NewsKategorienWissenNewsletter-ArchivEvents
AnmeldenKostenlos abonnieren
JEDEN MONTAG
Die wichtigsten KI-News der Woche — in 5 Minuten.

Der wöchentliche KI-Newsletter für die Schweiz. Kompakt, relevant, zero Bullshit. 5 Minuten lesen, 1 Woche informiert.

FOLGE UNS
LIXIG
NAVIGATION
KI NewsArchivNewsletter-ArchivAutorenÜber unsKontakt
KATEGORIEN
KI-ForschungKI-BusinessRegulierung & EthikKI in der SchweizKI-Tools & AppsNeue Modelle
WISSEN & REFERENZ
KI-GlossarKI-Events SchweizEvent einreichenLLM-VergleichSchweizer KI-StartupsFirmen & OrganisationenKI-Regulierung SchweizKI-Rechenzentren SchweizKI in der VerwaltungApertus in der Praxis
RECHTLICHES
ImpressumDatenschutzAGB
© 2026 Inoo GmbH · Altstätten SG · Schweiz
Ein Produkt von InooSwiss Made Software
HOME·NEWS·KI-FORSCHUNG

Claude entwirft in 64 Stunden Proteine gegen Skorpiongifte

Anthropic liess ein internes Claude-Forschungsmodell rund 64 Stunden weitgehend autonom Minibinder-Proteine gegen fünf Skorpion-Neurotoxine entwerfen. Von 211 im Labor getesteten Designs erfüllten 17 die Binder-Kriterien, die stärksten erreichen einstellige nanomolare Affinität. Ein Gegengift ist das nicht: Getestet wurde nur die Bindung an rekombinante Toxine.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
21. OKTOBER 2026
3 MIN. LESEZEIT
Handgezeichnete Skizze einer Laborbank mit einem Reagenzglasgestell in Elektroblau, Pipetten in einer Halterung und einem Becherglas vor einem hohen Fenster.
Handgezeichnete Skizze einer Laborbank mit einem Reagenzglasgestell in Elektroblau, Pipetten in einer Halterung und einem Becherglas vor einem hohen Fenster.
INHALT
01Von 318'484 Entwürfen zu 211 Kandidaten0217 Treffer, alle nur für ein Gift03Warum «Antivenom» zu früh ist04Offene Daten, vorsichtiger Optimismus
INHALT
01Von 318'484 Entwürfen zu 211 Kandidaten0217 Treffer, alle nur für ein Gift03Warum «Antivenom» zu früh ist04Offene Daten, vorsichtiger Optimismus
Inoo GmbH
Präsentiert & entwickelt von
kinewsletter.ch ist ein Projekt der Inoo GmbH

KI-Beratung und Softwareentwicklung aus dem St. Galler Rheintal.

inoo.ch →
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

KI-Forschung liefert im Labor echte Binder gegen Skorpiongifte, bis zu einem wirksamen Antivenom ist es aber noch ein weiter Weg.

Anthropic hat ein internes Claude-Forschungsmodell rund 64 Stunden lang weitgehend selbstständig kleine Proteine entwerfen lassen, die an Skorpiongifte andocken sollen. Von 211 im Labor getesteten Designs erfüllten 17 die Kriterien eines Binders, wie Anthropic am 20. Oktober 2026 mitteilt. Ein Gegengift ist das ausdrücklich nicht: Getestet wurde nur, ob die Proteine an die Toxine binden, nicht, ob sie diese auch unschädlich machen.

Von 318'484 Entwürfen zu 211 Kandidaten

Die Aufgabe: sogenannte Minibinder entwerfen, also winzige Proteine, die gezielt an ein anderes Molekül haften. Als Ziele dienten fünf Nervengifte von Skorpionen aus Mexiko, Brasilien, Nordafrika und dem Nahen Osten. Laut Anthropic arbeitete Claude die ersten 24 Stunden nach dem Startauftrag allein, danach gab es vier Folgeaufträge.

