Donald Trump verschiebt kurzfristig die Unterzeichnung einer Executive Order, die ein freiwilliges 90-Tage-Prüffenster für Frontier-Modelle vorsah. Begründung: Sorge um US-Vorsprung gegenüber China.
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Die US-Regulierung von Frontier-KI ist vertagt – europäische Vorgaben werden wichtiger.
Es war alles bereit: Donald Trump sollte am Donnerstag im Weissen Haus eine Executive Order unterzeichnen, die für die mächtigsten KI-Modelle der USA ein freiwilliges 90-Tage-Prüffenster vor dem Public Launch einführen sollte. Wenige Stunden vor der geplanten Unterschrift sagte das Weisse Haus die Zeremonie ab. Trumps Begründung gegenüber Reportern: «Weil mir bestimmte Aspekte nicht gefallen haben.»
Der Entwurf, über den Washington Post, CNN und mehrere Wires berichten, sah einen einheitlichen Prozess vor, mit dem die US-Regierung Frontier-Modelle vor der Veröffentlichung sichten würde. Beteiligt wären unter anderem die National Security Agency und das NIST gewesen, klassifizierte Tests inklusive. Ziel: das Risiko eindämmen, dass leistungsfähige Modelle für Cyberangriffe gegen US-Infrastruktur missbraucht werden – ein Szenario, das gerade durch Anthropics noch nicht veröffentlichtes Modell Mythos akuter geworden ist.
Trump fürchtet laut Berichten, der Erlass könnte den amerikanischen Vorsprung gegenüber China gefährden. Sein Statement im Oval Office: «Wir führen vor China, wir führen vor allen, und ich will nichts tun, was diesen Vorsprung in den Weg kommt.»
Die Verschiebung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Anthropic hatte tags zuvor die erste Bilanz von Project Glasswing veröffentlicht – jenem Programm, in dem Claude Mythos Preview gemeinsam mit 50 Partnern über 10'000 hoch- und kritisch-schwere Schwachstellen in zentraler Software gefunden hat. Anthropic selbst nennt Mythos zu gefährlich, um es freizugeben. Genau diese Sorge stand auch hinter der jetzt verschobenen Order.
Im Weissen Haus prallen also zwei Linien aufeinander: Die eine sieht die Cyber-Fähigkeiten von Frontier-Modellen als nationale Sicherheitsfrage und will einen Pre-Launch-Check etablieren. Die andere argumentiert, jede Regulierungslinie sei ein Geschenk an Peking. Welche Linie sich am Ende durchsetzt, ist offen – das Verschieben war keine Absage, sondern eine Pause.
Du kennst die Dynamik aus anderen Feldern: Wenn Washington Regulierung schwächt, gewinnt Brüssel automatisch an Bedeutung. Drei Punkte sind relevant:
Trump kann den Erlass jederzeit erneut auf den Tisch legen. Bis dahin gilt: Die Frontier-Anbieter regulieren sich selbst – und die wichtigste US-Behörde, die Mythos-Klasse-Modelle prüfen sollte, ist bis auf Weiteres ein leeres Schild im Oval Office.