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Majorana 2: Microsofts Quantensprung mit Fragezeichen

Microsofts neuer Quantenchip Majorana 2 verspricht 1000-fach mehr Stabilität und einen kommerziellen Quantencomputer schon 2029. Fachleute zweifeln, ob die Grundlage überhaupt belegt ist.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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4. JUNI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Skizze eines Mikrochips auf einer Platine unter einer grossen Lupe mit elektroblauem Akzent, darueber kleine Atome, Qubit-Punkte und Fragezeichen
Skizze eines Mikrochips auf einer Platine unter einer grossen Lupe mit elektroblauem Akzent, darueber kleine Atome, Qubit-Punkte und Fragezeichen (Dark)
INHALT
01Was Microsoft verspricht02Warum Fachleute zurückhaltend bleiben03Warum das auch hier zählt
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01Was Microsoft verspricht02Warum Fachleute zurückhaltend bleiben03Warum das auch hier zählt
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Die Fortschritte bei der Stabilität sind real – doch zwischen Labordemonstration und nutzbarem Quantencomputer liegen grundlegende, ungelöste Fragen.

Neben all den KI-Ankündigungen an der Build 2026 hatte Microsoft auch eine Nachricht aus der Quantenwelt dabei – eine, die für Aufsehen sorgt und für Skepsis zugleich: den Quantenchip Majorana 2.

Was Microsoft verspricht

Vorgestellt am 2. Juni in San Francisco, ist Majorana 2 die zweite Generation von Microsofts sogenanntem topologischem Quantenchip. Die Kernzahlen klingen spektakulär: eine 1'000-fach höhere Zuverlässigkeit als die Vorgängergeneration und eine mittlere Lebensdauer der Quantenbits (Qubits) von rund 20 Sekunden, in Einzelfällen bis zu einer Minute. Zum Vergleich: Bei der letzten Generation lag dieser Wert noch unter 12 Millisekunden – also tausendfach kürzer.

Möglich macht das laut Microsoft ein neuer Materialaufbau. Statt Aluminium nutzt der Chip nun einen Supraleiter auf Blei-Basis, der die empfindlichen Qubits besser gegen äussere Störungen abschirmt. Die Zahl der Qubits stieg von 8 auf 12 – noch klein, aber das System soll schrittweise wachsen.

Spannend für KI-Beobachter: Entwickelt wurde der Chip mithilfe von Microsoft Discovery, der hauseigenen agentischen KI-Plattform für Forschung. Die KI half dem Quantenteam, Arbeitsabläufe zu steuern, Messungen zu automatisieren, die Fertigung zu optimieren und neue Ansätze vorzuschlagen. Microsoft zieht daraus eine kühne Folgerung: Ein skalierbarer, kommerziell nutzbarer Quantencomputer sei nun bereits für 2029 realistisch – statt wie bisher angenommen erst 2035.

Warum Fachleute zurückhaltend bleiben

So gross die Zahlen, so laut die Zweifel. Mehrere Physiker bezweifeln, ob Microsoft überhaupt belegt hat, dass der Chip wie behauptet funktioniert. Konkret geht es um die Frage, ob die zugrunde liegenden Majorana-Zustände – exotische Quantenzustände, auf denen das ganze Konzept beruht – wirklich nachgewiesen wurden. Schon die Topologie-Behauptungen des Vorjahres waren in der Fachwelt umstritten; mit Majorana 2 legt Microsoft nun nach, ohne dass die Grundsatzkritik ausgeräumt wäre. Auch die Börse reagierte verhalten: Die Microsoft-Aktie gab nach der Ankündigung kurzzeitig rund 4 Prozent nach.

Topologische Qubits sind ein Sonderweg. Während Google, IBM und andere auf erprobtere Ansätze setzen, wettet Microsoft seit Jahren darauf, dass dieser Pfad am Ende stabiler und besser skalierbar ist. Geht die Wette auf, wäre es ein Vorsprung; geht sie nicht auf, hat man viel Zeit verloren.

Warum das auch hier zählt

Leistungsfähige Quantencomputer würden Forschung in Pharma, Materialwissenschaft und Kryptografie umkrempeln – Felder, in denen die Schweiz mit ETH, EPFL und ihrer Pharmaindustrie stark ist. Erst kürzlich brachte die EPFL als erste Schweizer Uni einen echten Quantencomputer in die Cloud. Ob 2029 oder doch erst viel später: Der Wettlauf um den ersten praxistauglichen Quantenrechner nimmt Fahrt auf.

Einordnung: Majorana 2 ist ein faszinierendes Versprechen mit grossen Fragezeichen. Die Fortschritte bei der Stabilität sind real und beeindruckend – doch zwischen Labordemonstration und kommerziellem Quantencomputer liegen noch grundlegende, ungelöste Fragen. Die 2029-Prognose ist darum vor allem eines: eine selbstbewusste Ansage, kein Fahrplan.

Quellen

Microsoft – Build 2026 Book of News↗ EXTERNER LINKSiliconANGLE – Microsoft's new Majorana 2 quantum chip claims breakthrough in qubit stability↗ EXTERNER LINKNeowin – Microsoft unveils Majorana 2 quantum chip, accelerating commercial timeline to 2029↗ EXTERNER LINKThe Quantum Insider – Microsoft Reports Advances in Majorana 2 Following Debate Over Topological Claims↗ EXTERNER LINKConstellation Research – Microsoft rolls out Majorana 2 and bets new materials accelerate quantum computing↗ EXTERNER LINK
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