Drei Mega-Runden in einer Nacht: Ineffable Intelligence (London) holt 1,1 Mrd. Dollar Seed bei 5,1 Mrd. Bewertung – die grösste europäische Seed-Runde aller Zeiten. Robot Era (Shanghai) schliesst $200 Mio Series C, Sereact (Stuttgart) $110 Mio mit BMW und Daimler als Kunden. Sovereign-AI rückt auf der europäischen Agenda nach oben.

Mit Silver, Sequoia und NVIDIA an Bord wird Ineffable Intelligence zum europäischen Hoffnungsträger – plus Robot Era und Sereact zeigen, dass auch die zweite Reihe funded ist.
Während OpenAI sich neu strukturiert und Musk gegen Altman vor Gericht zieht, wurde am Montag, 27. April, in Europa Geld bewegt – in einer Höhe, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Drei Mega-Runden auf einmal, mit dem AlphaGo-Architekten David Silver als Schlusspunkt.
Das Londoner Lab Ineffable Intelligence – gegründet vom Ex-DeepMind-Architekten David Silver (AlphaGo, AlphaZero) – sicherte sich 1,1 Milliarden Dollar Seed bei einer Bewertung von 5,1 Milliarden Dollar. Lead: Sequoia und Lightspeed, mit NVIDIA, Google und dem UK Sovereign AI Fund. Die grösste europäische Seed-Runde aller Zeiten.
Das Forschungsziel: «Superlearner»-AI – Modelle, die Wissen aus Erfahrung statt aus Trainingsdaten erwerben. Das ist die direkte Verlängerung von Silvers AlphaZero-Arbeit (Schach und Go-Meister durch Selfplay) ins Allgemeine. Wenn das funktioniert, wird das Datenproblem («woher kommt das nächste Trillion Token Trainingsmaterial?») irrelevant.
Robot Era (Shanghai) schloss eine Series C über über 200 Mio Dollar ab – angeführt vom Logistikriesen SF Express, mit IDG Capital und Legend Capital. Gesamtfinanzierung jetzt rund 346 Mio Dollar nach 146 Mio Series B im März bei 1,4 Mrd Bewertung. SF Express als Lead-Investor signalisiert: Robot Era zielt primär auf Logistik-Automation – ein Markt, in dem Tesla mit Optimus und Figure mit Figure 02 ebenfalls aktiv sind.
Sereact (Stuttgart) holte sich 110 Mio Dollar Series B unter Lead von Headline. Bestehende Kunden: BMW und Daimler Trucks. Das Produkt: Cortex – eine KI-Plattform, die Industrieroboter steuert, ohne dass jeder Greif-Skill einzeln antrainiert werden muss. Direkter Anschluss an die EPFL-Kinematic-Intelligence-Story von Newsletter #7.
Parallel zu den Funding-Runden formten Cohere (Toronto) und Aleph Alpha (Heidelberg) eine transatlantische Sovereign-AI-Allianz als unabhängige Enterprise-Alternative zu OpenAI/Anthropic. McKinsey schätzt den Sovereign-AI-Bedarf auf rund 600 Mrd Dollar jährlich – ein Markt, den US-Anbieter aus regulatorischen Gründen nur teilweise bedienen können.
Die drei Runden zusammen sind das stärkste Signal seit Monaten, dass Europa nicht aus dem KI-Rennen ausgestiegen ist. Aber die Schweizer Antwort – jenseits von Apertus und ANYbotics – fehlt bisher.
Mit Silver, Sequoia und NVIDIA an Bord wird Ineffable Intelligence zum europäischen Hoffnungsträger – plus Robot Era und Sereact zeigen, dass auch die zweite Reihe funded ist.

Chinas wichtigstes Wirtschaftsplanungsorgan NDRC hat am 27. April die geplante Übernahme der agentic-AI-Firma Manus durch Meta (rund 2 Mrd. Dollar, Ankündigung Dezember 2025) blockiert. Manus' Sitzverlegung nach Singapur 2025 hat Beijings Eingriff nicht verhindert.
Beijing zeigt: Chinesische KI-Gründer sind auch im Ausland nicht ausserhalb der staatlichen Reichweite. Ein Warnsignal für M&A-Investoren in Asien und Beleg für die zunehmende Bifurcation der KI-Ökosysteme.

Der Zivilprozess Musk vs. OpenAI/Altman/Brockman/Microsoft startete am 28. April in Oakland mit Eröffnungsplädoyers. Musk fordert 130 Mrd. Dollar Schadenersatz, die Rückwandlung von OpenAI in eine Non-Profit-Struktur, sowie die Absetzung von Altman und Brockman.
Auch wenn der Prozess als «Musk-Show» abgetan wird – die juristische Frage, ob eine Non-Profit-Charity in eine For-Profit-Struktur überführt werden darf, schafft Präzedenz für die gesamte KI-Branche.

Google hat einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet, der Gemini für klassifizierte Militäraufgaben freigibt – einen Tag, nachdem über 580 Mitarbeitende in einem offenen Brief an Sundar Pichai genau das ablehnten. Der Vertrag spiegelt die Konditionen, die Anthropic im Februar abgelehnt hatte.
Mit Googles Pentagon-Deal ist die «AI for Good»-Selbstbeschränkung der grossen US-Labs faktisch beendet – ausser bei Anthropic. Schweizer Compliance-Verantwortliche bekommen damit ein neues Differenzierungsmerkmal bei der Provider-Wahl.