Anthropic hat am 9. Juni Claude Fable 5 veröffentlicht – das fähigste Modell, das je für alle zugänglich war. Bei heiklen Themen wie Cybersecurity übergibt es heimlich an das schwächere Opus 4.8. Parallel kommt Mythos 5 für Cyber-Verteidiger.
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Fable 5 ist Spitzenklasse auf fast allen Benchmarks – aber Anthropic baut zum ersten Mal eine Sicherheits-Notbremse direkt ins Modell ein.
Anthropic hat nachgelegt. Am 9. Juni hat das KI-Labor Claude Fable 5 veröffentlicht – nach eigener Aussage das fähigste Modell, das die Firma je für alle zugänglich gemacht hat. Und zum ersten Mal kommt ein Spitzenmodell mit einer eingebauten Notbremse.
Fable 5 gehört zur neuen Mythos-Klasse – einer Stufe, die Anthropic über seinen bisherigen Topmodellen (der Opus-Reihe) ansiedelt. Den ersten Mythos-Vertreter gab es im April nur für eine Handvoll Cyber-Sicherheitsfirmen. Fable 5 ist nun dasselbe Kaliber, aber für die breite Masse freigegeben. Das Modell sei «State of the Art auf nahezu allen getesteten Benchmarks», schreibt Anthropic – besonders stark in Softwareentwicklung, Wissensarbeit, Bildverständnis und Forschung. Die Faustregel: Je länger und komplexer die Aufgabe, desto grösser der Vorsprung.
Konkrete Beispiele liefert Anthropic gleich mit. Beim Zahlungsdienstleister Stripe habe Fable 5 in einer 50-Millionen-Zeilen-Codebasis eine Umstellung an einem Tag erledigt, für die ein Team von Hand über zwei Monate gebraucht hätte. Und in der Bildverarbeitung spielte das Modell das Spiel Pokémon FireRed allein anhand von Screenshots durch – frühere Claude-Versionen brauchten dafür aufwendige Hilfskonstruktionen.
Der eigentlich spannende Teil ist die Sicherheitsarchitektur. Ein so fähiges Modell kann gefährlich werden – etwa, wenn jemand damit Cyberangriffe oder Biowaffen entwickeln will. Anthropics Lösung: Fragt man Fable 5 zu heiklen Themen wie Cybersecurity, Biologie oder Chemie, antwortet nicht Fable selbst, sondern im Hintergrund das schwächere Claude Opus 4.8. Separate Klassifizierer – eigene KI-Systeme, die Missbrauch erkennen – entscheiden, wann diese Übergabe greift, und der Nutzer wird darüber informiert.
Laut Anthropic passiert das in weniger als 5 Prozent der Sitzungen; in allen anderen Fällen bekommt man die volle Fable-Leistung. Die Wächter sind bewusst streng eingestellt und erwischen manchmal auch harmlose Anfragen. Ein externes Bug-Bounty über mehr als 1'000 Stunden fand keinen universellen Weg, die Sperren auszuhebeln.
Für eine kleine Gruppe von Cyber-Verteidigern und Infrastruktur-Betreibern gibt es parallel Claude Mythos 5 – dasselbe Modell, aber mit gelockerten Sperren im Cyber-Bereich. Es läuft zunächst über das Programm «Project Glasswing» in Zusammenarbeit mit der US-Regierung und hat laut Anthropic die stärksten Cybersecurity-Fähigkeiten aller Modelle weltweit. Beim Wirkstoff-Design beschleunigte Mythos 5 interne Abläufe um rund das Zehnfache und lieferte eigenständig neue, plausible Hypothesen aus der Molekularbiologie.
Fable 5 ist ab sofort verfügbar – über die Claude-API und in Diensten wie GitHub Copilot. Der Preis: 10 Dollar pro Million Eingabe-Token und 50 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Das ist doppelt so teuer wie Opus 4.8, aber weniger als die Hälfte des früheren Mythos Preview. In den Abos Pro, Max, Team und Enterprise ist das Modell bis zum 22. Juni gratis enthalten; danach läuft es über Nutzungs-Guthaben, bis genug Kapazität da ist.
Einordnung: Bemerkenswert ist weniger die reine Leistung – Sprünge nach oben kennen wir inzwischen im Quartalsrhythmus. Bemerkenswert ist, dass Anthropic ein Modell ausliefert, das es selbst für zu gefährlich hält, um es ungefiltert laufen zu lassen. Die Notbremse ist das eigentliche Statement.