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Google, Microsoft und xAI lassen US-Behörde ihre Modelle prüfen – freiwillig

Das Center for AI Standards and Innovation bekommt Pre-Deployment-Zugriff auf Frontier-Modelle der drei Labs. Was heute Goodwill ist, wird über Pentagon-Verträge bald zur Norm.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
6. MAI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Skizze eines Inspektionsraums mit Server-Schraenken und Klemmbrett, kinewsletter.ch Stil
Skizze eines Inspektionsraums mit Server-Schraenken und Klemmbrett, Dark Mode, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Was CAISI bekommt – und was nicht02Trumps AI Action Plan im Hintergrund03DeepSeek als blinder Fleck04Was das für Schweizer Anwender bedeutet05Vom Goodwill zur Norm
INHALT
01Was CAISI bekommt – und was nicht02Trumps AI Action Plan im Hintergrund03DeepSeek als blinder Fleck04Was das für Schweizer Anwender bedeutet05Vom Goodwill zur Norm
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Aus freiwilligen Sicherheits-Tests werden über Pentagon-Verträge Quasi-Markteintritts-Bedingungen.

Das US-Handelsministerium hat am 5. Mai bekannt gegeben, dass Google DeepMind, Microsoft und xAI dem Center for AI Standards and Innovation (CAISI) Zugriff auf ihre Frontier-Modelle vor der Veröffentlichung gewähren. Die Behörde testet die Systeme auf Risiken im Bereich nationale Sicherheit – Cyber, Bio, Chemie – bevor die Modelle live gehen. OpenAI und Anthropic hatten ähnliche Abkommen bereits 2024, jetzt zieht der Rest der grossen Labs nach.

Was CAISI bekommt – und was nicht

CAISI ist die Nachfolge-Behörde des AI Safety Institute, das unter Biden gegründet und von der Trump-Administration umbenannt wurde. Sie sitzt beim NIST (National Institute of Standards and Technology) und arbeitet im Auftrag des Handelsministeriums. Mit den neuen Vereinbarungen erhält sie:

  • Pre-Deployment-Zugriff auf neue Modelle, oft mit reduzierten oder ganz entfernten Sicherheitsschranken, um Worst-Case-Szenarien zu evaluieren
  • Targeted Research zu Cyber-Schwachstellen, biologischen und chemischen Risiken
  • Rückkanal an die Anbieter, damit Erkenntnisse vor dem Launch in Produkt-Verbesserungen einfliessen

Wichtig: Die Tests sind freiwillig. CAISI hat keine Vetomacht, kann nichts blockieren, kann keine Konzerne zur Compliance zwingen. Die Vereinbarungen funktionieren über Reputation und politischen Druck – nicht über Recht.

Trumps AI Action Plan im Hintergrund

Die Vereinbarungen sind nicht aus dem Nichts entstanden. Sie sind Teil des AI Action Plan, den die Trump-Administration im Sommer 2025 publiziert hat. Der Plan setzt auf «freiwillige Standards statt verpflichtender Regulierung» – ein Gegenmodell zum europäischen AI Act. Die OpenAI- und Anthropic-Verträge aus 2024 wurden im Zug der neuen Direktive neu verhandelt.

Für die Anbieter ist das Kalkül klar: Wer mit CAISI kooperiert, baut eine politische Versicherung gegen härtere Regulierung in Washington auf. Wer sich verweigert, riskiert Pentagon-Aufträge zu verlieren – wie aktuell Anthropic, das wegen Streits über Safety-Anforderungen bei einem grossen Verteidigungs-Deal aussen vor blieb.

DeepSeek als blinder Fleck

CAISI hat parallel zur Ankündigung eine eigene Evaluation von DeepSeek V4 Pro publiziert. Ergebnis: Das chinesische Modell liegt rund acht Monate hinter der US-Frontier zurück, vergleichbar mit GPT-5 vom August 2025. Auf den IRT-Scores (Item Response Theory) erreicht GPT-5.5 etwa 1'260 Punkte, Claude Opus 4.6 rund 999 Punkte, DeepSeek V4 Pro rund 800 Punkte.

Der Haken: Zwei der ausschlaggebenden Benchmarks – ARC-AGI-2 (semi-private) und CAISIs eigener PortBench – sind nicht-öffentlich. Auf einem geschlossenen Cybersecurity-Test (CTF-Archive-Diamond) erreichte GPT-5.5 71%, DeepSeek nur 32%. Open-Source-Communities haben die Ergebnisse bereits angefochten und werfen CAISI methodische Voreingenommenheit vor.

Was das für Schweizer Anwender bedeutet

Direkt betroffen ist die Schweiz nicht – CAISI ist eine US-Bundesbehörde. Aber zwei Effekte sind relevant:

Erstens: Die Vereinbarungen schaffen Präzedenz. Wenn Google und Microsoft ihren US-Behörden Pre-Deployment-Zugriff gewähren, sinkt die Hemmschwelle, das auch in Europa anzubieten. Das EU AI Office und das BAKOM könnten ähnliche Modelle anstreben – freiwillig oder vertraglich. Schweizer Compliance-Teams sollten beobachten, ob CAISI-Reports zur Referenz für Risk Assessments werden.

Zweitens: CAISIs Erkenntnisse zu Cyber-Risiken fliessen indirekt ins Schweizer Sicherheits-Ökosystem zurück. Was CAISI als kritisch identifiziert, kommt früher oder später in den Threat-Intelligence-Feeds des NCSC und der Industrie an. Wer Frontier-KI im Unternehmen einsetzt, sollte CAISI-Publikationen und die parallelen Analysen des britischen AISI im Blick behalten.

Vom Goodwill zur Norm

Was als freiwillige Geste begann, wird sich in den nächsten zwölf Monaten zu einer Quasi-Norm verdichten. Sobald Pentagon-Verträge an CAISI-Audits gekoppelt werden – und genau das wird gerade verhandelt – wird der «freiwillige» Test zur Markteintritts-Bedingung. Anthropic hat in dieser Woche bereits gezeigt, was passiert, wenn die Beziehung zu CAISI bröckelt: Pentagon-Aussperrung. Das ist der Hebel, der die Vereinbarungen am Ende durchsetzt.

Quellen

CAISI Signs Agreements Regarding Frontier AI National Security Testing – NIST↗ EXTERNER LINKMicrosoft, Google and xAI will let the government test their AI models before launch – CNN↗ EXTERNER LINKMicrosoft, Google, xAI give US access to AI models for security testing – Al Jazeera↗ EXTERNER LINKCAISI Evaluation of DeepSeek V4 Pro – NIST↗ EXTERNER LINK
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