Anthropics Red Team warnt in einer Studie, kleine Modelle könnten in Monaten fähig sein, sich auf günstigen Geräten wie Android-TV-Boxen selbst zu verbreiten. Der Test war bewusst vereinfacht.
KI-Beratung und Softwareentwicklung aus dem St. Galler Rheintal.
Noch gibt es keinen frei laufenden KI-Wurm, die Studie ist ein Best-Case-Test. Ändere trotzdem bei Smart-TVs und Boxen das Standardpasswort und halte sie aktuell.
Anthropics Frontier Red Team hat am 12. Oktober eine Studie veröffentlicht, nach der kleine Open-Weight-Modelle «nur Monate» davon entfernt sein könnten, sich ohne Rechenzentrum selbst auf günstigen Geräten wie Android-TV-Boxen zu vervielfältigen. Einen frei laufenden KI-Wurm gibt es bisher nicht, die Autoren sprechen von ersten Anzeichen. Im Test verbreitete sich das Modell GLM-5.2 in 4 von 5 Durchläufen auf alle 8 Testknoten. Der entscheidende Teil des Tests war bewusst vereinfacht.
Die Autoren zerlegen die Replikation in vier Stufen: Ziele finden, Ausführung auf dem Gerät erlangen, das Modell dort einrichten (Inferenz-Setup) und sich weiterverbreiten. Gemessen haben sie vor allem die dritte Stufe, die sie als am wenigsten erforscht beschreiben. Modelle bis 30 Milliarden Parameter meistern laut Anthropic viele Einzelschritte, scheitern aber oft an der ganzen Kette. Qwen3.5-9B lief auf 8 von 9 getesteten Hardwaretypen. Mit übernommenen Notizen stieg seine Erfolgsquote beim Setup über mehrere Generationen von 45 % auf 61 bis 84 %.
Als Demo verteilte Anthropic das Modell Gemma4-26B-A4B auf 15 Android-TV-Boxen zu je rund 55 Dollar. Es schaffte 0,39 Token pro Sekunde und ist damit extrem langsam. Auch die Replikation dauert: Für das gesamte Setup eines 9-Milliarden-Modells nennt Anthropic 28 bis 51 Stunden, für Gemma4-26B 71 bis 150 Stunden, die Verdopplungszeit liegt im Bereich von Tagen. Eine Hochrechnung auf das Botnetz Kimwolf mit über 2 Millionen infizierten Geräten ergibt rund 80'000 Token pro Sekunde, was grob der von 40 H100-Grafikprozessoren entspricht. Die Autoren nennen das selbst eine grobe Schätzung.
Der Angriffsschritt war absichtlich trivial: Die Emulatoren in einer abgeschotteten Cloud-Umgebung hatten einen ungesicherten ADB-Port offen (ADB ist eine Entwickler-Schnittstelle von Android). Die Ergebnisse gelten deshalb als Obergrenze. Bei Social Engineering wie Spearphishing schnitten kleine Modelle deutlich schwächer ab. Auch die Prognose «bis Ende 2026» beruht auf einem allgemeinen Fähigkeitsindex (ECI), den die Autoren nur als Näherung verstehen. Ein stärkeres Modell als Berater brachte keine messbare Verbesserung.
Anthropic empfiehlt, Netzwerkauffälligkeiten wie grosse Modell-Downloads zu erkennen und infizierte Geräte unter Quarantäne zu stellen. Laut früherer Forschung zum Botnetz Mirai, die Anthropic anführt, wurden 92 % der Infektionen binnen 14 Tagen bereinigt, wenn Provider ihre Kunden benachrichtigten, ohne Benachrichtigung waren es 74 %. Hersteller sollten Standardpasswörter abschaffen; in Grossbritannien ist das bereits verboten.
Für dich heisst das: Ändere bei Smart-TVs und Boxen das Standardpasswort, installiere Updates und lass die Entwickleroptionen ausgeschaltet. Das sind unsere Schlüsse aus der Studie, keine Vorgaben von Anthropic.
Geoffrey Hinton, Yoshua Bengio und OpenAI-Forschungschef Jakub Pachocki warnen in einem Papier vor einer Intelligenzexplosion. Automatisierte KI-Forschung könnte Jahre an Fortschritt in Monate pressen, die Politik brauche Einblick. Kritiker sehen auch Eigeninteresse der Labors.