Das chinesische KI-Startup DeepSeek entwickelt laut Reuters einen eigenen Inferenz-Chip. Das Ziel: weniger Abhängigkeit von Nvidia und Huawei – trotz US-Exportkontrollen.
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DeepSeek baut einen eigenen Chip für die Inferenz und folgt damit OpenAI und Anthropic – der Kampf um KI-Hardware verschärft sich.
DeepSeek, das chinesische KI-Startup, das mit seinen günstigen Modellen den Westen aufgeschreckt hat, entwickelt jetzt seine eigene Hardware. Laut einem Bericht von Reuters, der sich auf drei mit der Sache vertraute Personen stützt, arbeitet die Firma an einem eigenen KI-Chip – und will damit ihre Abhängigkeit von Nvidia und Huawei verringern.
Der geplante Chip ist für die Inferenz ausgelegt – also die Phase, in der ein fertig trainiertes Modell tatsächlich Antworten für Nutzer generiert. Nicht gemeint ist das Training selbst, bei dem ein Modell überhaupt erst lernt. Diese Trennung ist wichtig: Inferenz-Chips sind einfacher zu bauen als Trainings-Beschleuniger, und genau hier fällt bei einem populären Modell mit vielen Nutzern der Löwenanteil der laufenden Rechenkosten an.
DeepSeek soll seit rund einem Jahr mit Partnern aus Chip-Design, Fertigung und Speicher im Gespräch sein und über Monate leise Chip-Ingenieure eingestellt haben – ohne öffentliche Stellenausschreibungen.
DeepSeek ist damit nicht allein. OpenAI hat erst kürzlich seinen ersten eigenen Inferenz-Chip mit dem Codenamen Jalapeño vorgestellt, gemeinsam mit Broadcom entwickelt. Anthropic prüft ebenfalls, eigene Chips zu bauen. Der Antrieb ist überall derselbe: weniger Abhängigkeit von Nvidia, dessen Beschleuniger den Markt dominieren und knapp sowie teuer sind.
Für DeepSeek kommt ein zweiter Punkt dazu. Die US-Exportkontrollen schneiden chinesische Firmen vom Zugang zu den fortschrittlichsten Chips und Speichertypen ab. Ein eigener Chip wäre ein Weg, diese Lücke zumindest teilweise zu umgehen – vorausgesetzt, DeepSeek findet eine Fertigung, die ausserhalb der Sanktionen liegt.
So weit ist es noch nicht. Das Projekt steckt laut Reuters in einem frühen Stadium. Einen konkurrenzfähigen KI-Prozessor zu entwickeln, kostet Jahre an Ingenieursarbeit, Milliarden an Investitionen und – der schwierigste Teil für ein chinesisches Unternehmen – Zugang zu moderner Fertigungstechnik, die genau dort beschränkt ist.
Geld für das Vorhaben wäre da: Erst im vergangenen Monat sammelte DeepSeek laut Reuters rund 7,4 Milliarden Dollar ein, bei einer Bewertung von etwa 50 Milliarden.
Einordnung: Dass ausgerechnet DeepSeek – gefeiert als Chinas KI-Champion – in die Chip-Entwicklung einsteigt, zeigt, wie sehr die Rechen-Hardware zum eigentlichen Engpass der KI-Branche geworden ist. Wer Modelle günstig anbieten will, muss die Kosten pro Antwort drücken. Und der grösste Hebel dafür liegt nicht in der Software, sondern im Silizium darunter.