Ein MIT-Spin-off namens Ferveret kühlt KI-Chips mit einem Trick aus der Kernreaktor-Physik – ganz ohne Wasser und mit deutlich weniger Strom. Im Test holte das System 35 Prozent mehr Rechenleistung aus derselben Energie.
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Während KI-Rechenzentren immer mehr Strom und Wasser schlucken, verspricht Ferveret beides drastisch zu senken – mit Physik aus dem Atomreaktor.
Der KI-Boom hat einen unsichtbaren Hunger: Rechenzentren. Bis Ende des Jahrzehnts könnten sie in den USA 9 bis 17 Prozent des gesamten Stroms verbrauchen – und rund ein Drittel davon geht allein fürs Kühlen der Chips drauf. Genau hier setzt Ferveret an, ein Spin-off aus dem MIT, das diese Woche vorgestellt wurde.
Ferveret taucht die Server in eine spezielle Flüssigkeit, die Wärme viel besser ableitet als Luft. Der Trick liegt in den Blasen: Das «Adaptive Phase Cooling» erzeugt an der Chip-Oberfläche besonders kleine Blasen, die sich häufiger ablösen und sofort wieder verflüssigen. Dieser schnelle Kreislauf transportiert die Hitze rasant weg – mit minimalem Temperaturunterschied zwischen Chip und Flüssigkeit.
Das Verfahren stammt aus der Kernreaktor-Physik und heisst «subcooled boiling». Gegründet haben Ferveret 2021 der frühere MIT-Postdoc Reza Azizian und Nuklear-Professor Matteo Bucci – zwei Forscher, die jahrelang an der Wärmeübertragung in Atomreaktoren gearbeitet haben. Anders als bisherige Methoden kommt ihre Flüssigkeit ohne die giftigen PFAS-«Ewigkeitschemikalien» aus.
In einer Studie mit der University of California in Los Angeles erreichte Ferveret 15 Prozent mehr Rechenleistung pro Watt als die beste bisherige Flüssigkühlung. Zusammen mit der eigenen Steuersoftware sollen Rechenzentren so 35 Prozent mehr Token – also KI-Ausgaben – aus derselben Strommenge holen. Und das ganz ohne Wasserverbrauch.
Getestet wird die Technik bereits mit Firmen wie CleanSpark, dem KI-Chip-Entwickler FuriosaAI und dem Rechenzentrums-Betreiber Switch. Ferveret ist Teil von NVIDIAs Startup-Programm Inception und im Gespräch mit grossen Cloud-Anbietern.
Der eigentliche Clou: Ohne Wasser lassen sich Rechenzentren auch dort bauen, wo es viel Sonne, aber wenig Wasser gibt – etwa in Afrika, im Nahen Osten oder in trockenen Teilen der USA. «Die Sonne scheint an Orten, wo du kaum Wasser hast», sagt Mitgründer Bucci.
Einordnung: Die Debatte um KI dreht sich meist um Modelle und Chatbots. Doch der wahre Engpass ist Energie – und zunehmend Wasser. Auch in der Schweiz, wo Rechenzentren und ihr Ressourcenverbrauch zum politischen Thema werden, sind effizientere Kühlmethoden mehr als ein technisches Detail. Wer mehr KI will, muss zuerst das Kühlproblem lösen.