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TSMC bricht alle Rekorde – und wettet 100 Milliarden auf Arizona

TSMC meldet das fünfte Rekordquartal in Folge – und kündigt 100 Milliarden Dollar zusätzlich für Arizona an. Zwei Drittel des Umsatzes hängen inzwischen am KI-Ausbau. Eine Decke ist nicht in Sicht, aber der erste Riss.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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17. JULI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Baukrans, der einen blauen Stahlträger über eine halbfertige Fabrikhalle hebt, daneben ein Saguaro-Kaktus in der Wüste, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Baukrans, der einen blauen Stahlträger über eine halbfertige Fabrikhalle hebt, daneben ein Saguaro-Kaktus in der Wüste, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Zwei Drittel des Geschäfts sind heute KI02265 Milliarden für zwölf Fabriken03Washington sitzt mit am Tisch04Ein Zeitplan? Fehlanzeige
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

TSMCs Rekordzahlen belegen den KI-Boom von gestern – die 100 Milliarden für Arizona sind eine Wette auf den von übermorgen, und einen festen Zeitplan dafür gibt es nicht.

TSMC hat am 16. Juli die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt: 40,20 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 33,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn stieg auf 706,56 Milliarden Taiwan-Dollar – plus 77,4 Prozent. Fünftes Rekordquartal in Folge. Wer wissen will, wie es um den KI-Ausbau wirklich steht, schaut nicht zu OpenAI oder Meta. Er schaut hierhin: zu der Firma, die deren Chips baut.

Zwei Drittel des Geschäfts sind heute KI

TSMC ist ein Auftragsfertiger – die Firma entwirft keine eigenen Chips, sondern produziert die von Nvidia, Apple und Broadcom. Wie sehr das Geschäft am KI-Ausbau hängt, zeigt eine einzige Zahl: High Performance Computing, die Kategorie mit den KI-Beschleunigern, macht 66 Prozent des Quartalsumsatzes aus. Smartphones, jahrzehntelang das Brot-und-Butter-Geschäft, kommen noch auf 22 Prozent. Die Bruttomarge liegt bei 67,7 Prozent – für einen Konzern, der sein Geld in Beton, Reinräume und Maschinen steckt, aussergewöhnlich viel.

265 Milliarden für zwölf Fabriken

Im Earnings Call kündigte Chairman und CEO C.C. Wei zusätzliche 100 Milliarden Dollar für Arizona an. Damit klettert TSMCs Zusage in den USA auf 265 Milliarden Dollar. Laut US-Handelsministerium entstehen vier weitere Werke, womit TSMC dort auf insgesamt zwölf Anlagen käme – für modernste Fertigung und für Advanced Packaging, also das Zusammensetzen mehrerer Chips zu einem Paket, ein Nadelöhr bei KI-Beschleunigern. Das Investitionsbudget für 2026 hebt der Konzern von 52–56 auf 60–64 Milliarden Dollar an.

«Die KI-bezogene Nachfrage ist weiterhin extrem robust.» – C.C. Wei

Washington sitzt mit am Tisch

Der Clou: Die Ankündigung kam nicht nur aus Taipeh. Das US-Handelsministerium vermeldete sie am selben Tag – als Ergebnis des Handels- und Investitionsabkommens zwischen den USA und Taiwan vom Januar 2026. Handelsminister Howard Lutnick verbuchte sie als Verdienst der Regierung Trump. Und auf die Frage, wie TSMC gegen das staatlich gestützte Intel bestehen wolle, antwortete Wei süffisant: Man bekomme übrigens auch Unterstützung von der Regierung – man kündige sie nur nicht an.

Die 100 Milliarden sind also nicht nur ein Nachfragesignal. Sie sind auch ein politisch verhandeltes.

Ein Zeitplan? Fehlanzeige

Eine Decke ist in diesen Zahlen nicht zu erkennen – im Ausblick aber ein erster Riss. Sravan Kundojjala, Analyst bei SemiAnalysis, weist darauf hin, dass der Speicher-Boom TSMCs Nicht-KI-Geschäft unter Druck setzt: Preissensitive Endmärkte litten unter steigenden Speicherpreisen und knappen Komponenten. Der KI-Ausbau saugt die Lieferkette leer – zulasten von allem, was nicht KI ist.

Und Wei selbst wurde auffällig vorsichtig, als ihn Analysten nach dem Zeitplan für die vier Fabriken fragten:

«Meistens hängt es von der Marktlage ab und von der Nachfrage unserer Kunden. Wenn Sie mich nach einem festen Zeitplan fragen – nein, den haben wir heute nicht. Aber wir haben einen Plan.» – C.C. Wei

265 Milliarden Dollar zugesagt, aber kein Termin. Dazu passt, dass TSMC parallel 13 weitere Werke in Taiwan bauen will – Arizona ist eine Ergänzung, keine Verlagerung.

Für dich heisst das: Was TSMC jetzt in die Wüste von Arizona giesst, ist eine Wette darauf, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung auch in einigen Jahren noch trägt. Die Rekordzahlen belegen den Boom von gestern – nicht den von übermorgen. Ob die Wette aufgeht, entscheidet sich in den Rechenzentren, die gerade entstehen: von Metas Hyperion-Anlage bis zu jenen Projekten, die am Widerstand vor Ort scheitern, wie zuletzt in New York.

Quellen

TSMC Reports Second Quarter EPS of NT$27.25 (Form 6-K, FY2026 Q2)↗ EXTERNER LINKTrump Administration Secures an Additional $100 Billion U.S. Semiconductor Manufacturing Investment for a Total of $265 Billion from TSMC↗ EXTERNER LINKTSMC to invest additional $100 billion in Arizona after second-quarter profit soars 77%↗ EXTERNER LINKTSMC announces additional $100bn investment in Arizona as chipmaker posts $40.2bn revenue for Q2 2026↗ EXTERNER LINKTSMC Q2 2026 earnings: Record profit, $100 billion Arizona investment↗ EXTERNER LINK
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