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Mathilde fährt allein durch Bern – Europas erster fahrerloser Lieferwagen im Alltag

In Bern rollt ab sofort das erste Lieferfahrzeug Europas im regulären Logistikbetrieb ohne Fahrer hinter dem Lenkrad. Das Berner Startup LOXO und Planzer machen es möglich.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
25. MAI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Skizze autonomes Lieferfahrzeug Mathilde mit Sensoren und Sicherheitspassagier
Skizze autonomes Lieferfahrzeug Mathilde Dark Mode, kinewsletter.ch Stil
INHALT
01Vier Jahre Pilot, jetzt der Sprung02Dynamic Micro-Hub heisst das Konzept03Wer ist Loxo?04Was ASTRA-Chef Röthlisberger sagt05Für dich konkret06Ausblick
INHALT
01Vier Jahre Pilot, jetzt der Sprung02Dynamic Micro-Hub heisst das Konzept03Wer ist Loxo?04Was ASTRA-Chef Röthlisberger sagt05Für dich konkret06Ausblick
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Mit ASTRA-Bewilligung fährt Mathilde ohne Mensch am Steuer durch die Berner Innenstadt – Europas erstes Level-4-Lieferfahrzeug im echten Logistikbetrieb.

In Bern rollt ab sofort das erste Lieferfahrzeug Europas durch den öffentlichen Strassenverkehr, das nach SAE-Stufe 4 unterwegs ist – also ohne Fahrer hinter dem Lenkrad. Der umgebaute VW ID. Buzz heisst «Mathilde», gehört Planzer und wird vom Berner Startup LOXO gesteuert.

Vier Jahre Pilot, jetzt der Sprung

Loxo und Planzer arbeiten seit September 2024 in Bern zusammen. Damals startete Mathilde noch mit Sicherheitsfahrer am Steuer auf 67 Kilometern Streckennetz und 14 Umschlagpunkten in der Stadt. Jetzt sitzt nur noch ein Sicherheitspassagier auf dem Beifahrersitz – die eigentliche Überwachung läuft remote. Das Astra (Bundesamt für Strassen) hat dafür eine Bewilligung erteilt, gestützt auf die seit März 2025 geltende Verordnung über das automatisierte Fahren.

SAE-Stufe 4 bedeutet: Das Fahrzeug übernimmt die komplette Fahraufgabe selbstständig innerhalb des bewilligten Gebiets. Es braucht keinen Menschen am Lenkrad, aber der Einsatz ist auf eine definierte Zone beschränkt – im Gegensatz zu Stufe 5, die überall funktionieren würde. Damit ist Mathilde laut Mitteilung das erste Fahrzeug dieser Kategorie in Europa, das im regulären Logistikbetrieb auf öffentlichen Strassen fährt.

Dynamic Micro-Hub heisst das Konzept

Das System dahinter ist genauso interessant wie die Technik. Standardisierte Wechselboxen werden im Planzer-Bahncenter beim Berner Güterbahnhof vorbeladen. Mathilde transportiert sie hochautomatisiert zu 14 Umschlagspunkten in der Innenstadt, wo sie auf elektrische Kleinfahrzeuge umgeladen werden – die «Planzer Paket»-Dreiräder übernehmen die letzte Meile zur Tür.

Die Boxen haben Kyburz und Planzer gemeinsam entwickelt. Der Sinn: Im Stadtzentrum braucht es kein 3,5-Tonnen-Fahrzeug, das pro Stopp anhält und blockiert. Stattdessen fährt das grosse Fahrzeug autonom zwischen wenigen Hubs, die leisen E-Dreiräder erledigen die Feinverteilung.

Wer ist Loxo?

Loxo AG wurde 2021 in Bern gegründet von Amin Amini (CEO), Lara Amini-Rentsch und Claudio Panizza. Das Startup entwickelt mit «LOXO Digital Driver» eine eigene Navigationssoftware für Level-4-Einsatz – fahrzeug-unabhängig, als SaaS-Modell. Erste Aufmerksamkeit bekam die Firma 2023 mit «Migronomous», einer 500-Meter-Lebensmittellieferung für Migros in Ebikon.

Seit Dezember 2024 hat Loxo eine Tochter in München; im November 2025 startete in Deutschland die erste autonome Lebensmittel-Heimlieferung mit REWE. Anfang 2026 wurde Loxo Teil der Venture Leaders Technology, der Schweizer Startup-Delegation ins Silicon Valley.

Was ASTRA-Chef Röthlisberger sagt

«Die Schweiz verfolgt beim automatisierten Fahren bewusst einen schrittweisen und sicherheitsorientierten Ansatz. Pilotprojekte wie jenes von LOXO und Planzer ermöglichen es, Erfahrungen unter realen Bedingungen zu sammeln.» — Jürg Röthlisberger, Direktor Bundesamt für Strassen ASTRA

Für dich konkret

Wenn du im Mai oder Juni in der Berner Innenstadt einen weissen ID. Buzz mit zwei kleinen Lidar-«Hörnchen» auf dem Dach siehst, kannst du davon ausgehen: Im Fahrersitz sitzt niemand. Mathilde fährt in Velo- und Fussgängerverkehr, dichten Kreuzungen und der typischen Mischsituation der Berner Altstadt.

Für die Schweizer Logistik-Branche ist das ein wichtiger Praxisbeleg: Level 4 funktioniert nicht nur in Phoenix oder auf US-Highways, sondern auch in einer kompakten europäischen Innenstadt mit anspruchsvollem Verkehr. Das ist der eigentliche Wert dieses Pilots.

Ausblick

Loxo und Planzer skalieren in Bern auf weitere Routen und arbeiten am nächsten Schritt: Level 5 – also ohne jeglichen Sicherheitspassagier im Fahrzeug. Parallel laufen weitere Schweizer Pilotprojekte (Swiss Transit Lab in Schaffhausen, SBB-Robotaxi im Furttal), aber Mathilde ist das erste mit kommerziellem Logistik-Auftrag und ohne Fahrer am Steuer.

Quellen

Moneycab – Original-Pressemitteilung↗ EXTERNER LINKNetzwoche↗ EXTERNER LINKInside-IT↗ EXTERNER LINKLoxo Success Story Planzer↗ EXTERNER LINKASTRA Blog↗ EXTERNER LINK
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