Die Stiftung Internet Archive Switzerland nimmt im Mai 2026 ihre Arbeit mit Sitz in St. Gallen auf und kooperiert mit der HSG, um sämtliche KI-Modelle zu archivieren. Eine zweite Initiative rettet bedrohte Archive weltweit.
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Die Schweiz wird Standort für ein globales Digital-Archiv – inklusive einer einzigartigen Mission, jedes verfügbare KI-Modell für die Nachwelt zu sichern.
Die Stiftung Internet Archive Switzerland hat im Mai 2026 ihre operative Arbeit in St. Gallen aufgenommen. Im Zentrum steht eine ungewöhnliche Mission: Zusammen mit der Universität St. Gallen soll jedes verfügbare KI-Modell für die Nachwelt gesichert werden – inklusive der, die noch kommen.
Mit Sitz in St. Gallen wird Internet Archive Switzerland zur dritten unabhängigen Organisation in der Familie des Internet Archive – nach Internet Archive Canada (Vancouver) und Internet Archive Europe (Amsterdam). Geleitet wird die Stiftung von Roman Griesfelder, einem Österreicher, der seit Ende der 90er-Jahre in der Schweiz lebt.
Das Mutter-Archiv wurde vor 30 Jahren von Brewster Kahle in San Francisco gegründet und gilt heute als grösstes digitales Archiv der Welt: über 90 Millionen Bücher, Dokumente, Fotos, Audio- und Videoaufnahmen sowie Softwareanwendungen. Für Forschende, Medienschaffende und Wikipedia-Autoren ist es längst Pflichtquelle.
Der eigentliche Coup steckt aber im Kleingedruckten: Internet Archive Switzerland kooperiert mit der School of Computer Science der Universität St. Gallen unter der Leitung von Prof. Dr. Damian Borth. Das Ziel ist ambitioniert formuliert: Alle verfügbaren und zukünftigen KI-Modelle sollen archiviert werden.
Klingt trocken, ist aber praktisch hochrelevant. Modelle wie GPT-3, Stable Diffusion 1.5 oder frühe Llama-Versionen verschwinden bereits heute von den offiziellen Anbieter-Seiten. Wer in zehn Jahren rekonstruieren will, wie sich KI 2024–2026 verhalten hat – wo Bias war, was halluziniert wurde, wie Sicherheits-Guardrails aussahen – ist auf Archive angewiesen. St. Gallen baut genau das auf.
Neben der KI-Spur kommt eine zweite Initiative: Endangered Archives. Gemeinsam mit der UNESCO und weiteren etablierten Organisationen will die Stiftung Archive sichern, die durch Kriege, politische Unruhen, wirtschaftliche Zwänge oder Naturkatastrophen bedroht sind. Die Schweiz soll dabei zum digitalen Zufluchtsort werden – eine Rolle, die historisch zum Selbstverständnis des Landes passt.
Symbolisch passend: Die Eröffnungs-Präsentation lief vom 5. bis 10. Mai im Eingangsbereich des Stiftsarchivs St. Gallen – also dort, wo die Schweiz seit Jahrhunderten Wissen für die Ewigkeit aufbewahrt.
Für die Schweiz ist die Ansiedlung mehr als ein Symbol. Sie reiht sich in eine Bewegung ein, in der das Land aktiv versucht, sich als neutraler digitaler Standort zu positionieren – zwischen US-Hyperscalern und chinesischen Konkurrenzangeboten. Für die Stadt St. Gallen ist es ein deutliches Signal in Richtung Digital-Standort, für die HSG ein Schaufenster-Projekt mit globaler Wirkung.
Was das für dich bedeutet: Wenn du in Zukunft eine offene KI-Forschung machst, könnte deine erste Anlaufstelle für Modell-Versionsgeschichten in St. Gallen liegen. Und wenn du dich für digitales Erbe interessierst, hat die Schweiz gerade einen neuen Anker bekommen.