Apples Watch fasst Gespräche per KI zusammen, das iPhone weist die Echtheit von Fotos nach. In der Schweiz fehlen die Mithör-Funktionen vorerst.
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Apple verkauft Always-Listening als Datenschutz-Feature – technisch sauber abgesichert, aber die Einwilligung des Gegenübers bleibt ungelöst. Für die Schweiz ist die Frage vorerst theoretisch: Live Rewind und Siri Recap fehlen auf Apples Schweizer Seite komplett, die Hardware kommt trotzdem ab CHF 369.
Apple hat am 9. September 2026 in Cupertino sein Herbst-Event «Surprise and Shine» abgehalten – den ersten unter dem neuen CEO John Ternus. Die Schlagzeile machte zwar das faltbare iPhone Duo, der eigentliche Bruch steckt aber in der Software: Die Apple Watch Series 12 kann künftig Gespräche mithören, transkribieren und per KI zusammenfassen, und das iPhone 18 Pro bekommt mit «Apple Reference Image» einen Echtheitsnachweis für Fotos. Beides zielt auf dasselbe Problem – Vertrauen in einer Welt voller KI-Inhalte – und beides wirft neue Fragen auf.
Unter dem Label Audio Intelligence bündelt Apple vier Funktionen. Die unstrittigste ist die Geräuscherkennung: Die Uhr warnt gehörlose oder schwerhörige Menschen vor Sirenen, Alarmen, Türklingeln oder einem weinenden Baby – laut Apple vollständig auf dem Gerät berechnet, auch ohne iPhone in der Nähe.
Heikler sind die zwei anderen. Live Rewind zeigt nach einem Doppeldruck auf die Digital Crown die letzten 15 Sekunden eines Gesprächs als Textschnipsel an, den man in der neuen Siri-App speichern kann. Siri Recap hört im Hintergrund mit und erstellt danach automatisch Titel und Kernpunkte einer Unterhaltung – laut Apple ausdrücklich keine wörtlichen Transkripte.
Apple stellt ein ganzes Schutzpaket davor: Es würden keine Audioaufnahmen erstellt oder gespeichert, die Roh-Audiodaten seien für Betriebssystem, Apps, Nutzerinnen und selbst für Apple unzugänglich, weil der S11-Chip sie in einem hardware-isolierten Bereich verarbeite und sofort lösche. Sprecher werden nicht zugeordnet, Live Rewind spielt auch bei stummgeschalteter Uhr einen hörbaren Ton und zeigt eine bildschirmfüllende Mikrofon-Animation, und die gespeicherten Schnipsel sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
Genau hier setzt die Kritik an. TechCrunch-Redaktorin Sarah Perez argumentiert, Apple normalisiere damit die Vorstellung, dass Technik permanent mithört – und verschiebe die Frage der Einwilligung auf das Gegenüber, das von dem Textschnipsel nichts weiss.
Das ist auch hierzulande relevant: Das Schweizer Strafrecht stellt in Art. 179ter StGB das unbefugte Aufnehmen nicht öffentlicher Gespräche unter Strafe, und das revidierte Datenschutzgesetz verlangt Transparenz bei der Bearbeitung von Personendaten. Ob eine KI-Zusammenfassung ohne gespeichertes Audio rechtlich gleich behandelt wird wie eine Tonaufnahme, ist offen – wer solche Funktionen im Berufsalltag einsetzen will, klärt das besser vorher ab.
Praktisch entschärft sich die Frage in der Schweiz von selbst. In Apples Fussnoten zur US-Mitteilung steht, dass Live Rewind und Siri Recap erst Ende 2026 in einer Beta erscheinen, zunächst nur auf Englisch und «nicht zu Beginn in der EU». Auf der deutschsprachigen Schweizer Newsroom-Seite tauchen die beiden Funktionen gar nicht erst auf – dort nennt Apple unter Audio Intelligence nur Geräuscherkennung und Shazam.
Die Hardware kommt trotzdem: Die Apple Watch Series 12 ist laut Apple ab CHF 369 inklusive Mehrwertsteuer erhältlich und ab dem 18. September im Handel. Das iPhone Duo startet gemäss «Netzwoche» in der Schweiz bei 1999 Franken für 256 Gigabyte – gut das Fünffache der Uhr –, vorbestellbar ab 16. Oktober, ausgeliefert ab 23. Oktober.
Die zweite KI-Neuheit geht in die Gegenrichtung. Bei Apple Reference Image erfasst der Hauptsensor des iPhone 18 Pro beim Auslösen zusätzlich signierte Sensordaten. Apples Private Cloud Compute macht daraus ein unveränderbares Referenzbild in der Fotos-App, mit dem sich jede spätere Version des Fotos vergleichen lässt – Apple nennt es ein «digitales Negativ». «Das ist entscheidend für Fotojournalistinnen und Fotografen», so das Unternehmen. Entwickler bekommen dafür Schnittstellen, zusätzlich unterstützt Apple den Kennzeichnungsstandard SynthID.
Dazu kommt eine überarbeitete Health-App, die mit Apple Intelligence einen Bereitschafts-Score und ein geschätztes «Health Age» berechnet – Start noch dieses Jahr, zunächst in US-Englisch. Und selbst in der Fertigung taucht KI auf: Laut Hardware-Chef Johny Srouji paart Apple beim Duo-Scharnier jedes einzelne Gelenk per Algorithmus mit dem passenden Gehäuse und druckt bis zu 25 Mikroschichten eines Spezialpolymers auf, um Restwellen zu tilgen.
Ternus' Botschaft zum Auftakt war dabei unmissverständlich: Das beste KI-Gerät sei kein neues Gadget, sondern das iPhone. Apple Intelligence laufe deshalb «auf dem Gerät, wann immer es geht». Ob das reicht, um ein mithörendes Armband sympathisch zu machen, entscheidet sich erst, wenn die Funktion tatsächlich in Europa landet.
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