Die Agents API startet als Public Beta, GPT-Live-1 kommt in die API. Das Sprachmodell hört und spricht gleichzeitig – für 0.05 Dollar pro Minute.
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OpenAI macht zwei Schichten zu Infrastruktur, die bisher jedes Team selbst bauen musste – das Agenten-Gerüst und die Sprachschicht. Für Schweizer KMU wird der KI-Telefonist damit technisch trivial; offen bleiben Schweizerdeutsch und die DSG-Pflichten.
OpenAI hat am 10. September 2026 gleich zwei Bausteine für die Entwickler-Plattform freigegeben: die Agents API als Public Beta und das Sprachmodell GPT-Live-1 in der API. Die Agents API stellt genau das Gerüst bereit, das hinter Codex läuft – Orchestrierung, tagelange Sessions, Kontext-Verwaltung –, während GPT-Live-1 für 0.05 US-Dollar pro Minute eine Stimme liefert, die zuhören und sprechen kann, ohne dass eines davon warten muss.
Wer bisher einen KI-Agenten gebaut hat, musste den unangenehmen Teil selbst schreiben: Was passiert, wenn das Kontextfenster voll ist? Wie überlebt eine Aufgabe, die über Stunden läuft? Wer koordiniert mehrere Teilagenten?
Genau diese Schicht – in der Branche Harness genannt, also das Gerüst zwischen Modell, Werkzeugen und Speicher – übernimmt OpenAI jetzt als verwalteten Dienst. Laut Ankündigung reicht ein einziger API-Aufruf, um Aufgabe, Modell, Werkzeuge und Umgebung festzulegen. Mit dabei:
Zusatzkosten gibt es laut OpenAI keine: Man zahlt nur Tokens und Tools. Das zugrundeliegende Codex-Harness bleibt als Open Source einsehbar.
GPT-Live-1 kennst du womöglich schon aus ChatGPT – neu ist der Zugang über die API. Das Modell arbeitet full-duplex: Es verarbeitet eingehendes und ausgehendes Audio in einem Zug, statt die klassische Kette aus Spracherkennung, Sprachmodell und Sprachausgabe zu durchlaufen. Unterbrechungen, «Mhm» und Hintergrundlärm werfen es dadurch weniger aus der Bahn.
Die Zahlen dazu stammen aus OpenAIs eigenen Messungen und sind entsprechend mit Vorsicht zu lesen: Im Full-Duplex-Interaktivitätstest erreicht GPT-Live-1 demnach 80,1 Prozent gegenüber 45,4 Prozent beim Vorgänger GPT-Realtime-2.1, die Antwortverzögerung sinkt von 1,4 auf 0,8 Sekunden, die Trefferquote beim Werkzeugaufruf steigt von 60 auf 87 Prozent. In einem Banking-Support-Benchmark meldet OpenAI 32 statt 12,4 Prozent gelöste Aufgaben. Unabhängige Tests fehlen bislang.
Dazu kommen zwölf neue Stimmen über verschiedene Akzente und Sprachen hinweg sowie Transkripte direkt aus dem Modell. Yelp setzt GPT-Live-1 laut CTO Alex Levy bereits für Telefonreservationen ein und meldet bessere Abwicklungsraten bei Anrufen.
Telefonie ist der offensichtliche Anwendungsfall – und in Schweizer KMU der Ort, wo täglich Zeit verloren geht: Terminanfragen, Öffnungszeiten, Rückrufe. Ein Agent, der Unterbrechungen aushält, ist hier deutlich brauchbarer als einer, der stur seinen Satz zu Ende spricht.
Zwei Dinge bleiben aber deine Hausaufgabe. Erstens die Sprache: Zwölf Stimmen über Akzente und Sprachen hinweg sagen noch nichts über Schweizerdeutsch – wer Dialekt am Telefon erwartet, sollte vor dem Rollout testen statt hoffen. Zweitens der Datenschutz: Ein Telefongespräch ist eine Personendatenbearbeitung im Sinne des revidierten Datenschutzgesetzes. Das heisst Informationspflicht gegenüber dem Anrufer, ein sauberer Auftragsbearbeitungsvertrag mit dem Anbieter und Klarheit darüber, wohin die Audiodaten fliessen. Wer zusätzlich in der EU tätig ist, muss seit dem 2. August 2026 auch die Transparenzpflicht des EU AI Act mitdenken: Menschen müssen wissen, dass sie mit einer Maschine sprechen.
Kurz gesagt: Die Technik für den KI-Telefonisten ist ab heute für jeden Entwickler buchbar. Die Rechtsfrage und der Dialekt sind es nicht.
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