Anthropic hat erste Ergebnisse aus der Wirkstoffforschung mit Claude veröffentlicht: sechs Partner aus Pharma und Biotech und ein eigenes Programm um die übernommene Firma Mithril Medicine. Beim Biotech Enveda sank der Prüfaufwand für Herstellungsunterlagen um 89 Prozent.
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Claude spart in der Wirkstoffentwicklung vor allem bei Dokumenten Zeit; ob die Designs zu Medikamenten werden, zeigt sich frühestens in Studien ab Ende 2028.
Anthropic hat am 27. Oktober erste Ergebnisse aus der Wirkstoffforschung mit Claude veröffentlicht: sechs Partner aus Pharma und Biotech sowie ein eigenes Programm um die übernommene Firma Mithril Medicine. Am deutlichsten ist der Effekt bei Dokumenten: Beim Biotech Enveda sank der Zeitaufwand für die Prüfung von Herstellungsunterlagen laut Anthropic um 89 Prozent, von über 25 auf unter 3 Stunden. Fast alles ist noch präklinisch, ein Wirkstoff könnte laut Anthropic frühestens Ende 2028 in die Studien am Menschen gehen.
Bei Enveda prüfte Claude 1'061 Seiten Herstellungsdokumentation und fand alle 11 Probleme, die auch menschliche Prüfer entdeckt hatten, dazu 7 weitere. Ein regulatorisches Dokument für eine Zulassungsstudie entwarf das System in vier Stunden, von Hand dauert das laut Anthropic rund drei Monate. Bristol Myers Squibb nutzt Claude, um Engpässe in der Planung klinischer Studien zu finden, und will die Zusammenarbeit 2027 ausbauen.
Mehrere Partner setzten Claude auch als Entwurfswerkzeug ein. Bei Generate Biomedicines bauten sechs Forschende mit Claude Code Agenten, die Signalbausteine für CAR-T-Zellen (gentechnisch veränderte Immunzellen gegen Krebs) umgestalteten. Von 186 getesteten Entwürfen war einer rund 70 Prozent kürzer als die Standardversion und brachte in Laborversuchen etwa zehnmal mehr Rezeptoren an die Zelloberfläche. Divergence Labs liess rund 35'000 Antikörper-Entwürfe gegen Nahrungsmittelallergien erzeugen. Von 91 getesteten «Disruptor»-Entwürfen lösten 20 gebundenes IgE ab, drei schnitten laut Anthropic bei realistischen Konzentrationen besser ab als das Medikament Xolair. BigHat Biosciences testete rund 1'010 Antikörper-Varianten in zehn Wochen, die finalen Moleküle banden 6- bis 9-mal fester.
Neu ist das eigene Programm: Anthropic hat das Ein-Personen-Start-up Mithril Medicine übernommen, das Therapien gegen zwei seltene Formen von Muskeldystrophie entwickelt. Der Gründer koordinierte mit Claude Verträge, Logistik und Experimente mit 11 externen Laboren und brachte einen bispezifischen Antikörper in unter 18 Monaten zu ersten Mausresultaten. Kandidaten will Mithril 2027 benennen, klinische Studien sind frühestens Ende 2028 geplant. Den Kaufpreis nennt Becker's Hospital Review nicht.
Die Zahlen stammen aus Anthropics eigenem Bericht und von den beteiligten Firmen, unabhängige Überprüfungen gibt es bisher nicht. Der Zeitgewinn bei Dokumenten ist leicht nachvollziehbar, ob die Designs später als Medikamente taugen, zeigt sich erst in klinischen Studien. Für den Schweizer Pharmastandort ist trotzdem relevant, dass ein KI-Konzern nicht mehr nur Software liefert, sondern selbst Wirkstoffe entwickelt.
Anthropic liess ein internes Claude-Forschungsmodell rund 64 Stunden weitgehend autonom Minibinder-Proteine gegen fünf Skorpion-Neurotoxine entwerfen. Von 211 im Labor getesteten Designs erfüllten 17 die Binder-Kriterien, die stärksten erreichen einstellige nanomolare Affinität. Ein Gegengift ist das nicht: Getestet wurde nur die Bindung an rekombinante Toxine.