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Netflix nutzte generative KI in rund 300 Titeln

Im Aktionärsbrief zum zweiten Quartal nennt Netflix erstmals eine Zahl: In rund 300 Titeln steckt 2026 generative KI, der Schwerpunkt liegt in der Postproduktion. Co-CEO Ted Sarandos rechnet vor, wie 17 Minuten einer Doku-Serie doppelt so schnell und zum halben Preis entstanden.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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18. JULI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Filmschneideraums mit Zelluloidstreifen und Filmspule, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Filmschneideraums mit Zelluloidstreifen und Filmspule, kinewsletter.ch Stil
INHALT
0117 Minuten, doppelt so schnell, halber Preis02Der Kursrutsch kam von woanders03Ab 2. August fragt Europa nach
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Generative KI ist in Netflix-Produktionen längst Alltag – nur erfährst du als Zuschauer bisher nichts davon, und in der Schweiz muss es dir auch künftig niemand sagen.

Erstmals nennt Netflix eine Zahl – und sie ist grösser als gedacht. In rund 300 seiner Titel kam 2026 generative KI zum Einsatz. So steht es im Aktionärsbrief zum zweiten Quartal vom 16. Juli.

17 Minuten, doppelt so schnell, halber Preis

«GenAI-Workflows» seien 2026 in rund 300 Titeln genutzt worden, «mit der grössten Konzentration in der Postproduktion», schreibt Netflix. Namentlich genannt werden drei Produktionen: die indische Serie Glory, die brasilianische Fussball-Miniserie Brasil 70: A Saga do Tri und die US-Doku-Serie The American Experiment. Die Technik erzeugte vergrösserte Menschenmengen, historische Schlachtszenen und Establishing Shots – jene Einstellungen, die einer Szene ihren Ort geben.

Co-CEO Ted Sarandos wurde im Earnings-Call konkret: In «The American Experiment» stecken 17 Minuten KI-gestütztes Material. Die seien «doppelt so schnell und zum halben Preis der bisherigen Optionen» entstanden. Ohne die Werkzeuge, so Sarandos, wären viele dieser Einstellungen schlicht gestrichen worden – zu teuer, zu zeitaufwendig.

KI wird Kreativen bessere Werkzeuge geben, um ihre Visionen umzusetzen.

Nicht alle kaufen diese Rahmung. TechRadar überschrieb die Meldung mit «Ich war noch nie enttäuschter» – wer Serien reihenweise nach einer Staffel absetze und gleichzeitig KI-Szenen feiere, wirke, als habe er die Liebe zu den eigenen Stoffen verloren. Netflix hält dagegen: Die Ersparnis fliesse voraussichtlich in mehr Inhalte, nicht in ein kleineres Budget.

Der Kursrutsch kam von woanders

Wichtig für die Einordnung: Die Netflix-Aktie sackte am Freitag zeitweise um mehr als zehn Prozent ab – aber nicht wegen der KI-Offenlegung. Die Quartalszahlen waren solide: 12,56 Milliarden Dollar Umsatz (+13,4 Prozent), operative Marge 33,4 Prozent. Enttäuscht haben die Q3-Prognose, die leicht unter den Analystenerwartungen lag, und der Entscheid, Engagement-Daten ab 2027 nur noch jährlich zu melden.

Im selben Bericht steht auch der Preis für Netflix' KI-Zukauf: 587 Millionen Dollar zahlte der Konzern im März für InterPositive, das 16-köpfige KI-Startup von Ben Affleck. Bei einem Content-Budget von rund 20 Milliarden Dollar ist das Kleingeld – die 300 Titel sind es nicht.

Ab 2. August fragt Europa nach

Für dich als Zuschauer ist die spannendere Frage: Woran erkennst du das? Bisher an nichts. Ab dem 2. August 2026 greift Artikel 50 des EU AI Act: Wer KI-generierte oder -manipulierte Bilder veröffentlicht, muss das offenlegen. Für «offensichtlich künstlerische, kreative, satirische oder fiktionale» Werke ist die Pflicht allerdings abgeschwächt – es genügt ein Hinweis, der «die Darstellung oder den Genuss des Werks nicht beeinträchtigt». Ein Satz im Abspann könnte also reichen. Aber eben: ein Satz.

Die Schweiz ist nicht dabei. Eine Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte gibt es hier nicht – der Bundesrat will bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage vorlegen, die unter anderem Transparenz regeln soll. Bis dahin gilt: Was du auf Netflix siehst, hat vielleicht KI mitgebaut. Sagen muss es dir niemand.

Quellen

Netflix – Q2 2026 Shareholder Letter (PDF)↗ EXTERNER LINKIndieWire – Netflix Co-CEO: GenAI in 300 verschiedenen Titeln eingesetzt↗ EXTERNER LINKVariety – About 300 Netflix Titles Used Generative AI This Year↗ EXTERNER LINKFortune – Netflix: 17 Minuten Doku doppelt so schnell und zum halben Preis↗ EXTERNER LINKThe Decoder – Netflix's 300 AI productions↗ EXTERNER LINKTechRadar – Netflix has admitted to using AI on 300 movies and shows in 2026↗ EXTERNER LINKHollywood Reporter – Netflix Q2 2026 Earnings: Analystenreaktionen↗ EXTERNER LINKMotley Fool – Netflix beat estimates, but the stock dropped↗ EXTERNER LINKEU-Kommission – AI Act, Artikel 50 (Transparenzpflichten)↗ EXTERNER LINKVariety – Netflix zahlte 587 Millionen Dollar für InterPositive↗ EXTERNER LINKBAKOM – Künstliche Intelligenz (Schweizer Regulierungsstand)↗ EXTERNER LINK
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