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Google unterzeichnet Pentagon-AI-Deal trotz Mitarbeiter-Revolte

Google hat einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet, der Gemini für klassifizierte Militäraufgaben freigibt – einen Tag, nachdem über 580 Mitarbeitende in einem offenen Brief an Sundar Pichai genau das ablehnten. Der Vertrag spiegelt die Konditionen, die Anthropic im Februar abgelehnt hatte.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
29. APRIL 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration eines Pentagon-Symbols mit Google-Logo davor und einem Stapel offener Briefe im Vordergrund, kinewsletter.ch Stil
Pentagon Google D
INHALT
01Was im Vertrag steht02Die Mitarbeiter-Revolte03Anthropic als Gegenbeispiel04Einordnung: Das Ende einer Selbstbeschränkung05Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet
INHALT
01Was im Vertrag steht02Die Mitarbeiter-Revolte03Anthropic als Gegenbeispiel04Einordnung: Das Ende einer Selbstbeschränkung05Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet
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Mit Googles Pentagon-Deal ist die «AI for Good»-Selbstbeschränkung der grossen US-Labs faktisch beendet – ausser bei Anthropic. Schweizer Compliance-Verantwortliche bekommen damit ein neues Differenzierungsmerkmal bei der Provider-Wahl.

Am 28. April hat Google einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet, der den Einsatz von Gemini-Modellen für klassifizierte Militäraufgaben für «any lawful government purpose» erlaubt. Einen Tag zuvor hatten über 580 Google-Mitarbeitende in einem offenen Brief an Sundar Pichai genau das abgelehnt – im Verlauf wuchs die Zahl auf 950+. Unterzeichner: Direktoren und VPs aus Google DeepMind und Google Cloud.

Was im Vertrag steht

  • Gemini-Modelle für klassifizierte Militäraufgaben freigegeben.
  • Sprachregelung gegen Massenüberwachung im Inland und gegen autonome Waffen ohne menschliche Aufsicht – aber ohne Vetorecht oder Kontrollmechanismus gegen «lawful government decision-making».
  • Pentagon-Verträge bis zu 200 Mio. Dollar pro Lab. Google reiht sich neben OpenAI und xAI ein.

Die Mitarbeiter-Revolte

We want to see AI benefit humanity, not being used in inhumane or extremely harmful ways. The only way to guarantee that Google does not become associated with such harms is to reject any classified workloads.

Der Brief ist mehr als symbolisch. Er kommt acht Jahre nach der Project-Maven-Affäre, bei der Google nach internen Protesten ein Pentagon-AI-Engagement beendet hatte. Im Februar 2025 entfernte Google die «no weapons or surveillance»-Klausel aus seinen AI Principles. Trajektorie: Dezember 2022 9-Mrd-Dollar-JWCC-Vertrag → Dezember 2025 GenAI.mil mit Gemini → März 2026 Gemini-Agents auf 3 Mio. unklassifizierten DoD-Workstations → April 2026 klassifizierte Netzwerke.

Anthropic als Gegenbeispiel

Anthropic-CEO Dario Amodei hatte dieselben Konditionen im Februar 2026 abgelehnt. Konsequenz: Das Pentagon brandmarkte Anthropic als «supply chain risk» – ein Label, das normalerweise ausländischen Gegnern vorbehalten ist. Anthropic hat eine Injunction gegen die Designation erwirkt. Bemerkenswert: Im Februar verzichtete Google still auf einen 100-Mio-Dollar Drone-Swarm-Wettbewerb nach interner Ethik-Review – die jetzige Vertragsunterzeichnung ist also eine bewusste strategische Wende, nicht der erste Pentagon-Vorstoss.

Einordnung: Das Ende einer Selbstbeschränkung

Die Story markiert das endgültige Ende der «AI for Good»-Selbstbeschränkung der grossen US-Labs. Wer Anthropic früher als idealistisch belächelte, sieht jetzt die Konsequenz: Marktausschluss vom Pentagon, aber öffentliche Glaubwürdigkeit als «letzte AI-Firma mit Linie».

Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet

  1. Provider-Wahl mit Werte-Lens: Schweizer Compliance-Verantwortliche und Behörden können Anthropic neu als «strengere» Option positionieren. Für Bundesverwaltung, Banken und Versicherer ist das ein Differenzierungsmerkmal.
  2. Reputationsrisiko bewerten: Ein Schweizer Spital, das Gemini im Patientenkontakt einsetzt, sollte den Pentagon-Vertrag in der Risk-Map abbilden – nicht weil Patienten betroffen wären, sondern weil PR-Wirkung im Worst Case unangenehm wird.
  3. Anthropic-Premium hinterfragen: Wenn Anthropic deutlich teurer ist, lohnt sich die Frage, ob die ethische Differenzierung den Preis wert ist – oder ob Apertus (Schweizer Open-Source) der pragmatischere Weg wäre.

Für Schweizer Unternehmen heisst das: Provider-Auswahl ist nicht mehr nur eine Performance- und Compliance-Frage, sondern auch eine Werte-Entscheidung. Und die Schweizer Öffentlichkeit reagiert auf solche Differenzierungen empfindlicher als die US-amerikanische.

Quellen

Google expands Pentagon's access to its AI (TechCrunch)↗ EXTERNER LINKGoogle Grants Pentagon Access to AI for Classified Military Projects (Bloomberg)↗ EXTERNER LINKHundreds of Google workers urge CEO to refuse classified AI work (CBS)↗ EXTERNER LINKGoogle employees ask Sundar Pichai to bar classified military AI work (WaPo)↗ EXTERNER LINKHundreds of Google employees sign letter (SiliconANGLE)↗ EXTERNER LINK
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