Anthropic hat gemessen, welche körperlichen Aufgaben Roboter heute übernehmen könnten: 74 %, das sind 34 % der Arbeitszeit. Kostengünstiger als Menschen sind sie aber nur bei 0.3 %. Bei heutigen Preistrends dauert es rund 40 Jahre bis 10 %.
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Roboter können viel, rechnen sich aber erst bei 0.3 % der Arbeit, deshalb bleibt der Wandel in Handwerk und Industrie vorerst langsam.
Anthropic hat am 30. September 2026 eine Studie veröffentlicht, die eine häufige Sorge sortiert: Wenn KI Büroarbeit übernimmt, sind dann Handwerk und Industrie die Nächsten? Die kurze Antwort der Forschenden: Roboter könnten viel, rechnen sich aber kaum.
Die Autorinnen und Autoren haben mit Claude rund 7'600 körperliche Tätigkeiten aus der US-Berufsdatenbank O*NET bewertet. Für jede Aufgabe suchte das Modell nach Robotern, die sie heute nachweislich ausführen, und stufte ein, in welcher Umgebung das klappt: in speziell gebauten Anlagen wie Fabrikhallen, in strukturierten Arbeitsplätzen wie Lagern oder auf offener Strasse. Daraus entsteht ein «robot exposure index» (also ein Mass dafür, wie stark ein Beruf Robotern ausgesetzt ist).
Das Ergebnis in zwei Zahlen:
Die zwei Prozentzahlen 74 und 34 widersprechen sich also nicht. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Grundgesamtheiten: einmal auf körperliche Aufgaben, einmal auf alle Arbeit. Einige Berichte vermischen das.
«Können» heisst hier oft: in kontrollierten Umgebungen. Nur rund 2 % der körperlichen Aufgaben schaffen Roboter laut Studie in unstrukturierten Umgebungen, meist Fahren. Und die Hardware ist teuer.
Das Paradebeispiel sind Verpackerinnen und Verpacker in den USA. Die nötigen Roboter kosten laut Schätzung über 2 Millionen Dollar und ersetzen die Jahresarbeit von rund 14 Personen. Pro ersetzter Stelle ergeben sich etwa 45'000 Dollar pro Jahr, gegenüber etwa 49'000 Dollar für einen Menschen. Dort lohnt es sich knapp. Bei Schweisserinnen und Schweissern wären die nötigen Roboter dagegen etwa fünfmal so teuer wie die Menschen, weil viel Nebenarbeit mitläuft: Teile positionieren, Qualität prüfen, schleifen.
Sinken die Roboterpreise weiter um rund 3 % pro Jahr, wie seit den 1990ern, würde es laut Studie etwa 40 Jahre dauern, bis Roboter bei 10 % der Arbeit günstiger sind. Im schnellsten durchgerechneten Szenario, mit viermal schnellerem Preisverfall und doppelt so schnellem Fähigkeitszuwachs, wären es bis 2050 die Hälfte der körperlichen Arbeit. Yahoo Finance fasst das als «Blue-Collar-Arbeitende haben Jahrzehnte» zusammen. Das ist eine Lesart der Studie, nicht ihre eigene Formulierung.
Die Studie nennt auch Grenzen: Die Kosten sind Schätzungen, und neue Humanoide könnten die Preise schneller drücken als bisher. Zudem waren Berufe mit höherer Roboter-Exposition in den vergangenen 50 Jahren eher von sinkenden Löhnen und Beschäftigung betroffen.
Die Daten sind rein amerikanisch, auf die Schweiz lassen sie sich nicht eins zu eins übertragen. Zwei Schweizer Zahlen helfen trotzdem bei der Einordnung. Im zweiten Quartal 2026 stieg die Beschäftigung in Industrie und Bau laut SRF um 13'100 Stellen, die offenen Stellen in diesem Sektor legten um 21.8 % zu. Insgesamt arbeiteten 33.9 % der Beschäftigten in Betrieben, die Mühe haben, Fachkräfte zu finden. Der Sektor umfasst laut swissinfo rund 1.129 Millionen Beschäftigte (Q1 2026, BFS).
Heisst: Wo Leute fehlen, ist ein Roboter, der nur knapp nicht rentiert, eher eine Ergänzung als eine Bedrohung. Erste Pilotprojekte laufen, etwa bei der Post: Im Herbst 2025 testeten die Schweizerische Post, Migros Online und das ETH-Spin-off RIVR in Regensdorf einen vierbeinigen Roboter, der Pakete vom Lieferwagen zur Haustür trägt.
Fürs Erste gilt: Die Technik kann viel, die Rechnung geht selten auf. Bei Fahr- und Lagerjobs, die in der Studie am stärksten exponiert sind, lohnt sich ein Blick auf die Preisentwicklung am ehesten. Die Studie selbst liegt bei Anthropic als Volltext vor, inklusive Datensatz.
Google DeepMind hat in Nature SynthID Bio vorgestellt, ein Wasserzeichen für KI-designte Proteine. Laut Paper erkennt es Sequenzen mit 100 % Trefferquote bei 0,1 % Fehlalarm, ohne die Funktion zu stören. Entfernbar ist es aber trotzdem.