Eine Woche nach Anthropics Project Glasswing schlägt OpenAI zurück: GPT-5.4-Cyber ist eine spezialisierte Variante von GPT-5.4, die für defensive Cybersecurity entwickelt wurde und bei sicherheitsrelevanten Anfragen weniger häufig verweigert. Das Wettrüsten um KI-gestützte Verteidigung hat offiziell begonnen. Was GPT-5.4-Cyber kann Der Zugang läuft über das neue «Trusted Access for Cyber»-Programm – nur verifizierte Security-Profis erhalten Zugriff, gestaffelt über mehrere Tiers. GPT-5.4-Cyber sitzt auf der höchsten Stufe. Eine Schlüssel-Fähigkeit: Binary Reverse Engineering – das Modell analysiert kompilierte Software auf Malware und Schwachstellen, ohne Zugang zum Quellcode zu benötigen. Die Benchmark-Sprünge sind bemerkenswert: Im Capture-the-Flag stieg die Trefferquote von 27 Prozent (GPT-5, August 2025) auf 76 Prozent (GPT-5.1-Codex-Max, November 2025). GPT-5.4-Cyber dürfte diese Marke nochmals übertreffen. Anthropic vs. OpenAI – der Kontext Am 7. April hatte Anthropic mit Project Glasswing für Aufsehen gesorgt: Claude Mythos Preview wurde an 12 Schlüsselpartner freigegeben – darunter AWS, Apple, Google, Microsoft und JPMorgan. Laut Anthropic fand Mythos Tausende von Zero-Day-Schwachstellen in allen grossen Betriebssystemen und Browsern. OpenAI musste reagieren. Der Unterschied: Während Anthropic auf ausgewählte Partner setzt, verfolgt OpenAI einen breiteren Ansatz mit identitätsbasiertem Zugang. Fouad Matin, Cyber-Researcher bei OpenAI: «This is a team sport. No one should be in the business of picking winners and losers when it comes to cybersecurity.» Das kritische Gegengewicht Bruce Schneier ordnet ein: «This is very much a PR play by Anthropic – and it worked. Lots of reporters are breathlessly repeating Anthropic's talking points.» Beide Launches sind nicht zuletzt Marketing – aber mit realer technischer Substanz dahinter. US-Regierungsbehörden sind bei GPT-5.4-Cyber vorerst nicht eingebunden, laut Axios laufen aber Gespräche. Das Commerce Department evaluiert parallel auch Mythos. Was das für die Schweiz bedeutet Schweizer KMU, Banken, Spitäler und kritische Infrastruktur laufen auf Software, die jetzt von Frontier-KI schneller auf Schwachstellen durchleuchtet werden kann – offensiv wie defensiv. Zugang zu beiden Modellen bleibt auf vetted Organisationen beschränkt. Für Schweizer Unternehmen heisst das: Die eigenen Security-Practices werden wichtiger denn je, denn die Angreifer bekommen dieselben Werkzeuge wie die Verteidiger.