Das Modell nutzte 12 Entwurfswerkzeuge und erzeugte 318'484 Designs. Dazu kamen 553'052 Simulationen, in denen jeweils ein Design und ein Toxin virtuell zusammengesetzt wurden (Co-Folding). Claude wählte 180 Designs aus, 31 weitere kamen mit seiner Hilfe dazu. Aufgewendet wurden rund 10'000 GPU-Stunden. Als Partner nennt Anthropic die Investmentforschungsfirma Citrini Research, die Labortests übernahmen Adaptyv Bio und Twist Bioscience.

17 Treffer, alle nur für ein Gift

Als Treffer galt, wer in allen Messungen beider Labore an das Toxin band, eine Bindungsstärke von mindestens 1 Mikromolar erreichte und nicht an ein Kontrollprotein haftete. 17 der 211 Designs (rund 8 Prozent) schafften das:

WEITERLESENDas könnte dich auch interessieren.

Handgezeichnete Skizze einer Reihe kleiner Set-Top-Boxen auf einem Regal, verbunden durch blaue Kabel, mit einem blauen Keimling auf der letzten Box
  • 7 gegen das Toxin Cn2
  • je 4 gegen AaH I und AaH II
  • 2 gegen LqhIII
  • Bei den 60 Designs, die auf je ein einzelnes Toxin zielten, waren es 11 Treffer (18 Prozent) – laut Anthropic im üblichen Rahmen solcher Kampagnen. Designs, die gleich mehrere Toxine abdecken sollten, scheiterten durchwegs. Die stärksten Binder, Cn2-B1 und Cn2-B2, erreichen eine Bindungsstärke im einstelligen nanomolaren Bereich. Zum Vergleich: Für drei bekannte Antikörper oder Nanobodies gegen Cn2 oder AaH II sind laut Anthropic Werte unter 1 Nanomolar berichtet, sie binden also noch fester.

    Warum «Antivenom» zu früh ist

    Der Haken steckt im Kleingedruckten. Die Proteine wurden nur gegen im Labor hergestellte Toxine geprüft, nicht gegen echtes Gift. Ob sie in Zellen oder Tieren etwas neutralisieren, ist offen. Anthropic selbst betont, kein Gegengift entwickelt zu haben. Nächste Schritte wären Tests mit Gift aus Skorpionen, Messungen an Ionenkanälen und Mausversuche. Hinzu kommt: Die Ergebnisse stehen in einem technischen Bericht, nicht in einer begutachteten Fachzeitschrift, wie Interesting Engineering festhält.

    Der Hintergrund ist ernst. Skorpione stechen laut Anthropic jährlich mindestens 1,2 Millionen Menschen und fordern über 3'250 Todesopfer, vor allem Kinder in Regionen mit schlechtem Zugang zur Medizin.

    Offene Daten, vorsichtiger Optimismus

    Alle 211 Designs samt vorhergesagten Strukturen und Messdaten hat Anthropic auf Hugging Face veröffentlicht, andere Teams können die Resultate also nachprüfen. Die externen Fachleute Susana Vázquez Torres und Timothy Jenkins nennen das Projekt laut Anthropic einen vielversprechenden ersten Schritt; Jenkins: Ein Binder gegen praktisch jedes Ziel zu entwerfen, wirke nicht mehr unrealistisch. Das ist eine Einschätzung, die Anthropic auf der eigenen Seite wiedergibt.

    Einordnung: Ende September berichteten wir, wie Claude in 21 Stunden ein neues Enzymsystem fand. Der Skorpion-Versuch zeigt, wie weit autonome KI-Forschung inzwischen im Labor ankommt – und wo sie aufhört: Zwischen Bindung an ein Toxin und einem wirksamen Medikament liegen noch viele Studien.

    Quellen

    Anthropic, 20.10.2026↗ EXTERNER LINKInteresting Engineering, 20.10.2026↗ EXTERNER LINKHugging Face, Datensatz↗ EXTERNER LINK
    FIRMEN IN DIESEM ARTIKEL
    AnthropicHugging Face
    TEILEN
    LinkedIn→X / Twitter→E-Mail→
    KOSTENLOS ABONNIEREN
    Diese News jeden Montag in dein Postfach?
    Handgezeichnete Skizze einer Reihe kleiner Set-Top-Boxen auf einem Regal, verbunden durch blaue Kabel, mit einem blauen Keimling auf der letzten Box
    KI-FORSCHUNG·13. OKTOBER 2026

    Kleine KI-Modelle könnten sich bald auf Billiggeräten vermehren

    Anthropics Red Team warnt in einer Studie, kleine Modelle könnten in Monaten fähig sein, sich auf günstigen Geräten wie Android-TV-Boxen selbst zu verbreiten. Der Test war bewusst vereinfacht.

