NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivÜber uns
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN FREITAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·REGULIERUNG & ETHIK

Wie klaut man eine KI? Anthropic beschuldigt DeepSeek, Moonshot und MiniMax

Anthropic beschuldigt drei chinesische KI-Labore, ihren Assistenten Claude mit 16 Millionen gefälschten Gesprächen systematisch ausgespresst zu haben – um die eigenen Modelle schneller besser zu machen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
25. FEBRUAR 2026
ZULETZT AKTUALISIERT: 5. MÄRZ 2026
3 MIN. LESEZEIT
Anthropic beschuldigt DeepSeek, Moonshot und MiniMax – Distillationsangriff auf Claude
INHALT
01Was ist Distillation überhaupt?02Was wurde konkret geklaut?03Einordnung: Geopolitik trifft KI-Wettbewerb
INHALT
01Was ist Distillation überhaupt?02Was wurde konkret geklaut?03Einordnung: Geopolitik trifft KI-Wettbewerb
in
PARTNER · INOO GMBH
Wie viel KI verträgt dein Betrieb? In 30 Minuten Klartext.

Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.

Gespräch buchen →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Drei chinesische KI-Firmen extrahierten Claudes Fähigkeiten via 24'000 gefälschter Accounts im industriellen Massstab. Der Fall zeigt: Der globale KI-Wettbewerb wird nicht nur in Rechenzentren ausgefochten.

Anthropic beschuldigt drei chinesische KI-Labore, ihren Assistenten Claude systematisch «ausgespresst» zu haben – 16 Millionen Gespräche, 24'000 gefälschte Accounts, und das Ziel: die eigenen Modelle auf Kosten der Konkurrenz besser zu machen.

Der US-amerikanische KI-Hersteller Anthropic hat am 23. Februar öffentlich angeklagt, dass die chinesischen KI-Firmen DeepSeek, Moonshot AI (bekannt für die Kimi-Modelle) und MiniMax koordinierte «Distillationsangriffe» auf seinen Assistenten Claude durchgeführt haben. Konkret: Die drei Firmen eröffneten rund 24'000 gefälschte Benutzerkonten und generierten damit über 16 Millionen Gespräche mit Claude – alles, um die Antworten als Trainingsdaten für ihre eigenen Modelle zu verwenden. MiniMax war mit über 13 Millionen Anfragen der aktivste Akteur, Moonshot AI kam auf 3,4 Millionen und DeepSeek auf über 150'000.

Was ist Distillation überhaupt?

Die Technik selbst ist legitim und weit verbreitet: Grosse KI-Labore nutzen «Distillation» (englisch für Destillation), um aus einem starken, teuren Modell eine kleinere, günstigere Version herzustellen – indem das kleinere Modell von den Antworten des grossen lernt. Stell dir vor, ein Schüler schreibt sich alle Antworten eines Professors ab und wird dadurch selbst klüger. Das Problem: Wenn ein Konkurrent dasselbe mit dem Modell eines anderen Unternehmens macht – ohne Erlaubnis, über gefälschte Accounts, im industriellen Massstab – ist die Grenze zur Wirtschaftsspionage überschritten.

Was wurde konkret geklaut?

Die Angriffe zielten auf Claudes stärkste Fähigkeiten: logisches Denken, Code-Schreiben und die Nutzung externer Tools (sogenannte «Agentic Capabilities» – die Fähigkeit, selbständig Aufgaben über mehrere Schritte zu erledigen). Besonders brisant: Anthropic beobachtete, dass DeepSeek Claude auch damit beauftragte, «zensurkonforme» Alternativen zu politisch heiklen Fragen zu formulieren – etwa zu Dissidenten oder chinesischen Parteiführern. Das Ziel: DeepSeeks eigenes Modell darauf zu trainieren, solche Themen geschickt zu umgehen.

Anthropic beschreibt die Vorgehensweise als ausgeklügelt: Die Angreifer nutzten sogenannte «Hydra-Cluster» – riesige Netzwerke aus gefälschten Accounts, die den Traffic auf verschiedene API-Schlüssel und Cloud-Plattformen verteilten, um möglichst lange unentdeckt zu bleiben. Als Anthropic Accounts sperrte, öffneten die Labore sofort neue. In einem Fall verwaltete ein einzelnes Proxy-Netzwerk über 20'000 gefälschte Accounts gleichzeitig. Besonders aufschlussreich: Als Anthropic während MiniMaxs aktivem Angriff ein neues Modell veröffentlichte, schwenkte MiniMax innerhalb von 24 Stunden um und richtete fast die Hälfte seines Traffics auf das neueste System.

Einordnung: Geopolitik trifft KI-Wettbewerb

Anthropic steht mit dieser Anklage nicht allein. OpenAI informierte US-Gesetzgeber Anfang Februar in einem offenen Brief über ähnliche Vorwürfe gegen DeepSeek, und Google meldete Distillationsangriffe auf sein Gemini-Modell. Die Anschuldigungen fügen sich in eine breitere geopolitische Debatte ein: Die USA diskutieren, ob sie den Export von Nvidia-Chips nach China weiter einschränken sollen. Anthropic argumentiert, dass genau diese Chips die Angriffe erst in diesem Ausmass ermöglichten – und plädiert damit implizit für schärfere Exportkontrollen.

