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NSA bekommt Claude trotz «Supply-Chain-Risiko» – Susie Wiles macht es persönlich

Anthropic liefert den US-Geheimdiensten Mythos – trotz offizieller Risiko-Einstufung. Chief of Staff Susie Wiles winkt den Deal persönlich durch.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
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26. MAI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Skizze Capitol Hill mit Vertrag, Handschlag und Tech-Laptop, kleiner Chip neben dem Dokument
Skizze Capitol Hill mit Vertrag, Handschlag und Tech-Laptop, kleiner Chip neben dem Dokument (Dark)
INHALT
01Die Vorgeschichte: «any lawful use»02Die Wende: Chip-Mangel zwingt zum Umdenken03Was im Vertrag steht – und was nicht04Was das politisch bedeutet05Für dich konkret
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01Die Vorgeschichte: «any lawful use»02Die Wende: Chip-Mangel zwingt zum Umdenken03Was im Vertrag steht – und was nicht04Was das politisch bedeutet05Für dich konkret
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Chip-Mangel zwingt das Weisse Haus zum Umdenken: Strikte Use-Case-Klauseln sind plötzlich kein Marktnachteil mehr, sondern werden zum neuen Standard.

Anthropic darf den US-Geheimdiensten Künstliche Intelligenz liefern – und zwar ausgerechnet das Mythos-Modell, das der Pentagon erst vor wenigen Monaten formell als «Supply-Chain-Risiko» eingestuft hatte. Genehmigt wurde der Vertrag persönlich von der Chief of Staff im Weissen Haus, Susie Wiles. Der Grund: Den Geheimdiensten fehlen schlicht die passenden Chips.

Die Vorgeschichte: «any lawful use»

Im März hatte das Pentagon Anthropic offiziell auf seine Risiko-Liste gesetzt – ein bürokratisches Manöver, das normalerweise den Marktzugang zur US-Regierung blockiert. Der Auslöser war eine Klausel, an der sich die Verhandlungen aufgehängt hatten: Das Pentagon wollte das Recht, Anthropics Modelle für «any lawful use» zu nutzen – also für alles, was rechtlich zulässig ist. Anthropic lehnte ab, weil das implizit Massenüberwachung und autonome Waffensysteme einschliessen würde. CEO Dario Amodei kündigte daraufhin eine juristische Anfechtung an. Parallel dazu schloss das Pentagon Verträge mit sieben anderen KI-Konzernen – Anthropic explizit ausgeschlossen.

Die Wende: Chip-Mangel zwingt zum Umdenken

Jetzt berichtet die New York Times, dass sich die NSA in einer Zwickmühle befindet. Die aktuellen Frontier-Modelle von OpenAI und anderen Anbietern brauchen Nvidias neueste Grace-Blackwell-Chips – und davon haben die Geheimdienste nicht genug. Anthropics neues Modell Mythos läuft hingegen auch auf älterer Hardware. Damit sei es laut Bericht kurzfristig die einzige Option, um klassifizierte Netzwerke der NSA mit moderner KI auszustatten.

Susie Wiles, Chief of Staff im Weissen Haus, soll den Deal persönlich durchgewinkt haben. Anthropic stand als «Supply-Chain-Risiko» offiziell auf einer schwarzen Liste – Wiles' Genehmigung hebt diese Sperre für den NSA-Vertrag im Einzelfall auf.

Was im Vertrag steht – und was nicht

Der jetzt finalisierte Vertrag enthält eine klare Klausel: Das Modell darf keine Daten von US-Bürgerinnen und -Bürgern verarbeiten. Damit zieht das Weisse Haus zumindest formal eine Grenze rund um die heiklen Inland-Spionage-Befugnisse der Geheimdienste.

Die umstrittene «any lawful use»-Formulierung, an der die früheren Verhandlungen gescheitert waren, ist laut Bericht nicht Teil des Deals. Das Weisse Haus will den NSA-Vertrag stattdessen als Vorlage für künftige Abkommen mit anderen KI-Firmen nutzen – eine eingeschränktere Klausel als Standard für die Branche.

Parallel hat das Weisse Haus 9 Milliarden US-Dollar für neue KI-Chips bewilligt, um den Engpass langfristig aufzulösen. Den Segen vom Kongress braucht es allerdings noch.

Was das politisch bedeutet

Die Situation ist bemerkenswert in mehrfacher Hinsicht. Zum einen zeigt sie, wie stark der Chip-Mangel inzwischen Regierungsentscheide diktiert – ein als sicherheitsrelevant eingestufter Anbieter wird trotzdem zugelassen, weil die Alternative «keine KI» heisst. Zum anderen revidiert die Trump-Administration faktisch ihre eigene Vorbedingung: Wer den «any lawful use»-Standard für Pentagon-Verträge verlangt hat, akzeptiert ihn jetzt für die NSA nicht mehr.

Für Anthropic ist es ein gemischter Erfolg. Die Firma hält an ihren Nutzungsbeschränkungen fest – und kommt trotzdem ins Geschäft. Für OpenAI, Google und die anderen sieben Anbieter aus dem ursprünglichen Pentagon-Paket wird der Wettbewerb dafür enger: Sie haben den Markteintritt schon hinter sich, aber Anthropic setzt jetzt einen neuen Vertrags-Standard.

Für dich konkret

Du wirst kaum direkt mit der NSA zu tun haben – aber die Lehre aus dem Deal ist relevant für jede Diskussion über KI-Beschaffung in Behörden, auch in der Schweiz. Wenn schon US-Geheimdienste auf einen Anbieter mit klar formulierten Nutzungs-Grenzen einsteigen müssen, zeigt das: Strikte Use-Case-Klauseln sind kein Marktnachteil mehr. Bei Vergaben in Bund, Kantonen oder regulierten Branchen wie FINMA-Aufsichtspflichtigen ist das ein Argument, vergleichbare Klauseln auch hier durchzusetzen – statt sich auf generische «Trust us»-Garantien zu verlassen.

🔗 Quellen: The Decoder, New York Times, The Decoder – Pentagon vs Anthropic Background, The Decoder – «all lawful use» Background

Quellen

The Decoder - NSA Claude Mythos↗ EXTERNER LINKNew York Times - Spy Agencies AI Chips↗ EXTERNER LINKThe Decoder - Supply Chain Risk Background↗ EXTERNER LINKThe Decoder - 'all lawful use' Background↗ EXTERNER LINK
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