Die Onlinebank investiert bis 2028 in souveräne KI – mit eigenem 140-Petaflop-Datacenter. Ziel: Weg von OpenAI, Claude und Gemini für das, was wirklich zählt.
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Schweizer Finanzdienstleister, die jetzt nicht in eigene KI-Kapazität investieren, hängen in zwei Jahren ähnlich hinten wie heute jene, die kein Mobile-Banking haben.
Wenn eine Schweizer Onlinebank 30 Millionen Franken in den Aufbau einer eigenen KI in die Hand nimmt, hat das einen Grund: Sie will weg von ChatGPT, Claude und Gemini – zumindest für die Dinge, die ihr Kerngeschäft betreffen. Genau das hat Swissquote-CEO Marc Bürki in einem Interview mit «24 heures» bestätigt.
Die Zahl, die in der Mitteilung am meisten überrascht: Swissquote betreibt nach eigenen Angaben heute schon eines der zehn leistungsstärksten KI-Rechenzentren der Schweiz – mit einer Rechenleistung von 140 Petaflops. Zum Vergleich: Der Schweizer Supercomputer Alps am CSCS in Lugano kommt auf etwa das Hundertfache, aber für einen einzelnen Finanzdienstleister ist das eine bemerkenswerte Hausnummer.
Bis 2028 sollen weitere 30 Millionen Franken dazukommen. Parallel entsteht am Hauptsitz in Gland ein neuer Campus mit einem 60 Meter hohen Turm. Bürkis Begründung: Die Bank wolle zentrale Technologien selbst kontrollieren und die Abhängigkeit von externen Plattformen reduzieren – Stichwort digitale Souveränität.
Konkret läuft KI bei Swissquote bereits in mehreren Schichten:
Swissquote ist nicht alleine. Die Digitalbank Sygnum testet seit Anfang Mai Live-Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten über einen KI-Agenten. Beide signalisieren das gleiche: Wer im Schweizer Banking überleben will, baut seine eigene KI-Schicht – oder wird Kunde einer fremden.
Bürki sieht darin einen grösseren Trend: Onlinebanken nähern sich mit KI zunehmend der klassischen Vermögensverwaltung an. Swissquote will dabei nicht direkt ins Wealth-Management vorstossen, aber die Werkzeuge dafür entstehen gerade.
Wenn deine Bank dir in den nächsten Monaten einen «Finanz-Coach» oder «smarten Assistenten» anbietet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dahinter eine intern betriebene KI steckt – nicht eine White-Label-API von OpenAI. Für Datenschutz ist das eine gute Nachricht. Für den Wettbewerb auch: Schweizer Finanzdienstleister, die jetzt nicht in eigene KI-Kapazität investieren, hängen in zwei Jahren ähnlich hinten wie heute jene, die kein Mobile-Banking haben.