Block, das Unternehmen hinter Square und Cash App, entlässt 40% seiner Belegschaft. CEO Jack Dorsey begründet den Kahlschlag offen mit KI – die Börse feiert, Mitarbeitende und Experten zweifeln.

Blocks Massenentlassung ist die bisher lauteste Ansage, dass KI Jobs ersetzt – aber ob das stimmt oder «AI-Washing» ist, bleibt umstritten.
Jack Dorsey hat am Donnerstag eine Bombe geworfen: Block, das Unternehmen hinter Square, Cash App und Afterpay, streicht rund 4'000 von 10'000 Stellen. Sein Grund: KI. Sein Versprechen: Weniger Leute, aber produktiver. Die Börse nahm ihm das sofort ab – Blocks Aktie schoss um 24% nach oben.
Dorsey formulierte es in seinem Aktienärsbrief unverblümt: Kleinere Teams mit KI-Werkzeugen können mehr leisten als grössere ohne. Er prognostizierte, dass die Mehrheit der Unternehmen innerhalb eines Jahres denselben Schluss ziehen und ähnlich drastische Umstrukturierungen vornehmen werde.
Bemerkenswert: Block geht es finanziell gut. Der Bruttogewinn stieg im letzten Quartal um 24%, die Gewinne pro Aktie übertrafen die Erwartungen. Für 2026 rechnet Block mit einem operativen Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar bei einer Marge von 26%. Die Entlassungen kommen also nicht aus der Not – sondern aus der Überzeugung, dass es mit KI schneller geht.
Die Betroffenen erhalten ein vergleichsweise grosszügiges Paket: 20 Wochen Grundgehalt plus eine Woche pro Dienstjahr, Aktienansprüche bis Ende Mai, sechs Monate Krankenversicherung und 5'000 Dollar Überbrückungsgeld. Betroffen sind alle Bereiche – Cash App, Square, Infrastruktur, Marketing, Commerce.
Für die Verbleibenden gilt: Generative KI ist ab sofort tägliche Pflicht. KI-Kompetenz fliesst in die Leistungsbewertung ein. Die Ironie: Mitarbeitende sollen das Werkzeug beherrschen, das gerade die Hälfte ihrer Kolleginnen und Kollegen ersetzt hat.
Die Reaktionen fallen gespalten aus. Investoren feiern: +24% Aktienkurs, höhere Margen, schlankere Struktur. Aber nicht alle kaufen Dorseys KI-Erzählung.
Whartons Ethan Mollick stellte die entscheidende Frage: Effektive KI-Werkzeuge existieren erst seit kurzem. Wie kann ein Unternehmen bereits einen firmenweit 50-prozentigen Effizienzgewinn belegen, der solche Schnitte rechtfertigt?
Bloomberg sprach von «AI-Washing» – dem Verdacht, dass der KI-Hype als Deckmantel für Korrekturen nach der Pandemie-Übereinstellung dient. Eine Studie von Oxford Economics vom Januar 2026 stützt diese These: Viele angeblich KI-bedingte Entlassungen korrigieren in Wahrheit die Wachstumsphase von 2020–2022.
Das Timing ist brühwarm: Nur Tage vor Blocks Ankündigung ging das Citrini-Paper «The 2028 Global Intelligence Crisis» viral. Das fiktive Memo aus der Zukunft beschreibt eine Abwärtsspirale: Unternehmen entlassen Mitarbeitende, reinvestieren die Einsparungen in KI-Infrastruktur, was weitere Entlassungen auslöst – bis die Konsumnachfrage einbricht.
Block liefert jetzt genau das Szenario, das Citrini beschrieben hat: Kurzfristig steigt die Aktie, weil die Margen wachsen. Langfristig stellt sich die Frage: Wer kauft noch Square-Produkte, wenn die Konsumenten ihre Jobs verlieren?
Was Block von früheren KI-Entlassungswellen unterscheidet: Dorsey hat die KI-Begründung nicht irgendwo beiläufig erwähnt – er hat sie zum Kern seiner Botschaft gemacht. Amazon, Microsoft und Meta haben 2025 zusammen zehntausende Stellen gestrichen und KI als einen von mehreren Faktoren genannt. Dorsey sagt: KI ist der Faktor.
Ob er recht behält oder ob Block in einem Jahr feststellt, dass 6'000 Leute doch nicht ausreichen – das wird die eigentlich spannende Geschichte. Für alle, die in der Fintech- oder Tech-Branche arbeiten, ist Blocks Entscheid jedenfalls ein Signal, das man ernst nehmen sollte. Nicht, weil Dorsey zwingend recht hat. Sondern weil andere CEOs jetzt einen Präzedenzfall sehen.
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