    Handgezeichnete Illustration zum Artikel «arXiv erlaubt dir nur noch zwei Paper pro Monat», kinewsletter.ch Stil
    Handgezeichnete Illustration zum Artikel «arXiv erlaubt dir nur noch zwei Paper pro Monat», kinewsletter.ch Stil
    KI-FORSCHUNG·3. OKTOBER 2026

    arXiv erlaubt dir nur noch zwei Paper pro Monat

    Die wichtigste Preprint-Plattform der Wissenschaft führt ein Einreichungslimit ein: zwei Paper pro Person und Monat. Grund ist die KI-getriebene Flut, die freiwillige Moderatoren überlastet.

    Tuschskizze eines elektroblauen Proteinbands neben Lupe und DNA-Doppelhelix
    Tuschskizze eines elektroblauen Proteinbands neben Lupe und DNA-Doppelhelix
    KI-FORSCHUNG·2. OKTOBER 2026

    DeepMind markiert KI-Proteine: 100 % Detektion, Funktion bleibt

    Google DeepMind hat in Nature SynthID Bio vorgestellt, ein Wasserzeichen für KI-designte Proteine. Laut Paper erkennt es Sequenzen mit 100 % Trefferquote bei 0,1 % Fehlalarm, ohne die Funktion zu stören. Entfernbar ist es aber trotzdem.

    Tuschskizze eines Schweissroboters in Elektroblau neben Stahlträger und Werkzeugtisch
    Tuschskizze eines Schweissroboters in Elektroblau neben Stahlträger und Werkzeugtisch
    KI-FORSCHUNG·2. OKTOBER 2026

    Roboter können 74 % der körperlichen Aufgaben, rentabel sind 0.3 %

    Anthropic hat gemessen, welche körperlichen Aufgaben Roboter heute übernehmen könnten: 74 %, das sind 34 % der Arbeitszeit. Kostengünstiger als Menschen sind sie aber nur bei 0.3 %. Bei heutigen Preistrends dauert es rund 40 Jahre bis 10 %.

    Tuschskizze einer Wendeltreppe aus Zahnrädern und Platinen mit einem blau gefüllten Zahnrad im Zentrum
    Tuschskizze einer Wendeltreppe aus Zahnrädern und Platinen mit einem blau gefüllten Zahnrad im Zentrum
    KI-FORSCHUNG·29. SEPTEMBER 2026

    22 KI-Forschende warnen vor einer «Intelligenzexplosion»

    Geoffrey Hinton, Yoshua Bengio und OpenAI-Forschungschef Jakub Pachocki warnen in einem Papier vor einer Intelligenzexplosion. Automatisierte KI-Forschung könnte Jahre an Fortschritt in Monate pressen, die Politik brauche Einblick. Kritiker sehen auch Eigeninteresse der Labors.

    Tusche-Skizze einer Küchenzeile: ein grosser elektroblauer Roboterarm greift nach einer Tasse, darunter eine offene Besteckschublade, dahinter Wasserkocher und Kartons.
    Tusche-Skizze einer Küchenzeile: ein grosser elektroblauer Roboterarm greift nach einer Tasse, darunter eine offene Besteckschublade, dahinter Wasserkocher und Kartons. (Dark Mode)
    KI-FORSCHUNG·28. SEPTEMBER 2026

    Stanford steckt GPT-6 Astra direkt in einen Haushaltsroboter

    Forschende aus Stanford und Caltech streichen bei ihrem Roboter die gelernte Steuerungsschicht und lassen ein Sprachmodell direkt die Bewegungsbefehle aussuchen. Was das taugt – und was die Demo verschweigt.

    Mehr aus KI-Forschung →