Innerhalb von 72 Stunden kippen zwei Deals die Bewertungslandschaft der KI-Branche: 10 Milliarden Dollar für Bezos' Physical-AI-Lab Prometheus und eine 60-Milliarden-Kaufoption von SpaceX auf Cursor. Zwei Setzungen, zwei Thesen, zwei Lehrstunden im Tempo des aktuellen KI-Booms.

Bezos zielt mit Prometheus auf KI für physische Produkte, Musk baut über Cursor den Software-Stack bis zum Entwickler – reine Modellanbieter bekommen von beiden Seiten Druck.
Innerhalb von 72 Stunden kippen zwei Deals die Bewertungslandschaft der KI-Branche: Jeff Bezos schliesst 10 Milliarden Dollar für seine Physical-AI-Firma Prometheus ab, und Elon Musks SpaceX sichert sich eine Kaufoption auf das KI-Coding-Startup Cursor für 60 Milliarden Dollar. Zwei Setzungen, zwei Thesen, zwei Lehrstunden im Tempo des aktuellen KI-Booms.
Project Prometheus, das Jeff Bezos gemeinsam mit Google-Veteran Vik Bajaj führt, hat eine Finanzierungsrunde über 10 Milliarden Dollar geschlossen – zu einer Post-Money-Bewertung von 38 Milliarden Dollar. Mit dabei: JPMorgan Chase und BlackRock, aber ohne Lead-Investor. Das Lab ist erst im November 2025 mit 6,2 Milliarden Dollar gestartet. Nach dieser zweiten Runde liegt die Gesamtfinanzierung bei über 16 Milliarden Dollar – und das Team ist inzwischen auf mehr als 120 Forschende angewachsen, abgeworben bei OpenAI, xAI, Meta und DeepMind.
Anders als OpenAI oder Anthropic setzt Prometheus nicht primär auf Sprachmodelle. Die Mission: Physical AI – Systeme, die durch Interaktion mit der echten Welt lernen und die Gesetze der Physik verstehen, statt nur aus Text und Bildern. Gemeint sind KI-Modelle und Werkzeuge, die bei Entwurf und Herstellung physischer Produkte helfen sollen.
Bezos plant parallel eine separate Investment-Holding mit einem Zielvolumen von bis zu 100 Milliarden Dollar. Deren Auftrag: Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen an Firmen aus den Bereichen Architektur, Engineering und Bau – also jenen Branchen, die von KI am stärksten umgekrempelt werden dürften. Die Daten aus diesen Firmen sollen direkt in Prometheus' Modelle zurückfliessen. Ein geschlossener Kreislauf aus Realdaten und KI-Training, den kein reiner Modellanbieter so einfach nachbilden kann.
Parallel dazu spielt sich im KI-Coding-Segment ein Drama eigener Klasse ab. Anysphere, die Firma hinter dem KI-Coding-Editor Cursor, verhandelt eine 2-Milliarden-Dollar-Runde bei 50 Milliarden Dollar Pre-Money – co-geführt von Andreessen Horowitz und Thrive Capital, mit Nvidia als strategischem Teilnehmer. Bloss: Kaum war die Runde in der Mache, schob SpaceX einen eigenen Hammer nach.
SpaceX hat sich das Recht gesichert, Cursor später im Jahr für 60 Milliarden Dollar zu kaufen. Falls es nicht zur Übernahme kommt, zahlt SpaceX 10 Milliarden Dollar für die laufende Zusammenarbeit. Der geplante Vollzug: nach dem SpaceX-IPO im Sommer – bezahlt dann mit frisch gelisteten Aktien, damit vorher keine vertraulichen Zahlen angepasst werden müssen.
Ein Blick auf die Bewertungshistorie erklärt, warum Silicon Valley aktuell schwindelig ist:
Das ist eine 24-fache Bewertungssteigerung in rund 16 Monaten. Der Umsatzmotor dahinter: Cursor ist laut Anysphere das schnellste B2B-Unternehmen, das je von null auf 2 Milliarden Dollar ARR skalierte – in etwa drei Jahren. Prognose des Unternehmens für Ende 2026: über 6 Milliarden Dollar ARR.
Der Cursor-Deal macht auch Musks Strategie sichtbar. SpaceX hat im Februar 2026 xAI übernommen – inklusive Grok und der X-Plattform. Mit Cursor käme nun die Entwickler-Distribution dazu. Gepaart mit Colossus, SpaceX' Supercomputer mit angeblich der Rechenleistung von rund einer Million Nvidia H100, wäre das ein integrierter Stack aus Chips, Modellen, Plattform und Coding-Tool – unter einem Dach, das sich IPO-Geld besorgt.
Direkt Schweiz-relevant sind beide Deals zunächst indirekt, aber nicht trivial. Cursor ist unter Schweizer Entwicklerinnen und Entwicklern längst ein verbreitetes Werkzeug – eine Übernahme durch SpaceX würde die Frage aufwerfen, wer künftig entscheidet, wie dieses Tool gepreist, weitergedacht oder eingebettet wird. Bei Prometheus ist der Hebel strategisch: Ein Lab, das gezielt Architektur-, Engineering- und Bau-Know-how in KI verwandelt, zielt auf genau jene Disziplinen, in denen die Schweiz international stark ist – von Hochbau bis Präzisionstechnik. Wer die Datenbasis dominiert, prägt auch die Werkzeuge, mit denen Schweizer Ingenieurbüros in zehn Jahren arbeiten.
Die beiden Deals sind mehr als Schlagzeilen. Sie zeigen, wo das nächste KI-Spielfeld liegt: weg vom reinen Chatbot, hin zu KI für physische Produkte und KI für Software-Ingenieure. Bezos will den Engineering-Stack der Realwelt, Musk den Software-Stack inklusive Endpunkt beim Entwickler. Dazwischen wird es eng – für reine Modellanbieter genauso wie für klassische Tool-Hersteller. Und die Tempokurve bei Cursor ist das wohl eindringlichste Diagramm, das diese Woche durch Investorendecks ging.

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