Am internen Townhall räumt Mark Zuckerberg ein: Die KI-Agenten stocken, der Konzernumbau lief nicht «clean». Trotz bis zu 145 Milliarden Dollar KI-Ausgaben bleibt der Nutzen vorerst aus.
Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.
Selten sagt ein Tech-CEO so offen, dass die Automatisierungs-Erzählung schwerer einzulösen ist als gedacht – Meta hat massiv umgebaut, um Menschen durch KI-Agenten zu ersetzen, und merkt nun, dass genau das nicht so einfach ist.
Es ist ein ungewöhnlich offenes Eingeständnis für einen Tech-CEO: An einem internen Townhall am Donnerstag sagte Mark Zuckerberg seinen Mitarbeitenden, dass die Entwicklung von Metas KI-Agenten in den letzten vier Monaten «nicht so beschleunigt hat, wie wir es erwartet haben». Und auch der grosse Konzernumbau sei nicht so sauber gelaufen, wie er hätte sein können. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, die eine Aufnahme des Meetings gehört hat.
Zuckerberg sprach am Townhall direkt über die Reorganisation, die Meta seit Anfang Jahr durchzieht. Der Umbau samt Stellenabbau sei nicht so «clean» verlaufen, wie er hätte sein müssen – und die Führungsspitze habe sich beim Timing der Umstellung verkalkuliert.
Der Hintergrund: Als das Management im Januar und Februar mit der Planung begann, sass die Sorge tief, man sei zu langsam. Die Gespräche mit den «Top-Leuten», so Zuckerberg, hätten sich darum gedreht, «dass sie sich Sorgen machten, wir würden uns nicht schnell genug anpassen». Damals sei man «super-optimistisch» gewesen, was Werkzeuge wie Claude Code vom KI-Startup Anthropic (ein KI-Assistent, der eigenständig Programmier-Aufgaben übernimmt) angeht.
Rückblickend fällt das Urteil nüchterner aus: Die Wetten auf die neue Struktur seien «noch nicht aufgegangen».
Wie tief der Umbau ging, zeigen die Zahlen. Anfang Jahr strich Meta rund 8'000 Stellen – etwa 10 Prozent der Konzernbelegschaft – und versetzte weitere 7'000 Mitarbeitende in KI-Teams, darunter eine Gruppe mit dem sprechenden Namen «Agent Transformation». Der Schritt löste laut Berichten intern erheblichen Widerstand aus und schürte Sorgen um die Stimmung in der Belegschaft.
Gleichzeitig dreht Meta beim Geld gross auf: Bis zu 145 Milliarden Dollar dürfte der Konzern dieses Jahr allein in KI-Infrastruktur stecken – ein gewichtiger Teil der über 700 Milliarden Dollar, die die grossen Tech-Konzerne zusammen für die Technologie ausgeben. Umso mehr fällt ins Gewicht, wenn der versprochene Nutzen ausbleibt.
Trotz der ernüchternden Zwischenbilanz gab sich Zuckerberg zuversichtlich: In den nächsten drei bis sechs Monaten werde Meta beginnen, spürbar stärker von seinen KI-Investitionen zu profitieren.
Am selben Townhall äusserte sich auch Technikchef Andrew Bosworth – und zwar zu einem heiklen Nebenschauplatz. Eine Prüfung eines jüngsten Datensicherheits-Vorfalls mit Metas umstrittener Software zur Verfolgung von Maus-Bewegungen habe ergeben, dass keine Mitarbeiterdaten ins KI-Training geflossen seien. Das Programm, das Mausbewegungen und digitale Aktivität von Angestellten fürs KI-Training erfasst, hatte Meta letzten Monat nach dem Vorfall pausiert. Falls es reaktiviert werde, dann nur noch freiwillig – während es bei der Installation im April keine Möglichkeit gegeben hatte, sich davon abzumelden.
Für dich als Beobachter der KI-Branche ist die Episode aus einem Grund interessant: Selten sagt ein CEO im Klartext, dass die grosse Automatisierungs-Erzählung schwieriger einzulösen ist als gedacht. Meta hat massiv umgebaut, um Menschen durch KI-Agenten zu ersetzen – und stellt nun fest, dass genau das nicht so einfach ist. Das ist ein nützlicher Realitäts-Check in einer Zeit, in der die Erwartungen an autonome KI-Agenten hoch hängen. Ob die versprochene Trendwende in den nächsten Monaten kommt, wird zeigen, wie belastbar diese Erzählung wirklich ist.