Eine WhatsApp vom Chef, ein bestätigender Anruf vom Anwalt – beides gefälscht. Wie Betrüger bei Fideuram 95 Millionen Euro auslösten, welche der kursierenden Zahlen stimmt, und welche vier Massnahmen das BACS Schweizer Firmen empfiehlt.
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Betrüger täuschten den Präsidenten von Intesa-Tochter Fideuram mit einer KI-geklonten Anwaltsstimme und einer falschen WhatsApp-Nachricht des eigenen CEO – 95 Millionen Euro gingen raus, rund 36 Millionen sind bis heute weg. Das Bundesamt für Cybersicherheit zählte für 2025 bereits 971 CEO-Betrugsmeldungen in der Schweiz.
Eine WhatsApp-Nachricht vom Chef. Ein Anruf des Anwalts, der sie bestätigt. Beides gefälscht – und danach waren 95 Millionen Euro unterwegs nach Asien.
Betroffen ist Fideuram, die Private-Banking-Tochter von Intesa Sanpaolo, Italiens grösster Bank. Passiert ist der Fall im Februar 2026. Öffentlich wurde er erst Ende September, über einen Reuters-Bericht, der sich auf nicht genannte Quellen stützt. Intesa Sanpaolo und Fideuram wollten sich gegenüber Reuters nicht äussern – die Zahlen stammen also aus Ermittlungsunterlagen und Insiderquellen, nicht aus einer offiziellen Mitteilung der Bank.
Am 23. Februar erhielt Paolo Molesini, damals Präsident von Fideuram, eine WhatsApp-Nachricht, die scheinbar von Carlo Messina kam – dem CEO von Intesa Sanpaolo. Der Inhalt: Es brauche dringend Hilfe bei einer vertraulichen Transaktion im Ausland.
Kurz darauf kam der Anruf, der die Sache glaubwürdig machte. Am Telefon war angeblich Paolo Nastasi, Managing Partner der Anwaltskanzlei A&O Shearman in Italien. Tatsächlich war es ein mit KI erzeugter Klon seiner Stimme – Nastasi hatte mit dem Betrug nichts zu tun, sein Name wurde nur benutzt. Dazu kamen gefälschte E-Mails mit Kontoangaben und, so Il Sole 24 Ore und Forbes Italia, elf Zahlungsanweisungen samt gefälschter Vollmacht. Zwischen dem 23. und 25. Februar gingen die Überweisungen raus, vor allem nach China und Hongkong.
Molesini trat im März 2026 als Präsident zurück, offiziell aus persönlichen Gründen. Ermittelt wird gegen ihn nicht.
Zu diesem Fall kursieren drei Beträge, und sie werden regelmässig verwechselt:
Wenn du also irgendwo von einem «36-Millionen-Betrug» liest – etwa im Eintrag des OECD AI Incidents Monitor – ist damit dieser Restbetrag gemeint, nicht der Gesamtschaden. Umgekehrt nennen die Nachrichtenagentur ANSA und weitere italienische Medien 39,5 Millionen als offenen Betrag. Die Differenz erklärt sich aus unterschiedlichen Ständen der Rückholung; belegt ist eine Bandbreite von 36 bis knapp 40 Millionen Euro.
Laut Reuters prüft die Staatsanwaltschaft Mailand zusätzlich einen «identischen» Versuch bei einer Gesellschaft der BPER-Gruppe – mit demselben Anwaltsnamen. Im Visier steht ein Ausländer, der ausserhalb Europas lebt, der Vorwurf lautet Computerbetrug.
Das ist kein italienisches Sonderproblem. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) zählte für 2025 971 Meldungen zu CEO-Betrug, nach 719 im Jahr davor – ein Plus von rund 35 Prozent. Und das BACS beschreibt genau das Fideuram-Muster: Die Täter setzen «Deepfake-Audio-Anrufe und Sprachnachrichten» ein und schieben die Namen echter Schweizer Anwaltskanzleien als Zwischenstation davor, weil das Opfer diese Kontakte nicht kennt und deshalb weniger nachfragt.
Die FINMA veröffentlichte im April 2026 ihre Aufsichtsmitteilung 02/2026 zu digitalen Betrugsrisiken: Nach einer Umfrage bei 19 Banken stellte sie Lücken im Risikomanagement fest und verzeichnet seit 2022 eine kontinuierliche Zunahme digitaler Betrugsfälle. Im BACS-Halbjahresbericht 2026/1 gingen 27'128 freiwillige Meldungen ein – Telefonbetrug gehört dort zu den auffälligsten Kategorien, KI zum systematischen Werkzeug für glaubwürdige Inhalte.
Das BACS empfiehlt vier Dinge, und keine davon kostet Geld:
Einordnung: Was in dieser Liste fehlt, aber im Fideuram-Muster den Unterschied gemacht hätte, ist ein fest vereinbartes Codewort für Zahlungsfreigaben per Telefon – und ein Betragslimit, über dem niemand allein freigeben darf, egal wer anruft. Beides folgt derselben Logik wie der Rückruf: Die Freigabe darf nicht an etwas hängen, das sich fälschen lässt. Und eine Stimme lässt sich fälschen.
Sieben Anthropic-Mitgründer sollen über eine Spezial-Aktienklasse zusammen 50,1 Prozent der Stimmen halten – bei je rund 2 Prozent Kapital. Ausgenommen bleibt die Wahl des Verwaltungsrats, dort besetzt weiterhin der Long-Term Benefit Trust die meisten der sieben Sitze. Die Aktionäre stimmen in den kommenden Tagen ab.