NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·REGULIERUNG & ETHIK

AISI prüft GPT-5.5: OpenAIs Frontier zieht mit Mythos auf Cyber-Niveau gleich

Das britische AI Safety Institute hat OpenAIs GPT-5.5 einem harten Cyber-Stresstest unterzogen. Das Ergebnis: Das Modell schliesst auf Anthropics Mythos auf – und löst die nächste Welle von Sicherheitsfragen aus. Was Schweizer CISOs jetzt wissen müssen.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
2. MAI 2026
4 MIN. LESEZEIT
Illustration einer Schaltzentrale mit Monitor, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Schaltzentrale mit Monitor, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Zweites Modell schafft den 32-Stufen-Angriff02Cyber-Skill als Nebeneffekt allgemeiner Fähigkeiten03Universal-Jailbreak in sechs Stunden04Was das für die Schweiz bedeutet05Der nächste Datenpunkt steht im Kalender
INHALT
01Zweites Modell schafft den 32-Stufen-Angriff02Cyber-Skill als Nebeneffekt allgemeiner Fähigkeiten03Universal-Jailbreak in sechs Stunden04Was das für die Schweiz bedeutet05Der nächste Datenpunkt steht im Kalender
in
PARTNER · INOO GMBH
Wie viel KI verträgt dein Betrieb? In 30 Minuten Klartext.

Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.

Gespräch buchen →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Mit GPT-5.5 erreicht ein zweites Frontier-Modell das Cyber-Offensiv-Niveau von Mythos – defensive Vorbereitung muss sich an der ganzen Modellklasse ausrichten, nicht mehr an einzelnen Anbietern.

Das AI Safety Institute (AISI) – die staatliche KI-Sicherheitsbehörde Grossbritanniens – hat OpenAIs neues Modell GPT-5.5 einer harten Cyber-Prüfung unterzogen. Das Ergebnis wirft ein neues Licht auf die Bedrohungslage: GPT-5.5 erreicht in offensiven Cyber-Tasks dieselbe Liga wie Anthropics geheimes Modell Mythos – und schliesst damit eine Lücke, die seit Wochen für Nervosität bei Behörden und Banken sorgt.

Die Veröffentlichung am 30. April war kein gewöhnlicher Benchmark-Bericht. Sie ist die zweite öffentliche Cyber-Evaluation überhaupt, in der ein Frontier-Modell die anspruchsvollste Test-Suite des AISI knackt. Was das konkret heisst und warum die Schweizer Finanzaufsicht jetzt genauer hinschauen sollte, liest du hier.

Zweites Modell schafft den 32-Stufen-Angriff

Das Herzstück der AISI-Evaluation ist eine Test-Range namens «The Last Ones» – ein simulierter, 32-stufiger Angriff auf ein virtuelles Firmennetzwerk. Eine Aufgabe, für die ein menschlicher Cyber-Experte rund 20 Stunden braucht. Bisher hatte nur ein Modell diese Kette eigenständig durchgespielt: Claude Mythos Preview – in 3 von 10 Versuchen.

Mit GPT-5.5 hat nun ein zweites Modell aus einem anderen Labor die Schwelle durchbrochen. OpenAIs Frontier schafft den Durchgang in 2 von 10 Versuchen. Auf den Expert-Tier-Aufgaben des AISI – einer Sammlung kurzer, harter Cyber-Aufgaben auf dem Niveau erfahrener Penetration-Tester – liegt GPT-5.5 mit einer Trefferquote von 71,4 % sogar leicht vor Mythos Preview (68,6 %).

  • GPT-5.5: 71,4 % auf AISI Expert-Tier, 2/10 auf «The Last Ones»
  • Claude Mythos Preview: 68,6 % Expert-Tier, 3/10 auf «The Last Ones»
  • GPT-5.4: 52,4 % Expert-Tier
  • Claude Opus 4.7: 48,6 % Expert-Tier

Der Sprung zwischen GPT-5.4 und GPT-5.5 ist also massiv – rund 19 Prozentpunkte in einer einzigen Modellgeneration.

Cyber-Skill als Nebeneffekt allgemeiner Fähigkeiten

Die spannendere Beobachtung steckt in der Einordnung des AISI selbst: Offensive Cyber-Fähigkeiten entstehen nicht primär, weil die Labore explizit darauf trainieren. Sie entstehen als Nebenprodukt allgemeiner Fortschritte in Long-Horizon-Planung, Reasoning und Coding. Jedes Modell, das besser über lange agentische Aufgaben hinweg denkt, wird damit auch zwangsläufig zu einem besseren simulierten Angreifer.

