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Apple verklagt OpenAI wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen

Apple hat OpenAI vor einem US-Bundesgericht verklagt und wirft dem KI-Labor systematischen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor – von der «Show and Tell»-Aufforderung im Bewerbungsgespräch bis zum Laptop, der nach dem Austritt noch auf Apples Cloud zugriff. OpenAI weist alles zurück.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
12. JULI 2026
4 MIN. LESEZEIT
Handgezeichnete Skizze: ein Richterhammer mit blauem Akzent vor einem geöffneten Metallkoffer mit Platine und Smartphone-Bauteilen – Symbol für Apples Klage gegen OpenAI.
Richterhammer Dark Variante
INHALT
01Vom Partner zum Prozessgegner02"Actual parts" fürs Bewerbungsgespräch03Der Laptop, der zu viel wusste04"Nur die Spitze des Eisbergs"05OpenAI weist alles zurück – und was das für dich heisst
INHALT
01Vom Partner zum Prozessgegner02"Actual parts" fürs Bewerbungsgespräch03Der Laptop, der zu viel wusste04"Nur die Spitze des Eisbergs"05OpenAI weist alles zurück – und was das für dich heisst
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Zwei Ex-Partner werden zu Prozessgegnern: Der Streit entscheidet mit über die Zukunft von KI-Hardware und der ChatGPT-Apple-Integration – noch sind aber alle Vorwürfe Apples unbewiesene Behauptungen.

Aus Partnern werden Prozessgegner: Apple hat OpenAI am 10. Juli 2026 vor dem US-Bundesgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien verklagt – wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen und Vertragsbruchs. Der Vorwurf wiegt schwer: OpenAI habe systematisch Apple-Mitarbeitende abgeworben und vertrauliche Informationen über unveröffentlichte Hardware abgegriffen, um damit sein eigenes Gerät zu bauen.

Wichtig vorab: Das sind bislang Apples Behauptungen aus der Klageschrift, kein gerichtlich erwiesener Sachverhalt. OpenAI bestreitet sie deutlich.

Vom Partner zum Prozessgegner

Die Ironie steckt in der Vorgeschichte. 2024 schlossen die beiden Unternehmen eine vielbeachtete Partnerschaft: ChatGPT wurde in Apple Intelligence integriert und sitzt seither in iPhone, iPad und Mac. Doch das Verhältnis kühlte ab, als OpenAI selbst ins Hardware-Geschäft einstieg – ein Feld, das direkt Apples Kerngeschäft angreift.

Der sichtbarste Schritt: Im Mai 2025 übernahm OpenAI io, das Geräte-Startup von Apples früherem Chefdesigner Jony Ive, für rund 6,5 Milliarden US-Dollar. Ive leitet heute OpenAIs Design-Arbeit; Analysten spekulieren über ein erstes Gerät – womöglich ein KI-Smartphone, das Apps durch Agenten ersetzt. Genau in diesem Kontext fällt die Klage. Laut Axios hatte im Frühjahr sogar OpenAI selbst rechtliche Schritte gegen Apple erwogen – nun ist Apple zuerst vor Gericht gezogen.

"Actual parts" fürs Bewerbungsgespräch

Im Zentrum steht Tang Tan, heute OpenAIs Chief Hardware Officer. Er arbeitete 24 Jahre bei Apple, zuletzt als VP für das Produktdesign von iPhone und Apple Watch, und war Mitgründer von io. Apple wirft ihm vor, den Diebstahl aktiv orchestriert zu haben. Konkret soll Tan:

  • interne Apple-Projekt-Codenamen genutzt haben, um aus Bewerbern, die noch bei Apple arbeiteten, weitere Interna herauszukitzeln
  • Kandidaten aufgefordert haben, "actual parts" – Batterien, Logic Boards, System-in-Package-Chips – zum Gespräch für ein "show and tell" mitzubringen
  • ein internes Apple-Offboarding-Dokument in Umlauf gebracht haben, um neuen OpenAI-Leuten beizubringen, wie sie Apples Austritts-Sicherheitskontrollen umgehen

Der Laptop, der zu viel wusste

Der zweite namentlich genannte Ex-Apple-Mann ist Chang Liu, acht Jahre lang Senior-Elektroingenieur bei Apple. Laut Klageschrift behielt er nach seinem Wechsel zu OpenAI seinen Apple-Arbeitslaptop – und entdeckte einen Bug, mit dem er auch nach dem Austritt noch auf Apples Cloud-Dateispeicher zugreifen konnte. Er habe den Fund sogar gefeiert:

"LOL, I found out I can access the [network storage], so funny."

Während er für OpenAI an Hardware arbeitete, soll Liu Dutzende als vertraulich markierte Dateien heruntergeladen und vertrauliche Apple-Informationen an weitere Bewerber weitergegeben haben – inklusive Tipps, was diese fürs Interview lernen sollten.

"Nur die Spitze des Eisbergs"

Apple zeichnet das Bild einer Kultur, nicht eines Einzelfalls. Über 400 frühere Apple-Beschäftigte arbeiten laut Klage inzwischen bei OpenAI. Das Unternehmen soll zudem einen Zulieferer dazu gebracht haben, eine geschützte Metall-Veredelungstechnik einzusetzen – und ihm dabei vorgegaukelt haben, man habe Apples Erlaubnis. In der Klageschrift heisst es unmissverständlich:

"Das ist nur die Spitze des Eisbergs. […] OpenAIs junges Hardware-Geschäft steht nun auf dem wackeligsten Fundament, im Kern verdorben durch die illegale Nutzung veruntreuter Geschäftsgeheimnisse."

Apple verlangt, dass das Gericht OpenAI die Nutzung und Weitergabe der Geheimnisse untersagt, die Rückgabe aller Materialien anordnet und Beweise sichert.

OpenAI weist alles zurück – und was das für dich heisst

OpenAI bleibt knapp und bestimmt:

"Wir haben kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen. Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, innovative Technologie zu bauen, die Menschen überall befähigt."

Einordnung: Ein direkter Schweiz-Bezug fehlt – das Verfahren läuft in Kalifornien. Relevant ist es für dich trotzdem. iPhone und die ChatGPT-Integration in Apple Intelligence gehören hierzulande zum Alltag von Millionen Nutzerinnen und Nutzern, und genau diese Partnerschaft steht nun unter Spannung. Sollte OpenAI tatsächlich ein eigenes Gerät bringen, entscheidet dieser Streit mit, wie eng KI-Assistent und Hardware künftig zusammenwachsen – oder ob sie sich vor Gericht auseinanderdividieren. Da es sich um eine laufende Klage handelt, gilt: Die Vorwürfe sind Apples Sicht. Bewiesen ist noch nichts.

Quellen

Apple sues OpenAI over alleged trade secret theft (TechCrunch)↗ EXTERNER LINKApple sues OpenAI for trade secret theft (Axios)↗ EXTERNER LINKApple sues OpenAI alleging trade secret theft, says scheme was 'at every level' (CNBC)↗ EXTERNER LINKApple accuses OpenAI of using stolen trade secrets (CNN Business)↗ EXTERNER LINKOpenAI responds to Apple's lawsuit (9to5Mac)↗ EXTERNER LINK
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