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Mythos: Wenn KI zu gefährlich für die Öffentlichkeit wird

Anthropics internes Top-Modell findet tausende Zero-Day-Lücken, bringt Regierungen in Alarmbereitschaft – und wird bewusst zurückgehalten. Was Mythos über die nächste Phase der KI-Entwicklung verrät.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
17. APRIL 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration einer Tresor-Tür, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Tresortür (Dark Mode), kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Ein Abend auf Bali, der alles veränderte02Tausende Schwachstellen, eine unbequeme Wahrheit03Project Glasswing: Verteidigung statt Veröffentlichung04Regierungen reagieren – in Rekordtempo05Schweiz-Kontext: Indirekt, aber relevant06Einordnung: Das neue Paradigma
INHALT
01Ein Abend auf Bali, der alles veränderte02Tausende Schwachstellen, eine unbequeme Wahrheit03Project Glasswing: Verteidigung statt Veröffentlichung04Regierungen reagieren – in Rekordtempo05Schweiz-Kontext: Indirekt, aber relevant06Einordnung: Das neue Paradigma
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Anthropics Mythos findet tausende Zero-Day-Lücken autonom – darunter eine 27 Jahre alte OpenBSD-Schwachstelle. Statt das Modell zu verkaufen, investiert Anthropic 100 Millionen Dollar in ein Defensiv-Konsortium mit Apple, Microsoft und Google.

Ein Abend auf Bali, der alles veränderte

Im Februar 2026 öffnete Nicholas Carlini – Sicherheitsforscher bei Anthropic – auf Bali seinen Laptop, um ein neues Modell zu testen. Was er fand, nannte er laut Bloomberg «staggering»: Mythos identifizierte und exploitete Zero-Day-Schwachstellen in praktisch jedem grossen Betriebssystem und Browser. Darunter eine 27 Jahre alte Lücke in OpenBSD – einem System, das für seine Sicherheit bekannt ist.

Tausende Schwachstellen, eine unbequeme Wahrheit

Die Zahlen aus Anthropics eigenem Sicherheitsbericht sprechen für sich: Mythos Preview erzeugte 181 funktionierende Firefox-JavaScript-Exploits – gegenüber 2 beim Vorgänger Opus 4.6. Das Modell konstruierte autonom mehrstufige Exploit-Ketten: JIT-Heap-Sprays mit vier verketteten Schwachstellen, ROP-Chains über 20 Gadgets hinweg, Privilege-Escalation-Ketten mit KASLR-Bypass.

Die Kosten für die Entdeckung der OpenBSD-Lücke? Unter 20.000 Dollar über tausend Testläufe. Einzelne Exploits kosteten zwischen 50 und 2.000 Dollar. In der Welt der Cybersecurity ist das praktisch nichts.

Project Glasswing: Verteidigung statt Veröffentlichung

Statt Mythos auf den Markt zu bringen, lancierte Anthropic am 7. April «Project Glasswing» – ein Defensiv-Konsortium mit Amazon, Apple, Microsoft, CrowdStrike, Google, JPMorgan Chase, Intel, Nvidia und weiteren. 100 Millionen Dollar an Credits fliessen in die Initiative. Das Ziel: Die kritischste Software der Welt absichern, bevor das Modell breit verfügbar wird.

Für legitime Sicherheitsforscher gibt es das neue Cyber Verification Program. Penetrationstester und Red-Teamer können sich verifizieren lassen, um Zugang zu Mythos' vollen Fähigkeiten zu erhalten.

Regierungen reagieren – in Rekordtempo

Die politischen Reaktionen kamen innerhalb von Tagen. Am 14. April schrieb OMB-CIO Gregory Barbaccia per Memo an die US-Kabinettsdepartemente: Die Regierung bereite Schutzmassnahmen vor, um Behörden Zugang zu Mythos zu ermöglichen – trotz Einwänden des Pentagon. Bloomberg berichtet, das Memo ging an Verteidigung, Finanzministerium, Handel, Homeland Security, Justiz und Aussenministerium.

Am selben Tag berief die EZB die Chief Risk Officers der Eurozone-Banken zu einem Sonder-Call ein. Das Thema: Wie verwundbar ist das europäische Finanzsystem gegenüber Mythos-gestützten Angriffen? In den USA hatte Treasury Secretary Bessent bereits letzte Woche Wall-Street-CEOs zusammengerufen. Bloomberg nennt es «eine der schnellsten behördenübergreifenden Reaktionen auf eine KI-Fähigkeit in der Geschichte».

Schweiz-Kontext: Indirekt, aber relevant

Die Schweiz wird in den Berichten nicht direkt erwähnt. Aber: Die UBS ist über ihre Eurozone-Operationen indirekt vom EZB-Call betroffen. Die Mythos-Exploits betreffen universelle Systeme – Linux, OpenBSD, FreeBSD, Firefox –, die auch in Schweizer Infrastrukturen laufen. Und das ETH Zürich Quantum Center kooperiert mit IQM, einem der frühen Glasswing-Tester.

Einordnung: Das neue Paradigma

Mythos markiert einen Wendepunkt: Zum ersten Mal hält ein KI-Unternehmen sein stärkstes Modell bewusst zurück – nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern wegen der Risiken. Der Entscheid, 100 Millionen Dollar in Verteidigung zu investieren statt in Monetarisierung, ist beispiellos. Er zeigt aber auch: Die Fähigkeitskurve bei KI-Modellen hat einen Punkt erreicht, an dem Veröffentlichung allein keine verantwortungsvolle Option mehr ist.

Quellen

Anthropic – Mythos Preview Security Assessment↗ EXTERNER LINKBloomberg – How Anthropic Discovered Mythos Was Too Dangerous↗ EXTERNER LINKBloomberg – White House Mythos Access↗ EXTERNER LINKBloomberg – ECB Mythos Call↗ EXTERNER LINKSimon Willison – Project Glasswing↗ EXTERNER LINK
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