Ab 13 Jahren und nur mit Zustimmung der Eltern: So lautet die Regel für ChatGPT laut der Hilfeseite von OpenAI. Claude ist laut den Nutzungsbedingungen von Anthropic erst ab 18 gedacht, und Googles Gemini ist für Kinder unter 13 in der Schweiz gar nicht freigeschaltet (Stand Oktober 2026). In der Praxis halten Altersgrenzen wenig auf: Laut der JAMES-Studie 2024 von ZHAW und Swisscom haben 71 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen schon ChatGPT oder ähnliche KI-Tools genutzt, rund ein Drittel mindestens wöchentlich. Entscheidend ist deshalb, was zu Hause passiert.
Drei Anbieter, drei Regeln
Die grossen Anbieter ziehen die Grenze an unterschiedlichen Stellen. Das ist der Stand im Oktober 2026, die Regeln ändern sich aber regelmässig:
- ChatGPT: «Nicht für Kinder unter 13», Jugendliche zwischen 13 und 18 brauchen laut OpenAI die Zustimmung der Eltern. Eltern können ihr Konto mit dem des Teenagers verknüpfen und Einstellungen vornehmen.
- Claude: Laut den Consumer Terms von Anthropic (gültig ab 8. Oktober 2025) müssen Nutzende mindestens 18 sein oder das Alter erreicht haben, das im jeweiligen Land zur Einwilligung nötig ist.
- Gemini: Google sieht beaufsichtigte Konten für Kinder unter 13 über Family Link vor. Laut der Google-Hilfe sind diese Konten im EWR, in der Schweiz und in Grossbritannien aber nicht verfügbar.
Das Problem dahinter beschreibt die Bundesplattform jugendundmedien.ch: Viele KI-Tools fragen das Alter gar nicht erst ab. Kinder landen so in Systemen, die nicht für sie gebaut sind, oft ohne Inhaltsfilter für Minderjährige.
Wo Chatbots für Kinder heikel werden
Chatbots ahmen menschliche Kommunikation nach. Kinder erkennen nicht immer, ob am anderen Ende jemand sitzt, schreibt jugendundmedien.ch. Dazu kommen drei Punkte, die sich bei jedem grossen Sprachmodell (LLM) wiederholen: Antworten klingen überzeugend, können aber falsch sein (Halluzinationen), Eingaben fliessen unter Umständen ins Training ein, und generative KI kann täuschend echte Bilder erzeugen, auch manipulierte sexuelle Aufnahmen von Mitschülern.
Wie weit Schutzfunktionen tragen, hat Common Sense Media im Oktober 2026 getestet. Das Youth AI Safety Institute der Organisation prüfte «ChatGPT for Teens», das OpenAI am 18. August angekündigt hatte, mit mehr als 4000 Prompts auf Konten von 13- bis 17-Jährigen. Das Ergebnis: Die verknüpften Elternkonten erhielten keinen einzigen Alarm, obwohl die Testenden bis zu eine Stunde über Suizidgedanken, Selbstverletzung oder Essstörungen schrieben. Mehr als jede vierte nötige Krisenverweisung blieb aus, und der Lernmodus liess sich umgehen. Die Organisation stuft das Angebot als «unannehmbares Risiko» ein.
Einordnung: Das ist ein Test einer Organisation, die Medien für Kinder bewertet, keine unabhängige Prüfung durch eine Behörde. Aber er zeigt, warum Kontrollfunktionen Begleitung nicht ersetzen.
Was in der Schweiz gilt – und was nicht
Ein eigenes KI-Gesetz gibt es nicht. Laut jugendundmedien.ch (Rechtsstand Juni 2025) will der Bund bis Ende 2026 einen Vernehmlassungsentwurf vorlegen. Ein rechtsfreier Raum ist KI deswegen nicht: Es gelten das Strafgesetzbuch und das Zivilgesetzbuch, etwa bei Verleumdung (StGB Art. 173 ff.), Identitätsmissbrauch (StGB Art. 179decies) und Persönlichkeitsverletzungen (ZGB Art. 28 ff.). Manipulierte sexuelle Bilder sind verboten und strafbar.
