Vier humanoide Roboter von Figure AI haben in einem Live-Stream über 40 Stunden lang Pakete sortiert – ohne Pause, ohne Teleoperation, ohne menschliches Eingreifen. Knapp 50'000 Pakete später war der Hype perfekt – und die Fragen rund um Job-Verlust wieder zurück.
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Figure 03 mit dem Helix-02-Netz zeigt: vollautonome humanoide Roboter können erstmals zu menschlicher Geschwindigkeit Schicht für Schicht durcharbeiten – live nachprüfbar.
Figure AI hat am 14. Mai unangekündigt einen achtstündigen Livestream gestartet: drei Roboter mit den Spitznamen Gary, Bob und Frank sollten eine reguläre Sortier-Schicht im Warenlager durchziehen. Aus den geplanten acht Stunden wurden fast 40 – mit einer vierten Maschine namens Rose, knapp 50'000 sortierten Paketen und keinem einzigen Eingriff vom Operations-Team.
Die Aufgabe ist banal und genau deshalb hart: Paket aus einem Wirrwarr greifen, Barcode finden, das Stück umdrehen, sodass der Code nach unten zeigt, und auf das Förderband legen. Figure-CEO Brett Adcock beziffert die Roboter-Geschwindigkeit auf rund drei Sekunden pro Paket – das ist die Geschwindigkeit eines geübten menschlichen Sortierers, die der Konzern im Manövrier-Wettlauf der Humanoiden lange als Benchmark gehandelt hat.
Die Steuerung läuft komplett auf einem einzigen neuronalen Netz an Bord der Roboter: Helix-02. Das Modell vereint Vision, Tastsinn, Propriozeption und Ganzkörper-Bewegung – wo klassische Industrieroboter Bewegung, Wahrnehmung und Manipulation in separaten Systemen halten, läuft hier alles durch ein einziges Modell. «Keine Teleoperation – jede Aktion kommt direkt von Helix-02», schreibt Adcock auf X.
Was an einer Schicht ohne Pause technisch wirklich beeindruckt: Wenn ein Roboter sich verklemmt oder eine ungewohnte Situation antrifft, kann Helix-02 einen autonomen Reset auslösen und weiterarbeiten – ohne dass jemand eingreifen muss. Genau das ist normalerweise die Stelle, wo Roboter-Demos enden und Menschen ins Bild laufen.
Drei Tage später, am 17. Mai, hatte die südkoreanische Seoul Economic Daily bereits einen Folge-Lauf von 81 Stunden mit über 101'000 Paketen gemeldet. Figure spielt damit gezielt die Karte aus, die in der Branche bisher fehlte: belastbare Laufzeit-Daten statt geschnittener Show-Clips.
Der Kontext ist heiss. Im April hatte Boston Dynamics seinen elektrischen Atlas in den kommerziellen Einsatz gebracht, mit der gesamten 2026er-Produktion exklusiv für Hyundai und Google DeepMind reserviert. Im selben Monat hatte Meta mit dem Kauf von ARI offen den Anspruch formuliert, das «Android der Humanoiden» zu werden. Figure schiebt jetzt nach – mit dem Argument, dass nicht Hardware-Show, sondern messbare Schicht-Leistung entscheidet.
Für dich als Beobachter heisst das: 2026 ist das Jahr, in dem humanoide Roboter den Sprung aus dem Demo-Video in die Excel-Kalkulation des Logistik-Einkäufers schaffen. Wer einen halben Schichtbetrieb für 24-Stunden-Logistik einplanen will, hat plötzlich messbare Datenpunkte zum Vergleichen – auch wenn die Bedingungen im Stream noch nicht der ganz harten Lager-Realität entsprechen.
Nicht alle sind überzeugt. TechRadar wies darauf hin, dass die Stream-Bedingungen sehr kontrolliert wirkten – sortiert wurde im hauseigenen «BotQ»-Lager mit gleichförmigen Paketen, nicht im chaotischen Verteilzentrum eines Logistik-Konzerns. Und die Diskussion um Arbeitsplätze ist mit Snaps Mitarbeiter-Abbau im April sowieso wieder offen.
Was bleibt: Figure hat den ersten öffentlich nachprüfbaren Beleg dafür geliefert, dass ein Humanoid-Roboter ohne Teleoperation eine ganze Schicht durchhält. Der nächste Beweis – Schicht-Betrieb beim realen Kunden – ist nur noch eine Bestellung weit weg.