahren ungelöst beiseitegelegt. GPT-5 Pro lieferte die Erklärung in einem Anlauf – und sagte danach sogar das Ergebnis eines unveröffentlichten Versuchs korrekt voraus. Ein Lehrstück darüber, wie KI zur Forschungspartnerin wird, ohne Expertenwissen zu ersetzen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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25. JUNI 2026
2 MIN. LESEZEIT
Handgezeichnete Skizze eines Mikroskops mit Petrischalen und Reagenzgläsern auf einer Laborbank, kinewsletter.ch Stil
Skizze Mikroskop mit Petrischalen und Reagenzglaesern, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Das Experiment in der Schublade02Die Erklärung in einem Prompt03Der Test, der ihn überzeugte04Warum Expertenwissen wichtiger wird, nicht unwichtiger
INHALT
01Das Experiment in der Schublade02Die Erklärung in einem Prompt03Der Test, der ihn überzeugte04Warum Expertenwissen wichtiger wird, nicht unwichtiger
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

GPT-5 Pro half einem Immunologen, ein drei Jahre altes T-Zellen-Rätsel zu knacken – die KI lieferte die Idee, das Fachwissen blieb entscheidend.

Ein Immunologe hatte ein Experiment vor drei Jahren entnervt in die Schublade gelegt. GPT-5 Pro hat es in einem Anlauf erklärt – und damit gezeigt, wie KI gerade zur Forschungspartnerin wird.

Das Experiment in der Schublade

Derya Unutmaz, Professor am Jackson Laboratory und an der University of Connecticut, untersuchte 2022, wie Zucker (Glukose) die Entwicklung von T-Zellen beeinflusst. T-Zellen sind Immunzellen, die Viren bekämpfen, Krebszellen abtöten und gesunde von kranken Zellen unterscheiden. Je nachdem, wie sie sich spezialisieren, beeinflussen sie Krebs, Autoimmunerkrankungen und Infektionen.

Sein Team setzte junge T-Zellen entweder einer glukosearmen Umgebung aus oder einem Glukose-ähnlichen Molekül namens Deoxyglukose, das die Zucker-Verwertung blockiert. Eigentlich hätten beide Bedingungen ähnlich wirken sollen. Taten sie aber nicht: Die Deoxyglukose-Zellen wurden massenhaft zu Entzündungszellen. Warum, konnte niemand im Labor erklären. Also wanderte das Experiment in die Schublade.

Die Erklärung in einem Prompt

Ende 2025 lud Unutmaz die alten Daten in GPT-5 Pro. Das Modell schlug vor: Deoxyglukose stört den Aufbau eines Proteins namens IL-2. Und IL-2 verhindert normalerweise, dass T-Zellen zu einem bestimmten Entzündungstyp (Th17) werden. Fällt IL-2 weg, fällt die Bremse – die Zellen kippen in den Entzündungsmodus.

«GPT-5 kam mit einer wirklich bemerkenswerten Erkenntnis, die rückblickend perfekt Sinn ergibt.» – Derya Unutmaz

Die Erklärung lag knapp ausserhalb seines eigenen Fachgebiets – niemand im Labor hatte den Bogen geschlagen.

Der Test, der ihn überzeugte

Misstrauisch bat Unutmaz das Modell, ein anderes, bereits durchgeführtes Experiment vorherzusagen: wie gut bestimmte T-Zellen (CD8+) einen Lymphom-Krebs angreifen. GPT-5 Pro sagte den beobachteten Effekt korrekt voraus – obwohl die Ergebnisse noch nicht veröffentlicht waren und das Modell sie nicht aus dem Internet kennen konnte.

«Das war der Moment, in dem ich dachte: Diese Modelle verstehen jetzt wirklich», sagt Unutmaz.

Warum Expertenwissen wichtiger wird, nicht unwichtiger

Der Haken bleibt: Die KI liefert die Idee, doch ein Mensch muss beurteilen, ob sie plausibel und wichtig ist. Ohne Unutmaz' Fachwissen hätte niemand erkannt, dass der Hinweis Gold wert war.

Einordnung: Solche Fälle häufen sich – OpenAI dokumentiert ähnliche Geschichten aus Mathematik und Astrophysik. KI verkürzt nicht das Denken, sondern die Zeit bis zur richtigen Frage. Dieselben Fähigkeiten, die Krebsforschung beschleunigen, könnten aber auch Missbrauch erleichtern – weshalb Labore wie OpenAI parallel an Schutzmechanismen für den Biobereich arbeiten.

Quellen

OpenAI – How GPT-5 helped immunologist Derya Unutmaz solve a 3-year-old mystery↗ EXTERNER LINKOpenAI – Early experiments in accelerating science with GPT-5↗ EXTERNER LINKThe Jackson Laboratory – The Unutmaz Lab↗ EXTERNER LINK
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