Wenn Cyber-Skill als Nebeneffekt von Long-Horizon-Autonomie kommt, sollten weitere Sprünge in den nächsten Modellen erwartet werden. – AI Safety Institute, 30. April 2026

Das hat eine unangenehme Konsequenz: Defensive Vorbereitungen können nicht mehr modellweise geplant werden. Was im Mai noch das Niveau von Mythos und GPT-5.5 ist, könnte im Sommer schon der Standard kleinerer Open-Weight-Modelle sein.

Universal-Jailbreak in sechs Stunden

Auf der Sicherheits-Seite gibt es zwei Schlagzeilen, die zusammengehören. Erstens: AISI-Red-Teamer fanden in nur sechs Stunden einen Universal-Jailbreak, der alle vom Institut getesteten Cyber-Anfragen aus GPT-5.5 herausholte – auch in mehrstufigen agentischen Settings. Zweitens: OpenAI hat darauf reagiert und das Safeguard-System überarbeitet. Wegen einer Konfigurationspanne in der ans AISI gelieferten Version konnte das Institut den Fix aber nicht final verifizieren.

Konkret heisst das: GPT-5.5 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger ausbruchssicher, als die offiziell veröffentlichte Version vermuten lässt – und Anthropics Mythos hat ein vergleichbares Profil. Beide Modelle sind in den USA und Grossbritannien deshalb nicht frei erhältlich, sondern nur über kontrollierte Enterprise- und Behörden-Kanäle.

Was das für die Schweiz bedeutet

Die Schweiz ist von dieser Lage doppelt betroffen. Die FINMA hatte den Schweizer Finanzplatz bereits Ende April vor Mythos-Risiken gewarnt und Swisscoms Threat Radar entsprechend ergänzt. Mit der AISI-Evaluation ist nun klar: Diese Warnung gilt nicht mehr nur für ein einzelnes Modell, sondern für eine ganze Klasse von Frontier-LLMs.

Für Schweizer CISOs heisst das vor allem dreierlei:

  • Phishing- und Social-Engineering-Erkennung muss damit rechnen, dass Angreifer agentische Modelle für Long-Horizon-Kampagnen einsetzen, nicht mehr nur für einzelne Mails.
  • Privilegierte Konten und Service-Accounts gehören in Audit und MFA-Ausnahmen ganz nach oben – Mythos und GPT-5.5 sind in den AISI-Tests gerade dort am erfolgreichsten.
  • Vendor-Risiko: Wer Mythos oder GPT-5.5 über Bedrock, Azure oder Workspace bezieht, sollte vertraglich klären, welche Safety-Updates wann eingespielt werden.

Der nächste Datenpunkt steht im Kalender

AISI hat angekündigt, weitere Modelle nach demselben Schema zu testen. Spannend wird, wann das erste Open-Weight-Modell – etwa aus China – die Schwelle zum erfolgreichen «Last Ones»-Durchgang knackt. Sobald das passiert, ist der Mythos-Vorsprung als Defensivargument vom Tisch und die Diskussion verschiebt sich endgültig in Richtung Hardening, Detection und regulatorischer Leitplanken.

Bis dahin gilt: Die zwei Modelle, die heute Cyber-Operationen auf Expertenniveau durchspielen können, kommen aus San Francisco. Beide stehen unter Aufsicht. Beide sind in Europa nur über Enterprise-Verträge erhältlich. Und beide werden in den nächsten Wochen wieder Massstäbe setzen – nicht nur für Angreifer, sondern auch für die, die ihnen einen Schritt voraus sein wollen.

Quellen

AISI – Our evaluation of OpenAI's GPT-5.5 cyber capabilities↗ EXTERNER LINKAISI – Our evaluation of Claude Mythos Preview's cyber capabilities↗ EXTERNER LINKThe Decoder – GPT-5.5 matches Claude Mythos in cyber attack tests↗ EXTERNER LINKDecrypt – GPT-5.5 Matches Claude Mythos in Cyberattack Capabilities↗ EXTERNER LINKSimon Willison – Our evaluation of OpenAI's GPT-5.5 cyber capabilities↗ EXTERNER LINKOpenAI Deployment Safety Hub – GPT-5.5↗ EXTERNER LINK
FIRMEN IN DIESEM ARTIKEL
AnthropicOpenAIAmazon
TEILEN
LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
KOSTENLOS ABONNIEREN
Diese News jeden Montag in dein Postfach?