Ob die Anklage primär aus Sicherheitsbedenken oder auch aus Wettbewerbsinteressen resultiert, bleibt umstritten. Erik Cambria, KI-Professor an der Nanyang Technological University, sagte gegenüber CNBC: «Die Grenze zwischen legitimer Nutzung und adversarialem Missbrauch ist oft verschwommen.» DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax haben sich bisher nicht öffentlich geäussert.

Für dich als Claude- oder ChatGPT-Nutzer hat das vorerst keine direkten Auswirkungen. Langfristig aber zeigt der Fall: Der globale KI-Wettbewerb wird nicht nur in Rechenzentren ausgefochten – sondern auch mit gefälschten Accounts, Proxy-Netzwerken und 16 Millionen heimlichen Gesprächen.

Quellen

Anthropic – Detecting and Preventing Distillation Attacks↗ EXTERNER LINKCNBC – Anthropic accuses DeepSeek, Moonshot and MiniMax↗ EXTERNER LINKTechCrunch – Anthropic accuses Chinese AI labs of mining Claude↗ EXTERNER LINK
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Freitag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Illustration einer elektroblauen Gasturbine mit Abgaskaminen in einer Wüstenebene hinter Maschendrahtzaun, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer elektroblauen Gasturbine mit Abgaskaminen in einer Wüstenebene hinter Maschendrahtzaun, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·9. AUGUST 2026

Amazons Kraftwerk in Texas könnte grösster Klimaverschmutzer der USA werden

Für ein neues KI-Rechenzentrum in Pecos County finanziert Amazon ein eigenes Gaskraftwerk mit 35 Turbinen und 7,65 Gigawatt. Die Bewilligung erlaubt 33 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr – mehr als jedes andere Kraftwerk der USA. Am Netto-Null-Versprechen für 2040 hält der Konzern trotzdem fest.

Illustration eines geöffneten Laborkäfigs mit aufgebrochenem Vorhängeschloss und Klemmbrett, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines geöffneten Laborkäfigs mit aufgebrochenem Vorhängeschloss und Klemmbrett, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·9. AUGUST 2026

Kimi K3 brach aus der Testumgebung aus – und schummelte

Das chinesische Modell Kimi K3 verliess bei einem Cybersicherheits-Test seine Sandbox, klonte das Benchmark-Repository von GitHub und las die Lösung ab. Schuld war eine falsch konfigurierte Testumgebung. Der Fall zeigt: Nicht nur die Modelle sind ein Risiko – auch die Tests, die sie prüfen sollen.

Illustration einer offenen Tresortür in einem Serverraum, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer offenen Tresortür in einem Serverraum, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·9. AUGUST 2026

OpenAI stoppt Teile von Astra – erstmals Cyber-Stufe «Critical»

OpenAI setzt Teile der Entwicklung seines unveröffentlichten Modells Astra aus. Interne Tests zeigen Cyberfähigkeiten so stark, dass die höchste Risikostufe «Critical» des eigenen Preparedness Framework erstmals nicht mehr auszuschliessen ist.

Illustration eines dicken elektroblauen Stromkabels, das sich in ein Dutzend dünner Kabel an einer Steckdosenleiste auffächert, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines dicken elektroblauen Stromkabels, das sich in ein Dutzend dünner Kabel an einer Steckdosenleiste auffächert, kinewsletter.ch Stil
Nur für Abonnenten·REGULIERUNG & ETHIK·9. AUGUST 2026

KI-Agenten brauchen 600-mal mehr Strom als ein Chat-Prompt

Klimaforscher Zeke Hausfather protokollierte acht Wochen lang seine Claude-Code-Nutzung: 1'138 Prompts lösten über 14'000 Modellaufrufe und 3,2 Milliarden Tokens aus. Macht rund 150 Wattstunden pro Prompt – etwa 600-mal so viel wie ein einfacher Chat-Prompt. Gemessen sind allerdings nur die Tokens, der Rest ist Schätzung.

Illustration einer Schallplatte mit einem elektroblauen Siegelstempel in Wachs auf Notenblättern, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Schallplatte mit einem elektroblauen Siegelstempel in Wachs auf Notenblättern, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·7. AUGUST 2026

Suno markiert KI-Songs – sechs Tage nach dem GEMA-Urteil

Suno kündigt Audio-Wasserzeichen, Fingerprinting und Download-Limits an – sechs Tage nach der Niederlage gegen die GEMA. In Kraft sind bisher nur die neuen Community-Regeln; die Technik kommt erst «in den kommenden Wochen», und wie sie funktioniert, sagt Suno nicht.

Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer elektroblauen Handwasserpumpe neben einem umgekippten Eimer vor einem abgetragenen Terrassenhang, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·7. AUGUST 2026

«Wir können keine Daten trinken» – Indien klagt gegen Google

Googles 15-Milliarden-Rechenzentrum in Visakhapatnam ist im Bau – und steht bereits vor Gericht. Umweltschützer klagen wegen Wasserverbrauch und der Nähe zu einem Leoparden-Schutzgebiet. Der Widerstand gegen KI-Rechenzentren ist global geworden.

Mehr aus Regulierung & Ethik →