Ramps Mai-Index zeigt eine historische Premiere: 34,4 Prozent der US-Firmen zahlen für Anthropic, 32,3 für OpenAI. Vor zwölf Monaten lag Anthropic bei 9 Prozent.
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Anthropic hat in zwölf Monaten den Business-Markt umgepflügt – doch laut Ramp drohen Compute-Engpässe, steigende Token-Kosten und eine günstige Open-Source-Welle, die alles wieder kippen kann.
Die monatliche Ramp-Auswertung von über 50'000 US-Firmen zeigt: Mehr Unternehmen zahlen jetzt für Anthropic als für OpenAI. Eine Verfolgungsjagd, die vor einem Jahr noch undenkbar war – und die Anthropic genauso schnell wieder verlieren könnte.
Ramp, eine US-Fintech-Firma mit Ausgaben-Daten von mehr als 50'000 Unternehmen, veröffentlicht monatlich seinen AI Index. Die Mai-Ausgabe vom 13. Mai meldet eine historische Premiere: 34,4 Prozent der gemessenen Firmen zahlen für Anthropic-Dienste, nur noch 32,3 Prozent für OpenAI. Im April-Vergleich heisst das +3,8 Prozentpunkte für Anthropic, −2,9 Prozentpunkte für OpenAI. Die Gesamt-AI-Adoption stieg leicht auf 50,6 Prozent.
Der eigentliche Schock liegt im Jahresvergleich. Im Mai 2025 zahlten gerade einmal 9 Prozent der Ramp-Firmen für Anthropic. In zwölf Monaten hat sich der Wert vervierfacht. OpenAI legte im selben Zeitraum nur 0,3 Prozentpunkte zu – die Firma stagniert auf hohem Niveau, während Anthropic die Kurve hochläuft. Auch auf der OpenRouter-Bestenliste, einer anderen Stichprobe, lag OpenAI das letzte Mal im Dezember 2025 vor Anthropic.
Anthropic-Ökonom Ara Kharazian erklärt den Erfolg mit einer klaren Strategie: «Start mit einer sehr technischen Kundenbasis, Fokus auf deren Bedürfnisse, exzellente Umsetzung, dann Verbreiterung über Tools wie Cowork.» Claude Code, die agentische Coding-CLI, ist laut Anthropic das schnellst wachsende Produkt der Firmengeschichte – und das ist es, was Finance, Tech und Professional Services in den letzten Monaten ins Boot geholt hat.
Doch Kharazian selbst warnt offen vor drei Risiken, die Anthropics Vorsprung schmelzen lassen können:
Für dich als Schweizer Tech-Entscheider sind zwei Signale relevant. Erstens: Der Lock-in-Mythos zerbricht. Ramp schreibt explizit, die Switching-Kosten zwischen Frontier-Modellen seien «minimal» – wer heute Claude Code nutzt, kann morgen auf OpenAI Codex umsteigen. Zweitens: Die schnellst wachsenden KI-Vendors auf Ramp sind aktuell AI-Inference-Plattformen für günstige Open-Source-Modelle. Das ist die unterschätzte Bewegung im Markt – während alle auf Anthropic-vs-OpenAI starren, baut sich darunter eine Schicht günstiger Alternativen auf.
Schweizer Mittelständler, die jetzt KI-Verträge unterzeichnen, sollten mindestens jährlich neu evaluieren. Die Daten zeigen: Marktanteil bei KI-Modellen kann in zwölf Monaten kippen. Vendor-Bindung mit drei- oder fünfjährigen Laufzeiten ist unter diesen Bedingungen nicht klug.