An der Build 2026 hat Microsoft sieben eigene MAI-Modelle vorgestellt – fürs Schlussfolgern, Programmieren, Sprache und Bild. Das erklärte Ziel: weniger Abhängigkeit von Partner OpenAI.
Kostenloses Erstgespräch — herstellerneutral, direkt aus dem Rheintal.
Microsoft baut sich mit eigenen MAI-Modellen eine Alternative zu OpenAI – mehr Wettbewerb, der für Anwender sinkende Preise und mehr Auswahl bedeutet.
Microsoft hat an seiner Entwicklerkonferenz Build 2026 sieben eigene KI-Modelle vorgestellt – allesamt im Haus gebaut, ohne OpenAI-Technik darunter. Die Botschaft dahinter ist deutlicher als jedes einzelne Modell: Microsoft will unabhängiger von seinem Partner OpenAI werden.
Am 2. Juni öffnete Build 2026 in San Francisco mit der Keynote von CEO Satya Nadella. Das Highlight für KI-Beobachter kam aus dem Team von Microsoft-KI-Chef Mustafa Suleyman: eine ganze Familie neuer Modelle unter dem Kürzel MAI (Microsoft AI) – für Textverständnis und Schlussfolgern, fürs Programmieren, für Sprache, für Bildgenerierung und für Transkription.
Das Flaggschiff heisst MAI-Thinking-1, Microsofts erstes eigenes Reasoning-Modell – also ein Modell, das vor der Antwort mehrere Denkschritte durchläuft. Suleyman beschrieb es als bewusst schlank: rund 35 Milliarden aktive Parameter, also deutlich kleiner als die grössten Frontier-Modelle, dafür effizienter und günstiger im Betrieb. Dazu kommen ein spezialisiertes Coding-Modell für GitHub Copilot sowie Modelle für Sprache, Bild und Transkription, die Microsoft erstmals breit für kommerzielle Entwickler freigibt.
Microsoft und OpenAI sind seit Jahren eng verbunden – Microsoft ist Grossinvestor, und ChatGPT-Technik steckt tief in Copilot und Azure. Doch das Verhältnis ist heikel geworden: OpenAI baut mit Codex einen direkten Copilot-Konkurrenten, beide werben um dieselben Grosskunden.
Suleyman bringt den Grund für die eigenen Modelle auf den Punkt: Es gehe um «langfristige Selbstständigkeit für Microsoft und unsere Partner» und um «Modelle, denen man vertrauen kann». Nadellas übergeordnetes Bild für die ganze Konferenz: KI entwickle sich vom Assistenten, der auf Befehl antwortet, zum «asynchronen Mitarbeiter», der Aufgaben eigenständig im Hintergrund erledigt.
Microsoft baut damit eine parallele KI-Welt auf, in der OpenAI nur noch eine Option unter mehreren ist. Passend dazu wurde an der Build auch das Modellangebot in Azure geöffnet: Neben OpenAI stehen dort jetzt unter anderem Anthropics Claude, Metas Llama, DeepSeek und Mistral als gleichwertige Optionen bereit.
Für Schweizer Unternehmen ist das relevant, weil Microsoft 365, Copilot und Azure hierzulande in unzähligen Firmen und Verwaltungen laufen. Wer Copilot einsetzt, bekommt künftig potenziell günstigere, von Microsoft selbst kontrollierte Modelle unter der Haube – und mehr Wahlfreiheit, welches KI-Modell für welche Aufgabe arbeitet.
Einordnung: Eigene Modelle zu bauen ist teuer und riskant – dass Microsoft es trotzdem tut, zeigt, wie ungemütlich die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter selbst für den grössten Tech-Konzern geworden ist. Für Anwender ist mehr Wettbewerb zwischen den Modellen vor allem eine gute Nachricht: Er drückt langfristig die Preise und erhöht die Auswahl.