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China gründet mit 29 Staaten eine eigene KI-Weltorganisation

29 Staaten haben in Shanghai die WAICO gegründet — Xi nennt sie einen «wichtigen Meilenstein». Neben Genf entsteht ein zweiter Pol der KI-Regulierung.

Pascal Eugster
Pascal Eugster
GRÜNDER & ENTWICKLER
18. JULI 2026
3 MIN. LESEZEIT
Illustration von Vertragsmappe und Füllfederhalter auf einem Signiertisch, kinewsletter.ch Stil
Illustration von Vertragsmappe und Füllfederhalter auf einem Signiertisch, kinewsletter.ch Stil
INHALT
0129 Unterschriften an einem Donnerstag02Ein Satz, der nach Washington zielt03Genf im Juli, Shanghai im Juli04Der Umweg über die UNO-Mehrheit
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0129 Unterschriften an einem Donnerstag02Ein Satz, der nach Washington zielt03Genf im Juli, Shanghai im Juli04Der Umweg über die UNO-Mehrheit
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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Die globale KI-Regulierung hat ab sofort zwei Adressen — Genf und Shanghai — und die Schweiz sitzt an der einen davon.

Am 16. Juli haben 29 Staaten in Shanghai ein Abkommen unterzeichnet, das eine neue zwischenstaatliche Organisation für künstliche Intelligenz schafft. Einen Tag später hielt Xi Jinping die Eröffnungsrede der Konferenz und nannte sie «einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der KI-Entwicklung». Genf hat damit Konkurrenz bekommen.

29 Unterschriften an einem Donnerstag

Die Organisation heisst World Artificial Intelligence Cooperation Organisation, kurz WAICO. Laut Gründungsabkommen ist sie eine unabhängige zwischenstaatliche Organisation mit Hauptsitz in Shanghai; für China unterzeichnete Aussenminister Wang Yi. Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Indonesien, Brasilien, Russland, Pakistan, Kasachstan, Laos, Malaysia, Südafrika und Senegal — der Schwerpunkt liegt klar im Globalen Süden. UNO-Generalsekretär António Guterres war bei der Unterzeichnung anwesend.

Das erklärte Ziel: internationale Zusammenarbeit und globale Regeln für KI, damit die Technologie «nutzbringend, sicher und fair» bleibt. Neu ist die Idee nicht — Premier Li Qiang stellte sie erstmals im Juli 2025 vor.

Ein Satz, der nach Washington zielt

Am 17. Juli sprach Xi zur Eröffnung der World AI Conference (WAIC) — zum ersten Mal in der neunjährigen Geschichte der Konferenz. Sein meistzitierter Satz:

«Die Entwicklung von KI sollte kein Solo eines einzelnen Landes sein, sondern eine Symphonie internationaler Zusammenarbeit.»

Gemeint ist damit vor allem ein Land. Xi warnte davor, «den Begriff der nationalen Sicherheit im KI-Bereich zu überdehnen und die eigene Sicherheit über jene anderer Staaten zu stellen» — eine kaum verhüllte Replik auf die US-Exportkontrollen für KI-Chips. Konkret zugesagt hat er 5'000 Ausbildungs- und Seminarplätze für Entwicklungsländer in den nächsten fünf Jahren sowie den Zugang für 30 Länder zum chinesischen KI-Wetterwarnsystem MAZU.

Die Konferenz liefert den Rahmen dazu: Laut Veranstaltern beteiligen sich über 1'100 Unternehmen mit mehr als 3'000 Produkten, darunter über 300 Weltpremieren, verteilt auf mehr als 140 Foren.

Genf im Juli, Shanghai im Juli

Und hier wird es für dich als Leserin oder Leser in der Schweiz interessant. Am 6. und 7. Juli — gut eine Woche vor Shanghai — fand in Genf die allererste Sitzung des UNO-Global-Dialogue on AI Governance statt, am Rande des AI-for-Good-Gipfels der ITU. Genf ist der klassische Ort, an dem die Welt sich Regeln gibt: 193 UNO-Mitgliedstaaten an einem Tisch.

Innerhalb von zehn Tagen sind damit zwei Foren für globale KI-Regeln gestartet. Eines in Genf: offen für alle, aber ohne Vertragscharakter. Eines in Shanghai: mit Abkommen, Hauptsitz und 29 Mitgliedern. Das ist kein Ersatz, aber ein zweiter Pol. Und die nächste Runde des Genfer Dialogs findet nicht einmal in Genf statt — Sitzung zwei ist für Mai 2027 in New York angesetzt.

Der Umweg über die UNO-Mehrheit

Was WAICO tatsächlich bewirkt, ist offen — die Organisation ist wenige Tage alt. Analysten ordnen den Schritt so ein: Der Governance-Experte Arindrajit Basu schreibt für den US-Thinktank Carnegie Endowment for International Peace, Peking wolle «globale Führung demonstrieren», während sich Washington aus internationalen Cyber- und KI-Normprozessen zurückziehe — und hoffe dabei auf Zustimmung des Globalen Südens für seine staatszentrierte Techniksteuerung. Al Jazeera berichtet, Analysten erwarteten, China werde die Allianz nutzen, um KI-Politik innerhalb der UNO zu prägen.

Genau das ist der Punkt, den man im Auge behalten sollte: nicht, was WAICO selbst beschliesst — sondern wie viele Stimmen es mitbringt, wenn in Genf oder New York abgestimmt wird.

Quellen

Aussenministerium China – Xi Jinpings Rede zur Eröffnung der World AI Conference 2026↗ EXTERNER LINKXinhua – 29 countries sign agreement on establishing World AI Cooperation Organization↗ EXTERNER LINKXinhua Headlines – Xi unveils new AI cooperation body↗ EXTERNER LINKXinhua FOCUS – 2026 World AI Conference opens in Shanghai↗ EXTERNER LINKUNO – Global Dialogue on AI Governance↗ EXTERNER LINKAl Jazeera – China's Xi Jinping launches new AI alliance: What is it?↗ EXTERNER LINKAl Jazeera – China's Xi says AI 'should not be a solo performance by a single country'↗ EXTERNER LINKNPR/AP – China's Xi calls for step up of global effort in AI↗ EXTERNER LINKSCMP – Xi Jinping to attend World AI Conference for first time↗ EXTERNER LINKCNBC – Xi pitches China as AI partner to developing world↗ EXTERNER LINK
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