OpenAI baut das Gedächtnis von ChatGPT um. Ein Hintergrundprozess namens «Dreaming» fasst Gespräche automatisch zusammen, hält Fakten aktuell – und wirft neue Datenschutzfragen auf.
Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.
Kein Benchmark-Sprung, sondern ein Bindungs-Feature: ChatGPT soll aufhören, sich zu wiederholen – auf Kosten von mehr automatischem Profiling.
OpenAI baut das Gedächtnis von ChatGPT um – und gibt ihm einen Namen, der nach Science-Fiction klingt: «Dreaming».
Bisher funktionierte das Gedächtnis von ChatGPT wie ein Merkzettel: Du musstest dem Chatbot aktiv sagen «merk dir das». Mit der neuen Architektur, die OpenAI am 4. Juni vorgestellt hat, läuft stattdessen im Hintergrund ein Prozess namens Dreaming. Er fasst nach jedem Gespräch automatisch zusammen, was relevant ist – deine Vorlieben, laufende Projekte, zeitlich begrenzte Infos. Eine erste Version davon gibt es seit April 2025; jetzt wird sie zur eigenständigen Grundlage des Gedächtnisses.
Der praktische Unterschied zeigt sich an einem simplen Beispiel. Sagst du «Ich fliege im Juli nach Singapur», merkte sich das alte System diese Reise als Dauerzustand. Neu erkennt ChatGPT, dass der Juli vorbei ist – und macht aus «reist nach Singapur» ein «war im Juli in Singapur». Das Modell soll Kontext also nicht nur speichern, sondern aktuell halten.
Der eigentliche Hebel ist Effizienz: OpenAI hat den Rechenaufwand für Dreaming um rund das Fünffache gesenkt. Erst dadurch lässt sich die Funktion auch Gratis-Nutzern anbieten. Zahlende Plus- und Pro-Konten bekommen die doppelte Speicher-Kapazität und eine Übersichtsseite, auf der du nachlesen kannst, was ChatGPT über dich zusammengetragen hat. Nach OpenAIs eigenen Tests (ein externer Vergleich fehlt) stieg der Faktenabruf von 41,5 Prozent im Jahr 2024 auf 82,8 Prozent.
Genau hier wird es heikel. Eine im Februar veröffentlichte Studie analysierte 2'050 gespeicherte Erinnerungen von 80 Nutzern – und fand, dass 96 Prozent vom System erzeugt wurden, ohne dass jemand danach gefragt hatte. Gut die Hälfte enthielt psychologische Einschätzungen, gut ein Viertel personenbezogene Daten. Ein Gedächtnis, das im Hintergrund mitschreibt, ist bequem – und ein Datenschutz-Thema.
Für dich in der Schweiz heisst das: Der Roll-out startet in den USA, weitere Länder folgen über die nächsten Wochen. Bis ChatGPT auch hier «träumt», bleibt Zeit, die neue Memory-Übersicht im Blick zu behalten – die EU-Transparenzpflichten für KI greifen ohnehin erst ab August 2026.