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KI-Business

Block streicht 4'000 Stellen – Jack Dorsey macht KI zum Sündenbock

Block, das Unternehmen hinter Square und Cash App, entlässt 40% seiner Belegschaft. CEO Jack Dorsey begründet den Kahlschlag offen mit KI – die Börse feiert, Mitarbeitende und Experten zweifeln.

Dienstag, 3. März 2026~3 Min. Lesezeit
Pascal Eugster
Pascal EugsterGründer & Entwickler
Illustration eines leeren Grossraumbueros mit verlassenen Schreibtischen und Kartons, kinewsletter.ch Stil
Illustration eines leeren Grossraumbueros mit verlassenen Schreibtischen und Kartons, kinewsletter.ch Stil
Das Wichtigste

Blocks Massenentlassung ist die bisher lauteste Ansage, dass KI Jobs ersetzt – aber ob das stimmt oder «AI-Washing» ist, bleibt umstritten.

Jack Dorsey hat am Donnerstag eine Bombe geworfen: Block, das Unternehmen hinter Square, Cash App und Afterpay, streicht rund 4'000 von 10'000 Stellen. Sein Grund: KI. Sein Versprechen: Weniger Leute, aber produktiver. Die Börse nahm ihm das sofort ab – Blocks Aktie schoss um 24% nach oben.

«Intelligence Tools haben verändert, was es heisst, ein Unternehmen zu führen»

Dorsey formulierte es in seinem Aktienärsbrief unverblümt: Kleinere Teams mit KI-Werkzeugen können mehr leisten als grössere ohne. Er prognostizierte, dass die Mehrheit der Unternehmen innerhalb eines Jahres denselben Schluss ziehen und ähnlich drastische Umstrukturierungen vornehmen werde.

Bemerkenswert: Block geht es finanziell gut. Der Bruttogewinn stieg im letzten Quartal um 24%, die Gewinne pro Aktie übertrafen die Erwartungen. Für 2026 rechnet Block mit einem operativen Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar bei einer Marge von 26%. Die Entlassungen kommen also nicht aus der Not – sondern aus der Überzeugung, dass es mit KI schneller geht.

20 Wochen Abfindung, lebenslanger Zweifel

Die Betroffenen erhalten ein vergleichsweise grosszügiges Paket: 20 Wochen Grundgehalt plus eine Woche pro Dienstjahr, Aktienansprüche bis Ende Mai, sechs Monate Krankenversicherung und 5'000 Dollar Überbrückungsgeld. Betroffen sind alle Bereiche – Cash App, Square, Infrastruktur, Marketing, Commerce.

Für die Verbleibenden gilt: Generative KI ist ab sofort tägliche Pflicht. KI-Kompetenz fliesst in die Leistungsbewertung ein. Die Ironie: Mitarbeitende sollen das Werkzeug beherrschen, das gerade die Hälfte ihrer Kolleginnen und Kollegen ersetzt hat.

Börsen-Euphorie trifft auf AI-Washing-Vorwurf

Die Reaktionen fallen gespalten aus. Investoren feiern: +24% Aktienkurs, höhere Margen, schlankere Struktur. Aber nicht alle kaufen Dorseys KI-Erzählung.

Whartons Ethan Mollick stellte die entscheidende Frage: Effektive KI-Werkzeuge existieren erst seit kurzem. Wie kann ein Unternehmen bereits einen firmenweit 50-prozentigen Effizienzgewinn belegen, der solche Schnitte rechtfertigt?

Bloomberg sprach von «AI-Washing» – dem Verdacht, dass der KI-Hype als Deckmantel für Korrekturen nach der Pandemie-Übereinstellung dient. Eine Studie von Oxford Economics vom Januar 2026 stützt diese These: Viele angeblich KI-bedingte Entlassungen korrigieren in Wahrheit die Wachstumsphase von 2020–2022.

Citrini-Paper als düstere Vorlage

Das Timing ist brühwarm: Nur Tage vor Blocks Ankündigung ging das Citrini-Paper «The 2028 Global Intelligence Crisis» viral. Das fiktive Memo aus der Zukunft beschreibt eine Abwärtsspirale: Unternehmen entlassen Mitarbeitende, reinvestieren die Einsparungen in KI-Infrastruktur, was weitere Entlassungen auslöst – bis die Konsumnachfrage einbricht.

Block liefert jetzt genau das Szenario, das Citrini beschrieben hat: Kurzfristig steigt die Aktie, weil die Margen wachsen. Langfristig stellt sich die Frage: Wer kauft noch Square-Produkte, wenn die Konsumenten ihre Jobs verlieren?

Vorbote oder Einzelfall?

Was Block von früheren KI-Entlassungswellen unterscheidet: Dorsey hat die KI-Begründung nicht irgendwo beiläufig erwähnt – er hat sie zum Kern seiner Botschaft gemacht. Amazon, Microsoft und Meta haben 2025 zusammen zehntausende Stellen gestrichen und KI als einen von mehreren Faktoren genannt. Dorsey sagt: KI ist der Faktor.

Ob er recht behält oder ob Block in einem Jahr feststellt, dass 6'000 Leute doch nicht ausreichen – das wird die eigentlich spannende Geschichte. Für alle, die in der Fintech- oder Tech-Branche arbeiten, ist Blocks Entscheid jedenfalls ein Signal, das man ernst nehmen sollte. Nicht, weil Dorsey zwingend recht hat. Sondern weil andere CEOs jetzt einen Präzedenzfall sehen.

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