OpenAI hat GPT-5.6 vorgestellt – drei Modelle namens Sol, Terra und Luna. Doch statt für alle gibt es zunächst nur eine «Limited Preview» für wenige Partner, auf Wunsch der US-Regierung. OpenAI selbst hält diese behördliche Vorab-Freigabe für keinen guten Dauerzustand.
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OpenAIs stärkstes Modell GPT-5.6 startet nur im engsten Kreis – weil Washington bei besonders fähigen KI-Modellen neu mitreden will.
OpenAI hat am 26. Juni GPT-5.6 vorgestellt – das bisher stärkste Modell des Unternehmens. Der Haken: Ausprobieren darf es vorerst fast niemand. Statt eines breiten Starts gibt es nur eine «Limited Preview» für eine Handvoll ausgewählter Partner – und das auf Wunsch der US-Regierung.
GPT-5.6 kommt nicht als ein Modell, sondern als Dreierpack. Sol ist das Spitzenmodell für die schwierigsten Aufgaben wie komplexes Programmieren und Sicherheitsforschung. Terra ist der ausgewogene Allrounder für den Alltag – laut OpenAI etwa gleich gut wie das bisherige GPT-5.5, aber doppelt so günstig. Luna ist die schnellste und billigste Variante für Routinearbeit wie Zusammenfassen oder Entwürfe.
Dahinter steckt ein neues System: Die Zahl (5.6) steht für die Generation, die Namen Sol, Terra und Luna für dauerhafte Leistungsstufen. Preislich liegt Sol bei 5 Dollar pro Million eingegebener und 30 Dollar pro Million ausgegebener Tokens, Terra bei 2.50 respektive 15 Dollar, Luna bei 1 respektive 6 Dollar.
OpenAI nennt GPT-5.6 sein bisher fähigstes Modell – besonders beim Coden und bei Sicherheitsaufgaben. Auf dem Test Terminal-Bench 2.1, der Arbeit auf der Kommandozeile prüft, setzt Sol einen neuen Bestwert. Neu sind ausserdem ein `max`-Modus, der dem Modell mehr Zeit zum Nachdenken gibt, und ein `ultra`-Modus, der mehrere Teil-Agenten parallel arbeiten lässt.
Brisant ist die Cybersecurity-Fähigkeit: Sol findet und behebt Schwachstellen so gut, dass OpenAI das Modell mit seiner bisher robustesten Schutzschicht ausliefert. Allein für automatisiertes «Red-Teaming» – das gezielte Suchen nach Sicherheitslücken im eigenen System – hat das Unternehmen über 700'000 GPU-Stunden aufgewendet.
Genau diese Doppelnatur ist der Grund für den ungewöhnlichen Start. OpenAI hat der US-Regierung die Pläne und Fähigkeiten vorab gezeigt – und veröffentlicht GPT-5.6 auf deren Wunsch zunächst nur für einen kleinen Kreis vertrauenswürdiger Partner, deren Teilnahme der Regierung gemeldet wurde.
Wir glauben nicht, dass eine solche staatliche Vorab-Freigabe zum dauerhaften Standard werden sollte.
Damit stellt sich OpenAI offen gegen die eigene Auflage. Das Unternehmen verweist auf eine geplante «Cyber Executive Order» und will einen wiederholbaren Prozess für künftige Modell-Starts erarbeiten. Es ist dasselbe Muster wie bei Anthropic, dessen Modelle Fable 5 und Mythos 5 kürzlich aus Sicherheitsgründen ausgesperrt wurden: Spitzen-KI und Geopolitik sind kaum noch zu trennen.
Vorerst läuft GPT-5.6 nur über die Programmierschnittstelle und das Coding-Werkzeug Codex – und nur für einen kleinen Kreis ausgewählter Organisationen. Für reguläre Nutzerinnen und Nutzer, auch in der Schweiz, ist das Modell damit noch nicht erreichbar.
OpenAI verspricht, die drei Modelle «in den kommenden Wochen» breit in ChatGPT, Codex und der API verfügbar zu machen. Ab Juli soll Sol zudem über den Spezialchip-Anbieter Cerebras mit bis zu 750 Tokens pro Sekunde laufen – also spürbar schneller als heute. Bis dahin gilt: Wer GPT-5.6 nutzen will, muss sich gedulden.