Google hat einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet, der Gemini für klassifizierte Militäraufgaben freigibt – einen Tag, nachdem über 580 Mitarbeitende in einem offenen Brief an Sundar Pichai genau das ablehnten. Der Vertrag spiegelt die Konditionen, die Anthropic im Februar abgelehnt hatte.
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Mit Googles Pentagon-Deal ist die «AI for Good»-Selbstbeschränkung der grossen US-Labs faktisch beendet – ausser bei Anthropic. Schweizer Compliance-Verantwortliche bekommen damit ein neues Differenzierungsmerkmal bei der Provider-Wahl.
Am 28. April hat Google einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet, der den Einsatz von Gemini-Modellen für klassifizierte Militäraufgaben für «any lawful government purpose» erlaubt. Einen Tag zuvor hatten über 580 Google-Mitarbeitende in einem offenen Brief an Sundar Pichai genau das abgelehnt – im Verlauf wuchs die Zahl auf 950+. Unterzeichner: Direktoren und VPs aus Google DeepMind und Google Cloud.
We want to see AI benefit humanity, not being used in inhumane or extremely harmful ways. The only way to guarantee that Google does not become associated with such harms is to reject any classified workloads.
Der Brief ist mehr als symbolisch. Er kommt acht Jahre nach der Project-Maven-Affäre, bei der Google nach internen Protesten ein Pentagon-AI-Engagement beendet hatte. Im Februar 2025 entfernte Google die «no weapons or surveillance»-Klausel aus seinen AI Principles. Trajektorie: Dezember 2022 9-Mrd-Dollar-JWCC-Vertrag → Dezember 2025 GenAI.mil mit Gemini → März 2026 Gemini-Agents auf 3 Mio. unklassifizierten DoD-Workstations → April 2026 klassifizierte Netzwerke.
Anthropic-CEO Dario Amodei hatte dieselben Konditionen im Februar 2026 abgelehnt. Konsequenz: Das Pentagon brandmarkte Anthropic als «supply chain risk» – ein Label, das normalerweise ausländischen Gegnern vorbehalten ist. Anthropic hat eine Injunction gegen die Designation erwirkt. Bemerkenswert: Im Februar verzichtete Google still auf einen 100-Mio-Dollar Drone-Swarm-Wettbewerb nach interner Ethik-Review – die jetzige Vertragsunterzeichnung ist also eine bewusste strategische Wende, nicht der erste Pentagon-Vorstoss.
Die Story markiert das endgültige Ende der «AI for Good»-Selbstbeschränkung der grossen US-Labs. Wer Anthropic früher als idealistisch belächelte, sieht jetzt die Konsequenz: Marktausschluss vom Pentagon, aber öffentliche Glaubwürdigkeit als «letzte AI-Firma mit Linie».
Für Schweizer Unternehmen heisst das: Provider-Auswahl ist nicht mehr nur eine Performance- und Compliance-Frage, sondern auch eine Werte-Entscheidung. Und die Schweizer Öffentlichkeit reagiert auf solche Differenzierungen empfindlicher als die US-amerikanische.