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OpenAI wird Militärlieferant – und die eigenen Leute rebellieren

OpenAI hat einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Pentagon abgeschlossen und verhandelt nun auch mit der NATO. Intern gibt es heftigen Widerstand – CEO Altman nennt die Situation "really painful".

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
5. MÄRZ 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration eines militärischen Kommandoraums mit Weltkarte, Flaggen und Konferenztisch im kinewsletter.ch Sketch-Stil
INHALT
01Vom Safety-Vorreiter zum Rüstungspartner in 72 Stunden02200 Millionen Dollar und drei "rote Linien"03Jetzt auch die NATO im Visier04"You don't get to weigh in"05Was das für die Schweiz bedeutet06Der Paradigmenwechsel ist da
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01Vom Safety-Vorreiter zum Rüstungspartner in 72 Stunden02200 Millionen Dollar und drei "rote Linien"03Jetzt auch die NATO im Visier04"You don't get to weigh in"05Was das für die Schweiz bedeutet06Der Paradigmenwechsel ist da
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

OpenAIs Wandel vom Safety-Vorreiter zum Militärlieferanten markiert einen Paradigmenwechsel in der KI-Branche – mit weitreichenden Folgen für das Vertrauen in KI-Anbieter.

Noch vor einem Jahr stand "Safety First" auf OpenAIs Fahne. Jetzt liefert das Unternehmen KI ans Pentagon und verhandelt mit der NATO. Der Wandel ging schneller, als die meisten erwartet hätten – und intern brodelt es gewaltig.

Vom Safety-Vorreiter zum Rüstungspartner in 72 Stunden

Die Vorgeschichte liest sich wie ein Politthriller: Anthropic, OpenAIs grösster Konkurrent, verhandelte monatelang mit dem Pentagon über einen KI-Vertrag im Wert von bis zu 200 Millionen Dollar. Anthropic bestand darauf, dass seine Modelle nicht für Massenüberwachung oder autonome Waffen eingesetzt werden dürfen. Das Pentagon wollte freie Hand für alle legalen Einsatzzwecke. Die Verhandlungen scheiterten.

Was dann passierte, war beispiellos: Präsident Trump ordnete an, dass die gesamte US-Regierung Anthropic-Produkte nicht mehr nutzen darf. Das Pentagon stufte das Unternehmen als Sicherheitsrisiko in der Lieferkette ein. Und nur Stunden später – am selben Tag – verkündete OpenAI seinen eigenen Deal mit dem Verteidigungsministerium.

200 Millionen Dollar und drei "rote Linien"

Der Vertrag läuft über das Chief Digital and Artificial Intelligence Office (CDAO) des Pentagons und hat ein Volumen von bis zu 200 Millionen Dollar. OpenAI formulierte drei Einschränkungen: keine Massenüberwachung von US-Bürgern, keine autonomen Waffensysteme und keine automatisierten Hochrisiko-Entscheidungen wie ein Sozialkreditsystem.

Allerdings: Die vollständigen Vertragsdetails sind nicht öffentlich. Kritiker bemängeln, dass die veröffentlichten Ausschnitte bewusst vage formuliert seien und Schlupflöcher für Überwachung liessen. CEO Sam Altman räumte ein, der Deal sei "opportunistic and sloppy" gewesen – man habe eine schlechtere Entwicklung verhindern wollen, aber die Umsetzung sei zu hastig erfolgt. Nachträglich wurde der Vertrag um eine explizite Klausel ergänzt, die den Einsatz zur Überwachung von US-Personen ausschliesst.

Jetzt auch die NATO im Visier

Wenige Tage nach dem Pentagon-Deal wurde bekannt, dass OpenAI auch einen Vertrag mit der NATO prüft. Im internen All-Hands-Meeting sprach Altman zunächst davon, die Technologie auf "allen klassifizierten Netzwerken" der NATO bereitzustellen. Eine Sprecherin korrigierte: Es gehe nur um nicht-klassifizierte Systeme. Die NATO – ein Bündnis aus 32 Mitgliedsstaaten – hat sich bisher nicht öffentlich geäussert.

Der Kontext ist brisant: Investoren sprechen von einem "AI Gold Rush" im Verteidigungssektor, nachdem NATO-Mitglieder ihre Rüstungsbudgets massiv erhöht haben. Für OpenAI wäre ein NATO-Vertrag der nächste Schritt in Richtung militärischer Grosslieferant.

"You don't get to weigh in"

Die Stimmung bei OpenAI ist angespannt. An einem All-Hands-Meeting am Dienstag stellte sich Altman den Fragen seiner Mitarbeitenden. Seine zentrale Botschaft: Über konkrete Militäreinsätze entscheide das Pentagon, nicht OpenAI. Wörtlich sagte er laut CNBC: "So maybe you think the Iran strike was good and the Venezuela invasion was bad. You don't get to weigh in on that."

Altman sprach von "extremely difficult brand consequences" und nannte die Situation "really painful". Vor dem Hauptquartier in San Francisco forderten Aktivisten Mitarbeitende zum Kündigen auf. Die Stimmung im Meeting sei zwar respektvoll gewesen, aber die Belegschaft bohre bei den technischen Details des Vertrags nach, berichteten Teilnehmende.

Die Marktreaktion war deutlich: Anthropics Chat-App Claude stieg am Wochenende auf Platz 1 im Apple App Store – und verdrängte damit erstmals ChatGPT von der Spitze. Unter dem Hashtag #CancelChatGPT teilten Nutzer Anleitungen zur Migration auf Konkurrenzprodukte.

Was das für die Schweiz bedeutet

Die Schweiz ist kein NATO-Mitglied – aber die Entwicklung betrifft uns trotzdem. Wenn der weltweit meistgenutzte KI-Anbieter zum Militärlieferanten wird, stellt das grundlegende Fragen: Welchen KI-Anbietern vertrauen Schweizer Unternehmen und Behörden ihre Daten an? Wie positioniert sich die Schweiz in einer Welt, in der KI-Neutralität zunehmend unter Druck gerät?

Für dich als ChatGPT-Nutzer bedeutet das: Dein Anbieter priorisiert jetzt Regierungsverträge im Verteidigungsbereich. Ob das die Produktentwicklung, die Datenpolitik oder die Verfügbarkeit beeinflusst, wird sich zeigen.

Der Paradigmenwechsel ist da

Die Geschwindigkeit dieses Wandels ist bemerkenswert: Von "wir arbeiten nicht mit dem Militär" über "wir arbeiten defensiv mit dem Militär" bis zu einem 200-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Pentagon – in weniger als zwei Jahren. OpenAI steht damit exemplarisch für ein Dilemma der gesamten KI-Branche: Der wirtschaftliche Druck der Megafinanzierungen (OpenAI hat zuletzt 40 Milliarden Dollar eingesammelt) kollidiert mit den ethischen Grundsätzen, auf denen das Unternehmen einst gegründet wurde.

Die nächste Frage ist nicht ob, sondern wie schnell andere KI-Unternehmen nachziehen.

Quellen

CNBC – OpenAI Altman admits defense deal looked opportunistic↗ EXTERNER LINKReuters via The Star – OpenAI looking at NATO contract↗ EXTERNER LINKGizmodo – Altman tells staff about NATO contract↗ EXTERNER LINKFortune – Anthropic Claude tops App Store↗ EXTERNER LINK
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