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Schweizer Medien geben sich erstmals einen verbindlichen KI-Kodex

Verleger, SRG SSR und Keystone-SDA haben am Swiss Media Forum in Luzern einen gemeinsamen KI-Kodex vorgestellt. Vier Prinzipien, Kennzeichnungspflicht, Ombudsstelle – umgesetzt werden soll alles bis Ende Jahr.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
11. MAI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration einer alten Druckpresse mit Tuschestempel und Telefon im kinewsletter.ch-Stil – Symbol fuer den Schweizer KI-Kodex der Medienbranche
Illustration einer alten Druckpresse mit Tuschestempel und Telefon im handgezeichneten kinewsletter.ch-Stil – Symbol fuer den Schweizer KI-Kodex der Medienbranche (Dark Mode)
INHALT
01Eine Allianz, wie es sie selten gibt02Vier Prinzipien als Fundament03Meldestellen und Ombudsstelle04Schweiz vor Deutschland, vor dem EU AI Act05Was das für dich heisst
INHALT
01Eine Allianz, wie es sie selten gibt02Vier Prinzipien als Fundament03Meldestellen und Ombudsstelle04Schweiz vor Deutschland, vor dem EU AI Act05Was das für dich heisst
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Die Schweizer Medienbranche regelt sich erstmals branchenweit selbst – mit Kennzeichnungspflicht, Ombudsstelle und Audit – und greift damit dem EU AI Act vor.

Die Schweiz prescht in der Medien-Regulierung vor: Verleger, SRG SSR und Keystone-SDA haben am Swiss Media Forum in Luzern einen gemeinsamen KI-Kodex vorgestellt. Vier Prinzipien, Kennzeichnungspflicht, Ombudsstelle – umgesetzt werden soll alles bis Ende Jahr.

Eine Allianz, wie es sie selten gibt

Am Donnerstag, 7. Mai 2026, traten die wichtigsten Akteure der Schweizer Medienbranche gemeinsam auf die Bühne des Swiss Media Forums in Luzern. Initiiert vom Verlegerverband Schweizer Medien (VSM), mitgetragen von der SRG SSR, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, der Westschweizer Médias Suisses und der Tessiner Stampa Svizzera: Eine Allianz aus öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Privatverlagen und Agentur, wie sie in dieser Form selten zustande kommt.

«Vertrauen ist das wertvollste Gut der Medien. Die rasante Entwicklung von KI stellt die Medienbranche vor grosse Herausforderungen und eröffnet zugleich Chancen.» – Andrea Masüger, VSM-Präsident

Vier Prinzipien als Fundament

Der Kodex orientiert sich an der Konvention des Europarats zur künstlichen Intelligenz, die im Bundesrat zur Ratifizierung ansteht. Im Zentrum stehen vier Grundsätze:

  • Anwenderkenntnisse: Mitarbeitende, die KI-Systeme einsetzen oder deren Resultate verarbeiten, werden geschult
  • Schutz demokratischer Prozesse: Deepfakes müssen gekennzeichnet werden und dürfen nicht eingesetzt werden, wenn sie geltendes Recht verletzen
  • Datenschutz: Redaktionelle Inhalte und vertrauliche Daten geniessen beim Einsatz von KI-Tools besonderen Schutz
  • Transparenz: Komplett KI-generierte oder ungeprüft veröffentlichte Inhalte – Text, Bild, Audio – müssen für das Publikum erkennbar sein

Auch Chatbots, die mit Menschen verwechselt werden könnten, müssen als KI ausgewiesen werden.

Meldestellen und Ombudsstelle

Anders als bei reinen Absichtserklärungen kommt der Schweizer Kodex mit einem zweistufigen Kontroll-Mechanismus: Jedes Medienunternehmen richtet eine interne KI-Meldestelle ein, bei der Mitarbeitende und Publikum Verstösse melden können. Für schwere Fälle gibt es eine unabhängige Ombudsstelle, die jährlich Bericht erstatten muss.

Zusätzlich führt das Werbemedienforschungsinstitut WEMF ein «Responsible AI»-Audit ein – inklusive Zertifikat für Unternehmen, die den Standard einhalten.

Schweiz vor Deutschland, vor dem EU AI Act

Damit zieht die Schweiz an Deutschland vorbei: Dort haben sich zwar im Januar ARD, ZDF und Deutschlandradio auf einen öffentlich-rechtlichen KI-Kodex verständigt, doch ein branchenweiter Schulterschluss mit privaten Verlegern fehlt bislang. Im April 2026 forderten ARD, ZDF, BDZV und weitere Verbände erstmals gemeinsam klare Regeln – mehr als eine Erklärung wurde es nicht.

Die Schweizer Lösung greift damit dem EU AI Act vor, der ab dem 2. August 2026 eine europaweite Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte vorschreibt. Wer den Kodex freiwillig unterzeichnet, hat Compliance-Vorlauf.

Was das für dich heisst

Wenn du Schweizer Medien konsumierst, wirst du in den kommenden Monaten zunehmend Hinweise sehen: «Mit KI erstellt», «KI-bearbeitet», «Chatbot». Das ist nicht Schmuck – es ist Pflicht. Und es ist ein Versuch der Branche, das Spielfeld selbst zu definieren, bevor es die Politik tut.

Ob die Selbstregulierung Zähne hat, zeigt sich am Bericht der Ombudsstelle Anfang 2027. Bis dahin gilt: Die Branche hat sich öffentlich gebunden – und das ist mehr, als viele Branchen weltweit derzeit zustande bringen.

Quellen

Schweizer Medienbranche gibt sich einen KI-Kodex (Heise)↗ EXTERNER LINKSchweiz: Medienbranche einigt sich auf gemeinsamen KI-Kodex (20 Minuten)↗ EXTERNER LINKSchweizer Medien verabschieden einen Verhaltenskodex zu KI (Swissinfo)↗ EXTERNER LINKKI-Kodex für Medienbranche (SRF)↗ EXTERNER LINKVSM: Verlegerverband initiiert KI-Kodex (persoenlich.com)↗ EXTERNER LINKKI-Kodex der Schweizer Medienbranche (PDF)↗ EXTERNER LINK
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