Chinas Lieferdienst-Riese Meituan hat sein Sprachmodell LongCat-2.0 mit 1,6 Billionen Parametern als Open Source veröffentlicht – trainiert komplett auf heimischen Chips, ganz ohne Nvidia. Das setzt die US-Exportkontrollen unter Druck.
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Erstmals entsteht ein Billionen-Modell Ende zu Ende auf chinesischen Chips – das wichtigste Druckmittel der US-Exportkontrollen verliert an Wirkung.
Chinas Lieferdienst-Riese Meituan hat am 30. Juni sein neues KI-Modell LongCat-2.0 als Open Source veröffentlicht. Das Besondere ist nicht allein die schiere Grösse von 1,6 Billionen Parametern, sondern womit es gebaut wurde: Nach eigenen Angaben lief das komplette Training auf chinesischer Hardware – ganz ohne Chips von Nvidia oder anderen westlichen Herstellern.
LongCat-2.0 ist ein grosses Sprachmodell mit Fokus auf Programmieraufgaben und einem Kontextfenster von einer Million Token – das Modell kann also sehr lange Texte oder ganze Codebasen am Stück verarbeiten. Trainiert wurde es laut Meituan auf einem Cluster aus rund 50'000 heimischen Rechenkarten. Die Gewichte sind frei verfügbar: Jeder kann LongCat-2.0 herunterladen, selbst betreiben und anpassen.
Welcher Chip genau dahintersteckt, sagt Meituan nicht explizit. In der Branche wird die Hardware breit mit Huaweis Atlas-950-SuperPods in Verbindung gebracht – Huaweis Antwort auf die KI-Beschleuniger von Nvidia.
Chinesische Modelle auf chinesischen Chips gab es schon. Neu ist das Wort «komplett». Bisherige Spitzenmodelle wie DeepSeek-V4-pro nutzten heimische Chips nur für die Inferenz – also den laufenden Betrieb, wenn das fertige Modell Antworten ausspuckt. Das weitaus rechenintensivere Training lief weiter auf westlicher Hardware.
LongCat-2.0 ist nach Meituans Darstellung das erste Modell dieser Grösse, das beide Schritte – Training und Inferenz – vollständig auf inländischen Chips absolviert. Genau darin liegt die politische Sprengkraft.
Dass ausgerechnet Meituan – hierzulande am ehesten als Essenslieferdienst bekannt – ein Spitzenmodell veröffentlicht, zeigt, wie breit sich die KI-Entwicklung in China aufgestellt hat. Nicht nur reine Labore wie DeepSeek oder Zhipu treiben die Modelle voran, sondern auch Tech-Konzerne aus dem Alltagsgeschäft, die auf riesigen Rechen- und Datenmengen sitzen.
Die USA versuchen seit Jahren, China mit Exportkontrollen den Zugang zu den schnellsten KI-Chips zu erschweren. Die Rechnung dahinter: Ohne westliche Hochleistungshardware bleibt China beim Modelltraining zurück.
LongCat-2.0 ist der bisher deutlichste Hinweis, dass diese Rechnung nicht mehr sauber aufgeht. Wenn ein Billionen-Modell tatsächlich Ende zu Ende auf heimischen Chips entsteht, verliert das wichtigste Druckmittel der Exportkontrollen an Wirkung. Für dich als Anwenderin oder Beobachter heisst das: Die Zahl leistungsfähiger, offen verfügbarer Modelle wächst weiter – und ein wachsender Teil davon kommt aus China, unabhängig vom Chip-Embargo.