Das Universitätsspital Lausanne testet ab dieser Woche Meditron, das Schweizer Medizin-LLM, direkt in der Notaufnahme. Über 250 CHUV-Ärztinnen und Ärzte haben das Modell mit Annotationen feingetunt.

Mit Meditron geht erstmals ein in der Schweiz entwickeltes Medizin-LLM in einer Notaufnahme live – Open Source, finanziert von der Swiss AI Initiative, feingetunt mit über 12'000 Bewertungen von CHUV-Ärzteschaft.
Während sich die KI-Welt um die nächsten amerikanischen Frontier-Modelle dreht, geht in der Romandie diese Woche etwas Bemerkenswertes live: Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) setzt Meditron – ein an der EPFL entwickeltes, Open-Source-Sprachmodell für Medizin – in der Notaufnahme ein. Es ist die erste echte Spitalumgebung, in der ein Schweizer Medizin-LLM produktiv Entscheidungen mitberät.
Meditron startete 2023 als Forschungsprojekt der EPFL – zwei offene Modelle mit 7 und 70 Milliarden Parametern, trainiert auf medizinischer Fachliteratur, Behandlungs-Guidelines und PubMed-Artikeln. In Benchmarks lag die 70-Milliarden-Variante damals innerhalb von 5% von GPT-4 und schlug GPT-3.5 sowie Googles Med-PaLM deutlich.
Jetzt kommt die nächste Stufe: Eine spezialisierte CHUV-Variante wurde mit über 12'000 Präferenz-Annotationen von mehr als 250 Klinikerinnen und Klinikern feingetunt – also nicht nur auf Lehrbuchwissen, sondern auf das, was Notfallmediziner und -medizinerinnen in der Praxis als korrekte Antwort einstufen.
Der Pilot-Standort ist bewusst gewählt. In Notaufnahmen entscheiden Sekunden, das Personal arbeitet im Schichtbetrieb, und die Fälle sind unsortiert: Vom Sturz auf der Skipiste bis zum Verdacht auf Sepsis. Genau dort sollen Sprachmodelle ihren Nutzen beweisen – als eine Art schnelle Zweitmeinung für Diagnosen, Medikamenten-Interaktionen oder Triage-Entscheidungen. Eine andere Studie der CHUV-Sepsis-Group hat bereits gezeigt, dass KI-gestützte Sepsis-Erkennung die Behandlungsqualität messbar verbessert.
Wichtig ist die Rolle: Meditron entscheidet nichts, sondern liefert Vorschläge. Den letzten Call macht weiterhin die Ärztin oder der Arzt.
Meditron ist Teil der Swiss AI Initiative von ETH und EPFL, die der Bund mit 20 Millionen Franken bis 2028 finanziert. Das CHUV-Modell ist das erste vertikale Modell, das auf der Apertus-Architektur aufbaut – dem im September 2025 lancierten, vollständig offenen Schweizer Basis-Modell. Der Vorteil: Patientendaten bleiben in der Schweiz, das Modell ist auditierbar, und Kanzleien wie Spitäler können es selbst betreiben.
Wenn der Pilot in Lausanne funktioniert, dürfte Meditron in weiteren Schweizer Spitälern andocken – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, weil das Modell offen ist und für jedes Spital lokal angepasst werden kann. Damit zeigt sich: Während die globale KI-Debatte zwischen US-Tech-Giganten und Beijing pendelt, baut die Schweiz im Stillen eine Nische, die sie wirklich braucht – Modelle, die das Schweizer Gesundheitssystem versteht und auf Schweizer Servern läuft.
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