Für dich heisst das: Es gibt keine Schweizer Altersgrenze für Chatbots. Massgeblich sind die Nutzungsbedingungen der Anbieter und deine Entscheidung als Eltern.
So richtest du ChatGPT für deinen Teenager ein
Wenn dein Kind ab 13 ChatGPT nutzen soll, ist ein verknüpftes Konto der solideste Weg. Die Funktionen stammen von der OpenAI-Seite zu den Elternkontrollen (Update vom 13. Juli 2026):
- Teenager legt sein eigenes Konto an, du stimmst der Nutzung zu.
- Du schickst aus deinem Konto eine Einladung, dein Kind nimmt sie an. Umgekehrt kann auch der Teenager einladen. Löst er die Verknüpfung, wirst du benachrichtigt.
- Stelle Ruhezeiten ein und schalte bei Bedarf Sprachmodus, Gedächtnisfunktion (Memory) und Bildgenerierung aus.
- Aktiviere den Opt-out vom Modelltraining, damit die Gespräche nicht zur Verbesserung der Modelle genutzt werden.
- Schalte den Lernmodus (Study Mode) als Standard ein. Die Schutzfilter für sensible Inhalte sind bei verknüpften Konten automatisch aktiv. Du kannst sie ausschalten, dein Kind nicht.
- Lass die Sicherheitsbenachrichtigungen an, aber verlass dich nicht darauf: Die Tests von Common Sense Media zeigen, dass Alarme ausbleiben können.
Bei Gemini gilt für unter 13-Jährige in der Schweiz vorerst: nicht verfügbar. Google rät allen Eltern, Kindern zu erklären, dass Gemini ein Werkzeug ist und kein Vertrauter, und dass Adresse, Schule oder Familiendaten nichts darin verloren haben.
Drei Fragen, bevor dein Kind startet
Bevor du Ja sagst, hilft ein kurzer Check. Wofür soll der Chatbot dienen: für Hausaufgaben, zum Üben einer Sprache oder zum Plaudern? Das Plaudern ist der heikelste Fall, weil Chatbots Gefühle und Vorlieben vortäuschen können. Common Sense Media beobachtete genau das, trotz der neuen Regeln für unter 18-Jährige. Welche Daten gibt dein Kind preis? Gespräche, Fotos und Stimme sind persönliche Daten, auch bei Kindern. Wer sieht mit? Ohne verknüpftes Konto niemand. Entscheide anhand der Antworten, ob ein begleiteter Einstieg, feste Zeiten am Familiengerät oder noch Warten das Richtige ist. Alle drei Wege sind legitim.
Das Gespräch zu Hause
Technik bleibt Flickwerk, das Gespräch trägt. Aus den sieben Tipps im JAMESfocus zu KI der ZHAW sind für Eltern diese fünf besonders nützlich:
- KI-Tools gemeinsam ausprobieren und Vor- und Nachteile offen besprechen.
- Ergebnisse prüfen und kritisch hinterfragen.
- Grenzen zeigen, etwa Halluzinationen und Verzerrungen.
- Klare Regeln festlegen, besonders für die Schule.
- Auf eine Balance zwischen digital und analog achten und KI-freie Räume bewahren.
Sprich auch über Dinge, die ein Kind einem Chatbot anvertrauen könnte. Wenn es mit einem Chatbot über Probleme spricht, die ihm zusetzen, ist das ein Signal, nicht ein Regelverstoss. Die Beratung 147 für junge Menschen ist kostenlos und vertraulich, telefonisch rund um die Uhr erreichbar. Dein Kind kann sich dort melden, auch ohne dass du davon weisst.









