Basels mächtigster Pharma-Chef wird Board-Mitglied beim umstrittensten KI-Unternehmen der Welt. Mit seiner Berufung hat der Anthropic Long-Term Benefit Trust erstmals die Mehrheit im Gremium.

Novartis-CEO Narasimhan wird erstes Pharma-Schwergewicht im Anthropic-Board – der Trust hat damit die Mehrheit, Anthropic drängt in den Healthcare-Markt, und die Schweiz rückt näher an die KI-Frontlinie.
Der Anthropic Long-Term Benefit Trust hat Vas Narasimhan am 14. April als siebtes Mitglied in den Verwaltungsrat berufen. Der Trust ist ein unabhängiges Gremium ohne finanzielle Beteiligung an Anthropic – seine Aufgabe: sicherstellen, dass das Unternehmen seine Safety-Mission nicht dem Gewinnstreben opfert.
Mit Narasimhan haben die Trust-ernannten Mitglieder nun erstmals die Mehrheit im Board. Das ist mehr als Symbolik: Der Trust kann damit Entscheidungen blockieren, die seiner Meinung nach gegen das Gemeinwohl verstossen.
Narasimhan führt Novartis seit 2018 und hat in dieser Zeit über 35 Medikamente und Impfstoffe durch die Zulassung gebracht. Anthropic-Präsidentin Daniela Amodei betonte bei der Ankündigung, Narasimhan bringe seltene Erfahrung im sicheren Einsatz mächtiger Technologie in regulierten Branchen mit – genau das Profil, das Anthropic suche.
Es ist Narasimhans erstes Verwaltungsratsmandat ausserhalb von Novartis überhaupt. Dass er es ausgerechnet bei einem KI-Frontier-Lab antritt, sagt viel über die strategische Richtung beider Seiten.
Die Berufung ist kein Zufall. Anfang April übernahm Anthropic das Biotech-Startup Coefficient Bio für 400 Millionen Dollar – eine Plattform, die maschinelles Lernen zur Vorhersage von Proteinstrukturen und Beschleunigung der Wirkstoffforschung einsetzt. Bereits im Januar hatte Anthropic neue Claude-Features für Gesundheitsunternehmen und Versicherer lanciert.
Im Hintergrund läuft die Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang im Herbst 2026. Venture-Capital-Firmen bewerten Anthropic inzwischen mit bis zu 800 Milliarden Dollar – doppelt so viel wie bei der Series-G-Runde vor zwei Monaten.
Die Personalie fällt in eine heikle Phase: Das Pentagon hat Anthropic am 27. Februar als «Supply-Chain-Risk» eingestuft, Trump ordnete einen Nutzungsstopp für alle Bundesbehörden an. Zwar blockierte eine Richterin in San Francisco am 26. März die Einstufung vorläufig – doch der Konflikt zwischen Anthropic und der US-Regierung schwelt weiter. Dass gleichzeitig das OMB Kabinettsbehörden Zugang zu Anthropics Mythos-Modell gewährt, macht die Lage nicht übersichtlicher.
Für Narasimhan persönlich bedeutet das: Er sitzt neu im Board eines Unternehmens, das sich gleichzeitig mit dem Pentagon, dem Weissen Haus und der Pharmabranche arrangieren muss.
Für die Schweiz ist die Personalie doppelt relevant. Erstens verknüpft sie Basler Pharma direkt mit einem US-Frontier-Lab – mit allen Chancen und Risiken, die der Trump-Anthropic-Konflikt für Novartis-Kooperationen bergen könnte. Zweitens stellt Anthropic aktuell KI-Forscher in Zürich ein – mit Gehältern von bis zu 680'000 Franken jährlich, wie auf der Karriereseite ersichtlich. Novartis kommentierte die Berufung nur knapp.

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