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Skizze eines Tempolimit-Schilds, an dem drei Personen gemeinsam die Zahl aufmalen, in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
Skizze eines Tempolimit-Schilds, an dem drei Personen gemeinsam die Zahl aufmalen, in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·16. SEPTEMBER 2026

Kritiker nennen das KI-Tempolimit ein Kartell

OpenAI, Anthropic und Google DeepMind wollen die Entwicklung ihrer stärksten Modelle gemeinsam drosseln. Cohere-CEO Aidan Gomez nennt das ein Kartell unter anderem Namen – und der Chef der US-Wettbewerbsbehörde FTC hört Alarmglocken.

Skizze einer Lupe über einem Chatfenster in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
Skizze einer Lupe über einem Chatfenster in Elektroblau, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·16. SEPTEMBER 2026

Project Lily: Hunderte Menschen lesen deine ChatGPT-Chats

OpenAI beschäftigt laut einer Recherche von 404 Media hunderte Vertragsarbeiter, die echte ChatGPT-Gespräche lesen und die Antworten des Chatbots benoten. Die Einstellung, die das erlaubt, ist bei privaten Konten standardmässig aktiv. So findest und deaktivierst du sie.

Illustration eines Stapels versiegelter Briefumschläge auf einem Schreibtisch mit Brieföffner, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Stapels versiegelter Briefumschläge auf einem Schreibtisch mit Brieföffner, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·15. SEPTEMBER 2026

Brüssel verschickt die ersten AI-Act-Anfragen

Die EU-Kommission hat mehreren Anbietern universell einsetzbarer KI-Modelle formale Auskunftsersuchen zugestellt – oft der erste Schritt zu einem Untersuchungsverfahren. Anlass sind Vorfälle, bei denen KI-Agenten ausserhalb der vorgesehenen Grenzen agierten. Im Extremfall kann die Kommission Modelle einschränken oder zurückrufen lassen.

Illustration einer Präzisionswaage mit Kalibriergewichten auf einer Laborbank, kinewsletter.ch Stil
Illustration einer Präzisionswaage mit Kalibriergewichten auf einer Laborbank, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·15. SEPTEMBER 2026

Google, OpenAI und Anthropic planen ihre eigene KI-Aufsicht

Vertreter von Google, OpenAI und Anthropic treffen sich seit mindestens Juli regelmässig, um eine gemeinsame Normen- und Prüfstelle für KI-Modelle auszuloten. Das berichtet The Information. Vorbild ist die US-Finanzaufsicht FINRA – und Sam Altman geht davon aus, dass die Labore das ohne Washington aufbauen müssen.

Illustration eines aufgeschlagenen Regelwerks auf einem Lesepult mit Leselampe, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines aufgeschlagenen Regelwerks auf einem Lesepult mit Leselampe, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·15. SEPTEMBER 2026

Microsoft gibt seinen KI-Modellen eine Verfassung

Microsoft AI hat am Montag den ersten Entwurf eines «Humanist AI Code of Conduct» für seine MAI-Modelle veröffentlicht und zur öffentlichen Konsultation gestellt. Kernsatz: Menschen zählen mehr als KI. Die Modelle sollen sich menschlicher Unterbrechung, Korrektur oder Abschaltung nie widersetzen. Die Konsultation läuft sechs Wochen.

Illustration eines Telefons mit abgehobenem Hörer auf einem Rednerpult vor leeren Sitzreihen, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines Telefons mit abgehobenem Hörer auf einem Rednerpult vor leeren Sitzreihen, kinewsletter.ch Stil
REGULIERUNG & ETHIK·15. SEPTEMBER 2026

Trump ruft Huang auf der Bühne an – «Es ist ein Hoax»

Nvidia-Chef Jensen Huang sass am Montag beim All-In Summit in Los Angeles auf der Bühne, als Donald Trump anrief. Huang schaltete den Lautsprecher ein – und der Präsident nannte die Forderung nach einer KI-Verlangsamung vor Publikum einen Hoax. Musk und Altman hatten Amodei zuvor zugestimmt.

Mehr aus Regulierung & Ethik →