Peking dehnt Reisesperren auf private KI-Schwergewichte aus: Gründer, Forschende und Top-Manager bei Alibaba und DeepSeek brauchen vor jeder Auslandsreise eine Regierungs-Genehmigung.
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Chinas Top-Talente werden zur staatlichen Ressource erklärt – ein indirekter Vorteil für offene Forschungsstandorte wie ETH und EPFL.
Peking zieht die Schrauben bei der eigenen KI-Elite an. Wie Bloomberg am Dienstag berichtet, müssen Top-Talente bei privaten KI-Schwergewichten wie Alibaba und DeepSeek künftig vor jeder Auslandsreise eine Genehmigung der Regierung einholen. Die Massnahme zielt auf Gründer, Forschende und Führungskräfte, die an fortgeschrittenen KI-Systemen arbeiten.
Die Regelung ist neu, aber das Drehbuch ist alt. Reise-Beschränkungen dieser Art waren in China bisher Atomphysikern, Cyber-Sicherheits-Experten und Top-Managern von Staatsbetrieben vorbehalten. Dass jetzt auch zivile KI-Forscher in Privatunternehmen in diese Kategorie fallen, ist ein deutliches Signal: Peking sieht fortgeschrittene KI als nationales Sicherheitsgut.
Bereits Ende 2025 hatte Bloomberg gemeldet, dass einzelne DeepSeek-Manager Auslandsreisen mit der Regierung absprechen mussten. Auch zwei Mitgründer des KI-Startups Manus sollen daran gehindert worden sein, das Land zu verlassen. Die neue Direktive macht aus Einzelfällen eine flächendeckende Policy.
Für Peking geht es nicht nur um Spionage-Abwehr. KI-Spitzenkräfte sind das knappste Gut im globalen Rennen mit den USA – wer abwandert oder zu lange mit ausländischen Labors flirtet, kann den Vorsprung der Konkurrenz kostbar werden lassen.
Weder Alibaba noch DeepSeek haben den Bericht offiziell kommentiert. Auch die Börse reagierte am Dienstag nicht spürbar – ein Hinweis darauf, dass Investoren die Massnahme als Bestätigung eines bereits bekannten Trends lesen, nicht als Schock.
Direkt betrifft die Massnahme natürlich keine Schweizer Forscher. Indirekt schon: Wer in Zürich, Lausanne oder am CSEM mit chinesischen Co-Autoren publiziert oder an Joint-Workshops teilnimmt, muss damit rechnen, dass die Gegenseite kurzfristig nicht reisen kann. Wer Schweizer Talente halten will, kann das Argument umdrehen: Schweiz als offene Forschungs-Insel – mit ETH und EPFL als Marken, die Talente aus aller Welt aktiv suchen. Genau dieses Narrativ pushen aktuell auch die Schweizer KI-Verbände in ihrer Souveränitäts-Debatte.