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Apertus 1.5 kommt – die Schweiz packt jetzt auch Rechtsdokumente ins eigene LLM

An der zweiten Open Source AI Conference in Bern kündigt ETH-Forscher Imanol Schlag die kommende Apertus-Version mit deutlich mehr Schweiz-spezifischem Material an. Auch das Bundesgericht prüft den Einsatz.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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23. MAI 2026
3 MIN. LESEZEIT
An der zweiten Open Source AI Conference in Bern kündigt ETH-Forscher Imanol Schlag die kommende Apertus-Version mit deu
Illustration eines aufgeschlagenen Buchs auf Pult mit Schweizer Berg, Dark Mode, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Vom Open-Source-Versuch zum Werkzeug fürs Bundesgericht02Drei kritische Stimmen aus Bern03Souveränität wird zum Beschaffungs-Thema04Was du jetzt mitnehmen kannst
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Apertus wird mit Version 1.5 messbar schweizerischer – und für die Justiz greifbar.

Am Mittwoch ist in Bern die zweite Open Source AI Conference von CH Open und Red Hat über die Bühne gegangen. Imanol Schlag, Co-Lead des Apertus-Projekts am ETH AI Center, hat dort das Update zur kommenden Apertus-Version 1.5 angekündigt. Wichtigster Punkt: deutlich mehr Schweiz-spezifisches Material im Training – darunter Dokumente aus dem Rechtswesen.

Vom Open-Source-Versuch zum Werkzeug fürs Bundesgericht

Apertus ist das vollständig offene Sprachmodell von ETH Zürich, EPFL und dem Schweizer Supercomputing Centre CSCS, das seit September 2025 in zwei Grössen (8B und 70B Parameter) frei verfügbar ist – Trainingsdaten, Modellgewichte und Code inklusive. Schlag betonte in Bern, warum das wichtig ist: «Open Weights»-Modelle, wie sie viele grosse Tech-Konzerne als offen vermarkten, seien zwar herunterladbar – aber weder vollständig transparent noch reproduzierbar. Apertus dokumentiert hingegen den gesamten Weg.

Mit Version 1.5 wird das Modell jetzt deutlich schweizerischer. Daniel Brunner, Bereichsleiter Informatik am Bundesgericht, machte in seinem Vortrag klar, warum das gerade für die Justiz zählt: KI-Modelle entscheiden je nach Trainingsdaten unterschiedlich. Während in Europa stärker der Schutz von Tieren oder Individuen gewichtet werde, gälten in anderen Kulturkreisen andere Prioritäten. Für erklärbare und nachvollziehbare Justiz-Anwendungen sei deshalb ein offenes, regional verankertes Modell essentiell.

Drei kritische Stimmen aus Bern

Die Konferenz zog rund 200 Teilnehmende an – mehr als bei der ersten Ausgabe vor einem Jahr. Drei Punkte zogen sich durch die Vorträge:

  • Imanol Schlag (ETH AI Center) zeigte: Theoretisch ist Apertus reproduzierbar. Praktisch braucht es dafür einen Supercomputer wie «Alps» beim CSCS – ein Vorsprung, den die Schweiz konsequent ausspielen sollte.
  • Chantelle Brandt Larsen (Systematic-X) sprach über den «Röstigraben» zwischen KI-Ethik-Debatten und der Realität in den Systemen. Open Source mache Verzerrungen sichtbar – garantiere aber nicht, dass sie verschwinden. «Wir haben nicht nur eine KI-Lücke – wir haben eine menschliche Lücke», so Brandt Larsen.
  • Lena Fuhrimann (Bespinian) rechnete vor, dass jeder Hobbyist heute schon ein eigenes Sprachmodell betreiben kann. Mit Tricks wie Quantization (geringere Genauigkeit der Gewichte) und «Mixture of Experts»-Modellen reichen 12 Gigabyte VRAM einer normalen Gaming-Grafikkarte. «Und wenn du klein anfangen willst, bekommst du schon einen Mini-PC für rund 350 Franken.»

Souveränität wird zum Beschaffungs-Thema

Parallel zur Konferenz lief in Bern eine zweite Debatte: der Branchenverband SwissAI forderte am Freitag, dass der Bund digitale Souveränität verbindlich in der öffentlichen Beschaffung verankern soll. Bundesverwaltung, staatsnahe Betriebe und kritische Infrastrukturen sollen bei KI- und Cloud-Lösungen Kriterien wie Datenstandort, Auditierbarkeit und Exit-Strategien anwenden müssen. Als warnendes Beispiel nannte der Verband DeepL – ein als europäisch wahrgenommener Anbieter, der seine Infrastruktur trotzdem über Amazon Web Services skaliert.

Das passt zu dem, was an der Open Source AI Conference unausgesprochen mitschwang: Wer KI nicht selbst bauen will, bleibt vom Stack abhängig. Aarno Aukia von VSHN skizzierte deshalb einen souveränen Schweizer KI-Stack mit OpenShift, Open-Weight-Modellen wie Apertus oder Mistral, vLLM als Inferenz-Server und PostgreSQL mit pgvector für Retrieval.

Was du jetzt mitnehmen kannst

Drei Dinge sind konkret:

  1. Apertus 1.5 kommt – mit besserem Schweiz-Kontext und Rechtsdokumenten als Trainingsdaten. Wer juristisch oder behördlich arbeitet und auf Datenresidenz Wert legt, sollte das Release auf dem Schirm haben.
  2. Eigene KI ist günstiger als gedacht. Mit Quantization, MoE-Modellen und einem Mini-PC bist du im dreistelligen Frankenbereich.
  3. Die Souveränitäts-Debatte wird konkret. Wenn der Bund auf SwissAI hört, wird «in der Schweiz gehostet» zu einem harten Beschaffungskriterium – das verschiebt den Markt für Schweizer Cloud- und KI-Anbieter.

Die nächste Ausgabe von Apertus dürfte das deutlich machen: Ein Schweizer LLM ist kein PR-Projekt mehr, sondern ein Werkzeug, das das Bundesgericht in Lausanne ernsthaft prüft.

Quellen

Open Source AI Conference: Wie fast jeder zu einer eigenen KI kommt – Netzwoche↗ EXTERNER LINKOpen Source AI Conference 2026 – CH Open↗ EXTERNER LINKSwissAI fordert Verankerung digitaler Souveränität in der öffentlichen Beschaffung – Netzwoche↗ EXTERNER LINK
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