SoftBank kündigt Europas grösste KI-Infrastruktur-Investition an: bis zu 75 Milliarden Euro für 5 Gigawatt Rechenleistung in Frankreich. Ein Signal im Ringen um digitale Souveränität – das auch die Schweiz verfolgt.
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Rechenleistung wird zur strategischen Ressource – SoftBanks Frankreich-Milliarden zeigen, wie Europa um KI-Souveränität kämpft.
Der japanische Tech-Konzern SoftBank will bis zu 75 Milliarden Euro in KI-Rechenzentren in Frankreich stecken – die grösste angekündigte KI-Infrastruktur-Investition, die Europa je gesehen hat. Für den Kontinent ist es ein Signal im Ringen um digitale Eigenständigkeit. Auch die Schweiz verfolgt dasselbe Ziel, nur eine Nummer kleiner.
Angekündigt wurde der Plan am Choose-France-Gipfel von Präsident Emmanuel Macron Ende Mai. SoftBank will in Frankreich Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von 5 Gigawatt aufbauen und betreiben – eine gewaltige Menge Strom, die zeigt, wie energiehungrig moderne KI geworden ist.
Die erste Phase umfasst 45 Milliarden Euro und soll bis 2031 rund 3,1 Gigawatt Kapazität in der Region Hauts-de-France liefern, verteilt auf drei geplante Standorte. SoftBank-Gründer Masayoshi Son begründete die Wahl Frankreichs mit dem CO₂-armen Stromnetz des Landes (rund 70 Prozent Atomkraft), verfügbaren Industrieflächen und einem grossen Pool an Ingenieurinnen und Ingenieuren.
Hinter der Zahl steckt eine grössere Sorge: Europa fürchtet, im KI-Zeitalter zwischen den USA und China abgehängt zu werden – vor allem bei der Rechenleistung, dem eigentlichen Nadelöhr. Wer keine eigenen Rechenzentren hat, ist auf fremde Infrastruktur angewiesen. SoftBanks Milliarden sind ein Versuch, einen Teil dieser kritischen Kapazität auf europäischen Boden zu holen.
Ein gesunder Vorbehalt bleibt: SoftBank hält selbst nur rund 30 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln – die 75-Milliarden-Zusage ist also eine Absichtserklärung, die erst noch über neue Fonds, Schulden und Partnerschaften finanziert werden muss. Zwischen Ankündigung und tatsächlich gebautem Rechenzentrum liegt bei SoftBank erfahrungsgemäss eine grosse Lücke.
Die Schweiz spielt im selben Spiel, nur in kleinerem Massstab. Mit dem offenen Sprachmodell Apertus von ETH und EPFL, den nationalen Supercomputern am CSCS und Initiativen für «souveräne» Schweizer KI-Plattformen verfolgt der Forschungs- und Wirtschaftsstandort dasselbe Ziel: möglichst viel KI-Infrastruktur unter eigener Kontrolle. Während Frankreich mit Megaprojekten auf Grösse setzt, punktet die Schweiz eher mit Energie, Stabilität und Spezialisierung.
Einordnung: Ob am Ende 75 Milliarden oder deutlich weniger fliessen, ist offen – entscheidend ist die Richtung. Rechenleistung wird zur strategischen Ressource wie Öl oder Gas, und Staaten beginnen, sie als nationale Infrastruktur zu behandeln. Für kleine, energiekluge Länder wie die Schweiz steckt darin eine Chance, sich als verlässlicher KI-Standort zu positionieren.